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Expertenrunde: DIQ-Symposium votiert für mehr Omnibussicherheit

Handelnde Personen beim 2. DIQ Symposium (v.l.): Peter Schuler (DIQ), Karl-Heinz Brüggemann (Polizei Niedersachsen), Burkhard Köhler (Buchautor, Berlin), Lutz Steiner (Volvo Busse Dld.), Dr. Walter Eichendorf (DVR), Alexander Berg (Dekra), Bastian Roet (bdo), Prof. Dr. Peter König (Leiter Symposium), Thomas Koch (DIQ), Karl-Hermann Lauterbach (Verkehrsanwalt).
© Foto: DIQ

Das 2. Symposium des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung e.V. (DIQ) zeigte klar die aktuellen Schwachstellen im Omnibusverkehr auf. Der menschliche Faktor stand dabei ganz oben auf der Liste. Spezialisten haben allerdings auch auf die wirtschaftlichen Zwänge der Unternehmer hingewiesen.


Datum:
05.10.2012
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Zehn Menschen starben 2011 in Deutschland bei Busunglücken. Statistisch gesehen machen sie 0,25 Prozent der deutschen Verkehrstoten aus. Doch jedes Verkehrsopfer ist eines zuviel. Deshalb trafen sich vor genau einer Woche die Verkehrsexperten aus unterschiedlichen Bereichen auf dem 2. DIQ-Symposium in Bonn, um über das Thema "Sicherheit in Omnibussen" zu diskutieren. Von Beginn an stand fest, dass in diesem Bereich noch viel Handlungsbedarf besteht.

Potenzielle Vorreiterrolle

Im ersten Halbjahr 2012 nutzten laut dem Statistischen Bundesamt rund 2,7 Milliarden Menschen den Bus als Nahverkehrsmittel. Eine Million Fahrgäste griff auf den Omnibus bei Fernreisen zurück – damit verzeichnete die Branche ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses Verkehrsaufkommen kündige laut Bundesverkehrsministerium "den Fall des Bahnmonopols für Fernreisen" an.

Neben der Verkehrssicherheit gehören dann auch die Rolle der Industrie, die Effizienz und die Umweltfreundlichkeit zu den zentralen Themenbereichen, die künftig noch verstärkt behandelt werden müssen. Laut dem Leiter des 2. DIQ-Symposiums, Professor Dr. Peter König von der Fachhochschule Trier, besitzt die deutsche Automobilindustrie bei der Sicherheitstechnologie (weltweit) eine Vorreiterrolle. Dennoch sehe er noch eine ganze Reihe an weiteren offenen Themen.

Zusammenspiel der Faktoren

Bastian Boet vom Bundesverband Deutscher Omnibusse e.V. erklärte, worauf es am meisten ankommt: "Sicherheit entsteht immer aus dem Zusammenspiel von Fahrer, Fahrzeug und der Organisation. Wenn dieses Dreieck der Sicherheit ein etablierter Teil der Firmenkultur ist, werden Risiken erkennbar und damit auch vermeidbar."

Doch Burkhard Köhler, Polizeibeamter aus Berlin, sieht dieses Dreieck durch harten Wettbewerb gefährdet. In den vergangenen zwei Jahren hat er im Rahmen seiner Tätigkeit rund 240 Busse überprüfen müssen. Dabei wurden zahlreiche Mängel –wie etwa Betriebsmittelverluste (vor allem im Bereich heißer Motorenteile, was die Brandgefahr erhöht), Bremsen oder Lenkungen – beanstandet: "Technische Mängel, hauptsächlich basierend auf fehlender Wartung, sind die eine Seite der Medaille. Der enorme Kostendruck, der auf Busunternehmen und Fahrern lastet, ist die andere Seite. Hier sollten, im Sinne einer verbesserten Verkehrssicherheit, dringend Lösungen gesucht werden."

