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Reformprozess: Neue ADAC Mitglieder kompensierten Krisen-Abgänger fast komplett

Reformprozess
Neue ADAC Mitglieder kompensierten Krisen-Abgänger fast komplett
Bilden derzeit die Führung des ADAC e.V. (v.l.n.r.): Thomas Burkhardt (Vizepräs. Technik), Werner Kaessmann (Generalsyndikus), Hermann Tomczyk (Vizepräs. Sport), Dr. August Markl (kommiss. Präsident), Ulrich Klaus Becker (Vizepräs. Verkehr), Klaus-Peter Reimer (Vizepräs. Finanzen) und Kurt Heinen(Vizepräs. Tourismus).
© Foto: ADAC e. V.

Nach einem überaus erfolgreichen Jahr 2013 ist der ADAC nach den Turbulenzen der vergangenen Monate auf dem Kurs der Konsolidierung. Der Reformprozess schreitet nach Angaben des kommissarischen Präsidenten Dr. August Markl gut voran und auch die Mitgliedszahlen blieben aufgrund starker Neuzugänge weitgehend stabil.

Knapp ein halbes Jahr nach den am 16. Januar durch die Gelbe-Engel-Preisverleihung ausgelösten Turbulenzen nahm am gestrigen Montag ADAC Interimspräsident Dr. August Markl im Rahmen einer Pressekonferenz Stellung zum aktuellen Reformprozess, aber auch zu den Geschäftszahlen des Vorjahres und der aktuellen Mitgliederentwicklung. 

"Mitglied steht künftig mehr denn je im Fokus"

Mit umfassenden Umstrukturierungen und Reformen auf allen Ebenen wolle der weltweit zweitgrößte Autofahrerclub die Krise in den kommenden Monaten sukzessive überwinden und verloren gegangenes Vertrauen auf allen Ebenen zurückgewinnen. "Das Vertrauen unserer Mitglieder wiederzugewinnen ist das erklärte Ziel des Reformprogramms. Das Mitglied und seine unterschiedlichen Interessen stehen künftig mehr denn je im Fokus unserer Aktivitäten. Ihm werden wir mit Hilfe, Schutz und Rat zur Seite stehen", so Markl.

Neue Compliance-Richtlinien

Im Rahmen des Reformprogramms arbeiten derzeit mehr als 100 ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter aus der gesamten ADAC Organisation und externe Spezialisten in sieben Arbeitsgruppen an einer umfassenden Neuausrichtung des Clubs. Zusammen mit der Rechtsanwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer werde dabei unter anderem auch ein für die gesamte Organisation geltendes Compliance-System erarbeitet. Einzelne Maßnahmen – wie etwa die Einführung eines online-basierten Hinweisgebersystems – seien bereits umgesetzt. Über die konkreten Vorschläge und Ergebnisse werde im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Dezember 2014 diskutiert und abgestimmt.

Effektiv-Verlust von rund 15.000 Mitgliedern

Von Seiten der Mitglieder hat der ADAC allerdings keine so schlimme Entwicklung genommen, wie dies vielfach von den massiven Kritikern prognostiziert worden war: 320.000 Mitglieder hätten den Club seit Januar wegen den Schummeleien um den Gelben Engel und sonstiger Ungereimtheiten verlassen, weitere rund 65.000 Austritte gab es aufgrund von anderweitigen Gründen bzw. Todesfällen. In der gleichen Zeit hätten sich rund 370.000 Neumitglieder beim ADAC angemeldet, was per Saldo einen Effektivverlust von 15.000 Mitgliedern bedeutet. Der Club hatte zum letzten Stichtag am 31. Mai 2014 insgesamt 18,93 Millionen Mitglieder gegenüber 18,94 Millionen zum 31.12.2013, so dass die Krisenabgänger bis auf rund 15.000 Personen durch Neueintritte wieder kompensiert wurden.

Rückschau auf ein erfolgreiches Jahres 2013

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013, das noch nicht von den aktuellen Ereignissen geprägt war, hat sich der Automobilclub laut August Marl "positiv entwickelt". Im Vorjahr konnte der ADAC nach Abzug von Abgängern und Todesfällen insgesamt einen Zuwachs von rund 528.000 (plus 2,9 Prozent) Mitgliedern gegenüber 2012 vorweisen. Bedingt durch dieses Mitgliederwachstum stiegen auch die Mitgliedsbeiträge im Vorjahr von rund 1,02 Mrd. Euro auf etwa 1,05 Mrd. Euro. Laut Satzung des ADAC e.V. gingen 37 Prozent davon (388,9 Mio. Euro) an die 18 rechtlich eigenständigen Regionalclubs. Für den ADAC e.V. ergaben sich somit Mitgliedsbeiträge in Höhe von 658,4 Mio. Euro (2012: 641,8 Mio. Euro). Nach Abzug der Prämien für Plus-Mitgliedschaft und Unterwegsschutz verblieben 2013 insgesamt 434,3 Mio. Euro (2012: 424,4 Mio. Euro) beim ADAC e.V.

