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Statistik: Wechselkennzeichen sind kein Renner

Die Nachfrage nach Wechselkennzeichen dümpelt inb Deutschland fast auf Nullniveau.
© Foto: GTÜ

2.115 Wechselkennzeichen haben Zulassungsstellen zwischen Juli und Dezember laut dem Kraftfahrt-Bundesamt ausgegeben. Gerechnet hatte der Staat mit deutlich mehr Kunden.


Datum:
07.05.2013
Autor:
<br>Uwe Schmidt-Kasparek/mid
9 Kommentare

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In Deutschland sind Wechselkennzeichen ein Flopp. Hochgelobt für mehr Umweltschutz soll die neue Pärchen-Zulassung seit Mitte 2012 Kunden motivieren, öfter mal die große Kutsche in der Garage stehen zu lassen und mit dem Kleinwagen zu fahren. Doch schon jetzt steht fest: Die Nachfrage dümpelt fast auf Nullniveau.

2.115 Wechselkennzeichen haben Zulassungsstellen zwischen Juli und Ende Dezember 2012 laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ausgegeben. Pro Monat sind das rund 350 Kunden. Der größte Autoversicherer, die HUK-Coburg-Gruppe, hatte bis März 2013 gerade einmal 200 Verträge verkauft, der zweitgrößte Anbieter, die Allianz 156 Policen. Bei der Kölner DEVK sollen es zwischen 500 und 1.000 Verträge sein. Eine exakte Auswertung gebe es noch nicht. Und bei der Zurich Versicherung haben die Kunden - trotz massiver Werbung - bisher weniger als 100 Verträge abgeschlossen. der ADAC will zu seiner Autoversicherung keine genauen Zahlen nennen.

Demgegenüber hatte der Staat mit 54.000 Kunden pro Jahr gerechnet - in sechs Monaten hätte es dann immerhin 27.000 Fahrzeugpärchen mit Wechselkennzeichen gegeben. Meilenweit ist Deutschland in dieser Beziehung von der Schweiz entfernt. Hier fahren zehn Prozent der Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen. Umgerechnet für Deutschland wären das fünf Millionen Fahrzeuge.

Hohe Kosten

Die Neueinführung des Wechselkennzeichens hat hierzulande viel Geld gekostet. Immerhin entstand Firmen mit Flotten nach Einschätzung des Bundesrates wegen einer neuen Informationspflicht und den kommunalen Zulassungsbehörden ein Mehraufwand von insgesamt über 20 Millionen Euro. Auch für die Kfz-Versicherer, die Wechselkennzeichen-Tarife anbieten, dürfte die Neuregelung aufgrund der Kalkulation und höheren Verwaltungskosten ein Minusgeschäft gewesen sein. Die Zeche zahlen Steuerzahler und alle Autobesitzer.

"Wir wollen die Nutzung mehrerer Fahrzeuge erleichtern und einen Anreiz zum Kauf eines umweltfreundlichen Zweitfahrzeuges, etwa eines Elektroautos setzen", begründete Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Einführung. Doch gegen das starke Bundesfinanzministerium konnte sich der Verkehrsminister nicht durchsetzen. Anders als im Ausland, gibt es in Deutschland keine Steuervergünstigung für Autobesitzer mit Wechselkennzeichen. Zudem dürfen immer nur zwei Autos zum Wechsel-Pärchen ernannt werden und die müssen auch noch aus der gleichen Gruppe stammen. So können Pkw mit einem anderen Pkw, aber auch mit einem Reisemobil oder einem Oldtimer kombiniert werden.

Geringer Versicherungsrabatt

Die meisten Autoversicherer geben den Kunden, die für ihre Fahrzeuge einen Wechselkennzeichentarif abschließen, nur einen marginalen Rabatt oder machen gar nicht mit. "Uns bleibt nur ein geringer Spielraum für eine risikobezogene Beitragsreduzierung, denn das Risiko von Fahrzeugen mit Wechselkennzeichen wird bereits durch andere Merkmale wie zum Beispiel die jährliche Fahrleistung sehr gut erfasst", sagt Holger Brendel von der HUK-Coburg. Der Versicherer gewährt daher in Kfz-Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko maximal zehn Prozent Nachlass. Den gleichen Rabatt geben Concordia, Württembergische und HDI, während die Generali immerhin 20 Prozent Nachlass bietet - und die Signal Iduna nur 6,5 Prozent, wie eine Auswertung des Vergleichsrechners der Unternehmensberatung Nafi aus Höxter ergab.