Vorschriften beachten

Rechtsanwalt Karl-Hermann Lauterbach legte in seinem Vortrag ebenfalls den Fokus auf den Faktor Mensch. Nach jahrelanger Rechtspraxis empfiehlt er, dafür zu sorgen, dass die vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtungen vorhanden sind und die Lenkzeiten und Vorschriften von Fahrern der Omnibusse eingehalten werden. Schon damit könne man viel zur Unfallprävention beitragen.

"Vorausschauendes Denken und Handeln ist oberste Fahrer-Maxime"

Ein Hauptgrund für Unfälle sei übrigens oftmals ein zu zögerliches Bremsen. Damit es gar nicht so weit kommt, erklärt der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates e.V., Dr. Walter Eichendorf, die Maxime beim Faktor Mensch: "Das vorausschauende Denken und Handeln ist für Fahrer von Reisebussen unverzichtbar. Fahrgäste sind deshalb bei einem solchen Fahrer am besten aufgehoben, der gar nicht erst in gefährliche Situationen gerät."

Deshalb lernen die Teilnehmer im Sicherheitsprogramm Reisebus des DVR und seiner Mitglieder, Risiken des Straßenverkehrs richtig einzuschätzen, um Gefahren besser erkennen und vermeiden zu können. "Das ist exakt im Sinne unserer Strategie Vision Zero – keiner kommt um, alle kommen an", sagte Eichendorf.

Verantwortung der Industrie

Neben dem Mensch spielt auch die Technik eine große Rolle bei der Omnibussicherheit. Über die sogenannte passive Sicherheit sprach Alexander Berg von der Sachverständigenorganisation DEKRA und stellte hierbei den Zusammenhang zwischen aktuellen Unfallstatistiken, den Risikogrößen und den typischen Unfallszenarien deutlich dar. Insbesondere die Crashtests zum Thema Strukturfestigkeit des Aufbaus und zur Funktion moderner elektronischer Fahrerassistenzsysteme sowie zum Einbau leistungsfähiger Rückhaltesysteme fanden beim Publikum viel Aufmerksamkeit. Zum Schluss betonte Berg die zentrale Rolle der weiteren Steigerung der Gurtanlegequote zur Eindämmung der schweren Unfallfolgen.

Effizienz ist machbar

Vor dem Hintergrund der Ressourcenknappheit und der Eurokrise sind Busunternehmer vor allem an der Effizienz der Fahrzeuge interessiert. „Ein Fahrgast im Bus, das ist Verschwendung. Ein im Idealfall mit 50 Personen besetzter Bus ist gegenüber dem Individualverkehr ein echter Sparmeister in Sachen Treibstoff und Schadstoffausstoß", erklärte Lutz Steiner von Volvo Busse Deutschland GmbH. Er verwies auf die aktuelle Entwicklung, nach der die Busse inzwischen an Größe und Gewicht zugenommen hätten und die vielen Aggregate, die die Busreise so angenehm machten, alle aus dem Dieseltank des Busses gespeist würden. „Hier gilt es, die Hilfsmittel, wie etwa die Klimaanlage, so passgenau wie möglich zu planen und genau auf die Bedürfnisse abzustimmen", zeigte Steiner eine Zukunftsstrategie auf.

Handlungsbedarf für alle

Anschließend fasste Professor Dr. König die Ergebnisse des Symposiums zusammen: "Die Busunternehmer befinden sich in einem schwierigen Umfeld. Angesichts der anstehenden Änderungen im Personalbeförderungsgesetz fehlt ihnen eine Perspektive. Investitionen werden aufgeschoben, die aktuell im Einsatz befindlichen Busse länger genutzt. Das darf aber nicht dazu führen, dass die Wartung vernachlässigt wird. Es gibt Handlungsbedarf. Das DIQ ist in der Lage, helfend tätig zu werden. Im Bereich der Überprüfung von Verkehrssicherheit kann das DIQ Maßnahmen entwickeln und in der Praxis überwachen." (ll)

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