Das meiste Geld kostet die Pannen- und Unfallhilfe...

Mit 269,2 Mio. Euro (Vj.: 253,3 Mio. Euro) floss 2013 der größte Teil der Beiträge in die ADAC Kernbereiche Pannen- und Unfallhilfe. Für den Bereich Verbraucherinformation (z.B. ADAC Motorwelt, ADAC TourSets, Karten etc.) wurden 79,5 Mio. Euro (Vj.: 74,4 Mio.) und für den Mitgliederservice 62,2 Mio. Euro verwendet (Vj.: 61,6 Mio.). Die Ausgaben für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit betrugen 14,2 Mio. Euro (Vj.: 12,5 Mio.). Für den Bereich Sport wurden 5,5 Mio. Euro ausgegeben (Vj.: 5,1 Mio.). Aus den Mitgliederleistungen verblieb dementsprechend ein positives Ergebnis von 3,7 Mio. Euro (Vj.: 17,5 Mio.).

... was auch den Gewinn schmälerte

Der Jahresüberschuss des ADAC e.V. lag 2013 bei rund 4,6 Mio. Euro nach 25,0 Mio. im Jahr davor. Gründe für den Gewinnrückgang sind laut ADAC unter anderem Mehraufwendungen für Pannen- und Unfallhilfe, für Verbraucherinformationen sowie ein höherer Steueraufwand. Die Bilanzsumme des ADAC e.V. belief sich zum Jahresende 2013 auf 2,34 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalausstattung lag mit 1,06 Mrd. Euro auf Höhe der Gesamt-Mitgliedsbeiträge eines Jahres. Pro Mitglied verzeichnete der ADAC e.V. einen Eigenkapitalanteil in Höhe von 56,05 Euro.

Luftrettung und Ambulanzservice im Dauereinsatz

Die Zahl der vom ADAC e.V. geleisteten Pannenhilfen lag 2013 bei rund 4,14 Mio. (Vj.: rd. 4,17 Mio.). 85,6 Prozent der Pannen konnten an Ort und Stelle behoben und den Autofahrern somit die Weiterreise ermöglicht werden. Die Hubschrauber der gemeinnützigen Tochtergesellschaft ADAC-Luftrettung gGmbH bewältigten im vergangenen Jahr so viele Einsätze wie noch nie. Die Besatzungen der "Gelben Engel der Lüfte" starteten 2013 zu rund 51.000 Einsätzen (Vj.: rd. 49.200). Extrem hohes Aufkommen verzeichnete auch der ADAC Ambulanzservice. Er betreute weltweit rund 53.300 schwerer erkrankte oder verletzte Patienten (Vj.: rd. 52.800). Für rund 14.000 (Vj.: rd. 14.100) von ihnen wurde ein Krankenrücktransport in die Heimat organisiert.

Weiter solide Ergebnisse der Tochtergesellschaften

Die seit 1981 in der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH zusammengefassten Tochtergesellschaften erzielten im Geschäftsjahr 2013 Gesamterträge von 1,09 Mrd. Euro (Vj.: EUR 1,03 Mrd.). Der Gewinn lag bei 119,2 Mio. Euro (Vj.: EUR 84,9 Mio.) Das Plus von 34,3 Mio. Euro resultierte vor allem aus einer Rückstellungsauflösung. Die Bilanzsumme der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH lag Ende des abgelaufenen Geschäftsjahrs bei 1,76 Mrd. Euro (Vj.: EUR 1,62 Mrd.), das Eigenkapital betrug 824 Mio. Euro (Vj.: EUR 705 Mio.). Wesentliche Beiträge zum Umsatz kamen aus den ADAC Versicherungen.

Veränderungen auch für die Regionalclubs

Neben dem ADAC e.V. und der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH weisen auch die 18 rechtlich selbstständigen Regionalclubs für das Jahr 2013 von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften testierte Jahresabschlüsse aus. Die wichtigsten Kennzahlen sind online unter www.adac.de/geschaeftsjahr abrufbar. Aufgrund unterschiedlicher, rechtlich zulässiger Standards können die einzelnen Bilanzen bislang noch nicht für alle Regionalclubs konsolidiert zusammengefasst werden. Der ADAC arbeitet im Rahmen seiner Neuausrichtung auch hier an einer Vereinheitlichung, um in Zukunft eine testierte Konsolidierung der einzelnen Regionalclub-Jahresabschlüsse vorlegen zu können.

Die Kennzahlen und weiterführende Informationen zum ADAC e.V., zur ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH, den 18 rechtlich eigenständigen ADAC Regionalclubs sowie zum gemeinnützigen Engagement des ADAC sind online unter www.adac.de/geschaeftsjahr nachlesbar.   (wkp)