Große Vorteile gibt es bei der DEVK für Kunden, die erstmals einen Zweitwagen mit Wechselkennzeichen zulassen. "Außer dem Beitragsnachlass bietet die DEVK eine Vergünstigung bei der Einstufung in die Schadenfreiheitsklasse. Wer ein Wechselkennzeichen nutzt, erhält für das zweite Fahrzeug dieselbe Rabattklasse wie für den Erstwagen."

Richtig motivieren konnte das die Kunden kaum. Wer zwei Fahrzeuge mit Wechselkennzeichen zulässt, muss beispielsweise in Düsseldorf 49 Euro Gebühren zahlen. Hinzu kommt noch der Aufwand für die Kennzeichen, der etwa 56 Euro ausmacht. Das frisst den Nachlass beim Autoversicherer schnell auf. (mid/usk)

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KOMMENTARE


Oliver Mayer

07.05.2013 - 17:51 Uhr

Naja, man hat es ja schon 1000 mal gesagt. Wäre es das Schweizer Modell, wären es deeeeeeeeeeeeeutlich mehr Wechselkennzeichen (Ich hätte dann vermutlich auch eines) Aber 2 x Steuer, geringe Rabatte bei der Versicherung ???? Setzen, 6 !!


Udo Brings

07.05.2013 - 18:49 Uhr

Alles nur Wahlschau. Mehr als Daseinsberechtigung zu beweisen ist es doch nicht. Verkehrssicherheit und Umweltschutz sieht anders aus.Wo ist der Anreiz ein 2. kleineres Fahrzeug zu fahren, wenn ich nichts erreiche oder spare. Von mir auch eine 6-


Dieter M. Hölzel

07.05.2013 - 20:32 Uhr

So ist es Herr Mayer, diese Stümper hören nicht auf Fachleute, statt der6 sollten die einfach bloß ihre Stühle räumen, ein einziges Trauerspieldieser Politgespenster.


poldi66

08.05.2013 - 08:45 Uhr

Raffgier!!!. Schäuble = Raffzahn+ Versicherer = Raffzähne--------------------------= vorauszusehende und gerechte Pleite!! Hurra, wir Deuschen sind ja sooooo schlau (doof)!Normal sollte man diesen Kostenaufwan vom Buckel des Schäuble runterhauen dürfen, der ist der Hauptübeltäter dieses Schildbürgerstreiches!!Wir können ja alles besser (siehe Maut hahaha) als Österreich und die Schweiz! Unsere Politiker sind die dümmsten aber dafür korruptesten der Welt.


J. Orth.

08.05.2013 - 14:52 Uhr

Also: habe einen 27 Jahre alten Youngtimer 190E (als Drittfzg.), Jahresfahrleistung unter 3.000 km. Saisonkz. 03-10 (8 Monate).Steuern muß ich eh zahlen, ob mit Wechsel-Kennzeichen oder ohne!Versicherung Oldie-Tarif: 12,64 Euro im Monat x 8 Mon. = 101,12 Euro/Jahr. Das kostet einmal Essen gehen zu Dritt...Wozu würde ich also ein Wechselkennzeichen benötigen???Und in 3 Jahren bekomme ich das H-Kennzeichen sowieso.Das Wechselkennzeichen war in Deutschland doch schon tod vor Einführung!


schmakalle

09.05.2013 - 09:12 Uhr

Der Artikel beschreibt Gründe für den Wechselkennzeichen-Flop oberflächlich. Fehlende finanzielle Vorteile herauszustellen, die so nicht eintreten konnten, und Nachteile beschreiben, die nicht nur die deutsche Lösung hat, reichen nicht aus. Fachjournalistische Aufarbeitung eines Themas anhand von Fakten sieht anders aus.


J. Orth.

10.05.2013 - 11:05 Uhr

@ schmakalle: &#34;Fachjournalistische Aufarbeitung&#34; muß nicht immer wissenschaftlich sein! Es reicht hierbei aus, wenn man 1+1 zusammenzählt. ;-)


Max

13.05.2013 - 23:40 Uhr

Ich hab auch ein normales Fahrzeug und einen alten Alfa Romeo. Ich hatte mich auf http://www.wechselkennzeichen.net informiert und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ein Saisonkennzeichen oder sogar eine ganzjahres Anmeldung billiger ist! Leider nicht der Fall! Armes Deutschland!


schmakalle

14.05.2013 - 09:50 Uhr

@ J. Orth: Besten Dank für den Hinweis &#34;Wenn man 1+1 zusammenzählt&#34;, denn genau das meinte ich. Im Ergebnis werden leider auch durch vermeintliche Fachjournalisten immer öfter Fakten durch Meinungen ersetzt, das ist natürlich einfacher und geht schneller. Von &#34;wissenschaftlich&#34; halte ich auch nichts, aber von Sachlichkeit.


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