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Allianz Zentrum für Technik: 1.000 Autos für mehr Sicherheit

Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung Allianz Zentrum für Technik (AZT), Karsten Crede, Vorstand Allianz Global Automotive (v.l.)
© Foto: Allianz

Erstmals wurde in einem europäischen Forschungsprojekt der Sicherheitsgewinn von Fahrerassistenzsystemen im realen Verkehr nachgewiesen. Das AZT analysierte im Test die Wirksamkeit der Technologien. Die Allianz nutzt die Ergebnisse für ihre weltweiten strategischen Partnerschaften mit der Automobilindustrie.


Datum:
24.08.2012
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Nach Abschluss des vierjährigen Forschungsprojektes euroFOT (European Field Operational Test) liegen jetzt die Ergebnisse des europäischen Feldtests vor. Acht Fahrerassistenzsysteme, die seit 2008 auf dem Markt sind, wurden dabei umfassend getestet. Von den 28 Partnern aus Automobilindustrie, Forschungsinstituten und Universitäten war das Allianz Zentrum für Technik (AZT) mit der Wirksamkeitsanalyse betraut.

1.000 Pkw und Lkw über ein Jahr im Straßenverkehr getestet

Für den Test waren 1.000 speziell ausgerüstete Pkw und Lkw über zwölf Monate lang mit wechselnden Fahrern auf den Straßen Europas unterwegs. Dabei wurden bei jedem Abbiegen, Beschleunigen, Bremsen oder Spurwechsel die Bewegungsmesswerte verfolgt und aufgezeichnet. In vielen Fahrzeugen wurden zudem Fahrer und Fahrsituation gefilmt.

Das Forschungsprojekt untersuchte die Fahrerassistenzsystem-Technologien hinsichtlich deren Potenzial zur Erhöhung der Verkehrsicherheit und -effizienz, der Akzeptanz beim Fahrer, der Verbesserung des Fahrverhaltens, der Möglichkeit, Kraftstoff einzusparen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt.

Schon mit zwei Systemen 42 Prozent der Auffahrunfälle auf Autobahnen vermeidbar

"Bislang haben wir uns bei der Bewertung von Systemen auf Prognosen und zahlreiche Annahmen stützen müssen. Mit dem groß angelegten Feldversuch liegen nun erstmals reale wissenschaftlich erhobene Daten zu Akzeptanz, Nutzung und Wirkung vor, die deutlich den Sicherheitsgewinn von bereits verfügbaren Systemen zeigen", so Dr. Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT). Und die Ergebnisse sprechen für sich. So könnten beispielsweise allein durch die adaptive Geschwindigkeitsregelung in Kombination mit dem Auffahrwarnsystem 42 Prozent aller Auffahrunfälle auf der Autobahn vermieden werden.

Allianz nutzt Ergebnisse für internationale Versicherungsprodukte

Das Engagement im Projekt euroFOT sei ein wichtiger Baustein der Allianz Global Automotive Strategie. Als Entwicklungspartner der Automobilindustrie unterstützt die Allianz ihre Partner von der Forschung und Entwicklung, vom Produktionsprozess bis hin zum Aftersales-Bereich, beim Vertrieb und bei der Schadenabwicklung.

"Die im realen Straßenverkehr erhobenen Daten sind von besonderer Bedeutung für die Allianz", so Karsten Crede, Vorstand Allianz Global Automotive. "Damit sind wir jetzt noch besser in der Lage, den Einfluss von Fahrerassistenzsystemen auf Versicherungsschäden abzuschätzen und im internationalen Markt mit unseren Partnern der Automobilindustrie Versicherungsprodukte zu entwickeln, die das Unfallreduktionspotenzial berücksichtigen."

Schnelle Markteinführung von Fahrerassistenzsystemen

Die Unfallforscher im AZT sind aufgrund der realen Messwerte und Erfahrungen im Feld zuversichtlich, dass mit Fahrerassistenzsystemen der aktuellen und nächsten Generation ein noch höherer Sicherheitsgewinn erzielt werden kann. Voraussetzung ist eine schnelle Markteinführung, die die Allianz durch Aufklärungsarbeit, Sensibilisierung der Autofahrer sowie entsprechende Versicherungsprodukte weiter nachhaltig unterstützen wird.

Ergebnisse des euroFOT-Feldtests

Der euroFOT-Praxistest war auf acht individuelle Fahrerassistenzfunktionen ausgerichtet. Neben einer Reihe von Erkenntnissen zum Einfluss auf Verkehrseffizienz und Kraftstoffverbrauch seien folgende Forschungsergebnisse zur Verkehrssicherheit von Bedeutung:

Adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) und Auffahrwarnsystem (FCW)

• Die Zahl scharfer Bremsmanöver nimmt stark ab (Autobahn: –67 Prozent,
Landstraße: –45 Prozent, innerorts: –32 Prozent )
• Die Zahl der kritischen Abstände zum vorausfahrenden Fahrzeug nimmt stark ab
(Autobahn: –73 Prozent, Landstaße: –81 Prozent, innerorts: –63 Prozent)
• Die Zahl der Beinahe-Unfälle nimmt stark ab (Autobahn: –32 Prozent, Landstraße:
–45 Prozent, innerorts: –2 Prozent)
• Hoher Nutzungsgrad von ACC auf der Autobahn (in 52 Prozent der Zeit
eingeschaltet)
• 31 Prozent der Autofahrer nutzen ACC auf der Landstraße
• Das Vermeidungspotenzial von Auffahrunfällen auf der Autobahn liegt bei 42
Prozent (Landstraße bis zu 14 Prozent )
• Die teilnehmenden Fahrer betonten in der Befragung, dass ACC und FCW äußerst
geschätzte und benutzte Funktionen sind, die sowohl Komfort als auch Sicherheit
erhöhen.

Spurhalteassistent (Lane Departure Warning – LDW)

• Verbesserte Spurhaltung sowie Reduktion des mittleren Einschlagwinkels
• Verbessertes Blinkerbetätigungsverhalten

Navigationssysteme

• Hohe Akzeptanz, insbesondere auf langen Reisen und unbekannten Strecken
• Das Fahrerverhalten ist deutlich besser, insbesondere Spurwechselverhalten, Abstandsverhalten zu vorausfahrenden Fahrzeugen; Abnahme abrupter Bremsmanöver

Totwinkel-Assistent (BLIS)

• 80 Prozent der Fahrer waren der Meinung, dass BLIS die Sicherheit erhöht
(besonders nützlich im dichten städtischen Verkehr keine zusätzliche Belastung)
• Wichtige Ergänzung zur Sichtkontrolle (Schulterblick)

Geschwindigkeitsregelsystem (Speed Limiter – SL + Cruise Control – CC)

• Reduktion von Fahrten mit überhöhter Geschwindigkeit
• Anzahl der abrupten Bremsmanöver nimmt ab
• Anzahl kritischer Abstände nimmt ab

Vorausschauende Geschwindigkeitswarnung (CSW)

• 75 Prozent der Fahrer waren der Meinung, dass CSW die Sicherheit erhöht
(besonders nützlich auf Landstraßen).
• CSW unterstützt defensives Fahrverhalten.

Bündnis von Politik, Wissenschaft, Forschung und Automobilindustrie

euroFOT, die laut Allianz erste großangelegte Europäische Feldstudie (Field Operational Test – FOT) von modernen Fahrerassistenzsystemen, besteht aus einem Konsortium von 28 Organisationen, unter anderem Autoherstellern, Zulieferern, Universitäten, Forschungsinstituten und anderen Interessengruppen. Das von FORD geleitete Projekt entwickelte die Studie mit dem Schwerpunkt auf mit modernen Fahrerassistenzsystemen ausgestatteten intelligenten Fahrzeugen, die von gewöhnlichen Fahrern in echtem Verkehr benutzt wurden. Der Beweggrund bestand für euroFOT darin, verschiedene Fahrzeugfunktionen hinsichtlich ihrer Verkehrssicherheit, -effizienz und der Umwelt zu beurteilen. Zusätzlich wurden Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz ausgiebig beurteilt. 

EU-Ziel: Halbierung der Verkehrstotenzahlen im nächsten Jahrzehnt

Das Projekt ist von besonderer Bedeutung für das Weißbuch „Europäisches Aktionsprogramm für die Straßenverkehrssicherheit 2011-2020" der Europäischen Kommission, das 2010 mit dem Ziel bekanntgegeben wurde, die Zahl der Verkehrstoten in Europa im nächsten Jahrzehnt zu halbieren. Dieses gemeinsame Forschungsprojekt lief von Mai 2008 bis Juni 2012 und wurde mit Mitteln der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission (DG INFSO) unter dem 7. Forschungsrahmenprogramm (FP7) für Forschung und technologische Entwicklung gefördert. Die Endergebnisse wurden am 26. - 27. Juni 2012 in Brüssel präsentiert.

Die Konsortiumsmitglieder

Zu den euroFOT-Konsortiumsmitgliedern gehören Ford, BMW, Daimler AG, Centro Ricerche Fiat, MAN Truck & Bus AG, Volvo Car Corporation, Volvo Technology Corporation, Audi Volkswagen AG, Bosch, Continental, Delphi, Harman International, Institute of Communication and Computer Systems (ICCS), Bundesanstalt fur Straßenwesen (BAST), RWTH Aachen, Institut für Kraftfahrzeuge, Aachen (ika), Centre Européen d'Etudes de Sécurité et d'Analyse des Risques (CEESAR), Chalmers Tekniska Hoegskola Aktiebolag, Fundación para la Promoción de la Innovación, Investigación y Desarrollo Tecnológico de la Industria de Automoción de Galicia (CTAG), University of Leeds, Institut français des sciences et technologies des transports, de l'aménagement et des réseaux (IFSTTAR), Interdisziplinäres Zentrum fur Verkehrswissenschaftenan der Universität Würzburg (IZVW), Politecnico di Torino, Nederlandse Organisatie voor toegepastnatuurwetenschappelijk onderzoek (TNO), Allianz Center for Technology, ADAS, ALCOR, ERTICO – ITS Europe und European Center for Information and Communication Technologies GmbH (EICT). (lk)

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