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Fachgerechte Instandsetzung: Unfallschäden im Spannungsfeld der Kraftfahrzeugtechnik

Dr.-Ing. Holger Enge, Leiter der wissenschaftlichen Redaktion bei Presse + PR Pfauntsch, referiert auf dem 8. AUTOHAUS Schadenforum über die Herausforderungen der Fahrzeugtechnik auf den Service und insbesondere auf die Instandsetzung von Unfallschäden in der Praxis der Hersteller, Sachverständigen und Fachbetriebe.
© Foto: Presse + PR Pfauntsch

Die Automobilhersteller entwickeln permanent neue und zusätzliche technische Features für gleichzeitig stark wachsende Modellpaletten. Hier den Überblick zu behalten, ist nicht nur für Insider schwer. Zudem werden vermehrt Fahrzeuge im Markt eingeführt, bei denen die Service-Konzepte noch überhaupt nicht ausgereift sind. Das alles macht die Instandsetzung in vielerlei Hinsicht zuweilen zur echten Herausforderung!


Datum:
25.10.2012
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Immer besser, immer größer, immer mehr – und in jeder Nische mindestens ein Modell. Diesen Anspruch haben die führenden Automobilhersteller, insbesondere die deutschen Marken. Doch die Entwicklung, Produktion und der anschließende Vertrieb der Fahrzeuge sind das Eine und gelten für die meisten Konzerne als größte Aufgaben, die es zu beherrschen gilt.

Doch der Service ist das Andere. Gerade hier aber kommen auf alle Beteiligten ganz besondere Herausforderungen zu. Und das beileibe nicht nur auf die Automobilindustrie, sondern ganz besonders auch auf Sachverständige und Fachbetriebe des Karosseriebauer- und des Kraftfahrzeug-Handwerks.

Explosion der Modellvielfalt

Mit der Anzahl der Modelle steigen besonders die Aufgaben der Logistik, vorausgesetzt, dass die Entwicklung der einzelnen Fahrzeugvarianten auch tatsächlich abgeschlossen wurde. Doch genau hier treten die ersten Probleme schon weit vor der Serienreife auf. Zahlreiche Derivate werden meist mit der gleichen "Kernmannschaft" parallel entwickelt. Fehler und Unzulänglichkeiten, die hier begangen werden, haben gravierende Auswirkungen auf den gesamten Lebenszyklus der Autos. Das bekommen neben den Kunden vor allem die Mitarbeiter in den Werkstätten und Autohäusern deutlich zu spüren. Stichwort: Rückruf- oder auch "nur" Kundendienst- bzw. Werkstatt-Aktionen.

Und selbst die Schadenbranche ist von nicht vollends ausgereiften Produkten betroffen. Denn die unterschiedlichen Modelle eines Herstellers verhalten sich auch hinsichtlich des Schadenverlaufes und der nachfolgenden Instandsetzungskosten teils recht unterschiedlich. Dabei spielt natürlich der überproportionale Einsatz von Assistenzsystemen mit unzähligen Sensoren und Steuergeräten ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Vernetzung kritisch betrachten

Da die verbauten Systeme bekanntermaßen überwiegend stark mit- und untereinander vernetzt sind, können die bei einem Ausfall auftretenden Auswirkungen oder Störungen in der Regel nur sehr schwer nachvollzogen werden. Das gilt für ein Einzelsystem in gleicher Weise wie für das Gesamtsystem, also das komplette Fahrzeug. Ganz zu schweigen von einer konkreten theoretischen Vorhersage der Auswirkungen.

Derartige Störungen führen nicht zuletzt zu drastischen Differenzen zwischen der ermittelten Schadenhöhe bei der Begutachtung und den tatsächlich entstandenen Kosten nach einer sach- und fachgerechten Instandsetzung des Unfallschadens –insbesondere bei nicht alltäglichen Schadenbildern!

In ähnlicher Weise kaum möglich ist ferner eine Abschätzung der Auswirkungen auf benachbarte Systeme oder solche, die beispielsweise durch einen gemeinsamen CAN-Bus und das Gateway miteinander verbunden sind. In der Folge resultieren daraus erhebliche Unplausibilitäten.

Folgen nur schwer abschätzbar

In nächster Konsequenz kommt es in der Gutachten- und Werkstattpraxis zu einem zusätzlichen und teilweise sogar erheblichen Mehraufwand: Ein solcher ergibt sich etwa durch eine etwaig notwendige Nachbegutachtung oder durch einen komplett durcheinander gebrachten Instandsetzungsprozess im Karosseriefachbetrieb. Die Konsequenzen daraus fürchtet jeder Fachmann: Zusätzliche Beschaffungs- und/oder Mietwagenkosten sind nur zwei Beispiele für das, was alles an weiteren Notwendigkeiten auf die Werkstatt zukommen kann. Von einem erheblich höheren administrativen Aufwand und einem möglichen Vertrauensverlust seitens einer Versicherung oder eines Privatkunden noch ganz abgesehen.

Auswirkungen höherer Stahlblechqualitäten noch unklar

Ein ähnliches Szenario besteht bei strukturellen Schäden an Fahrzeug-Karosserien, die mit konventionellen, überwiegend aber bereits hoch-, höher- und höchstfesten Stahlblechen hergestellt sind. Unbenommen davon, dass diese Konstruktionen zu einer abweichenden Energieeinleitung und -verteilung führen können, sind bis dato die Instandsetzungstechnologien teilweise noch nicht einmal im Ansatz von den Herstellern ausgearbeitet, geschweige denn im Feld flächendeckend bekannt und dadurch auch in Reparaturbetrieben anwendbar.

Gleichfalls sind auch gesicherte Angaben über das Langzeitverhalten hinsichtlich des Betriebs- und/oder Festigkeitsverhalten schlichtweg oftmals nicht möglich. Diese These trifft selbst auf die Frage einer möglichen Korrosion bzw. Reaktion mit anderen Stoffen zu. Sprich: Auch hier fehlt es zum Beispiel für den Schadenfall häufig an nachhaltig abgesicherten Erkenntnissen.

Verbundwerkstoffe – die "unbekannten Wesen"

Auch beim flächendeckenden Einsatz von polyzyklischen Kohlenwasserstoffverbindungen als (mit-)tragende Strukturen sind, ausser aus dem Rennsport, kaum gesicherte Erfahrungen vorhanden und in der Serienanwendung bisher nicht verifizierbar.
Beispielsweise besitzt bis zum heutigen Zeitpunkt keine einzige Felge für Personenkraftwagen aus einem Kohlenfaser-Verbundwerkstoff in Deutschland eine Bauartnehmigung. Im Sinne der StVZO ist damit de facto keine einzige Felge für den allgemeinen Straßenverkehr auch tatsächlich zugelassen.

Abgesehen davon, dass es ferner noch keine validen Erkenntnisse aus Instandsetzungen von derartigen Leichtbauteilen gibt, werden diese – wenn überhaupt – nur unter Laborbedingungen im Herstellerwerk gewonnen. Werk ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch nicht der optimale Begriff: "Manufaktur" beschreibt die Arbeitsweise dieses äußerst zeit- und kostenaufwendigen Verfahrens (durchgeführt in ganz wenigen Spezialbetrieben) wesentlich zutreffender.

Exklusiv-Vortrag auf dem 8. AUTOHAUS-Schadenforum

Bis zum heutigen Zeitpunkt ist darüberhinaus ein Recyceln dieser anorganischen Stoffe nicht in einem größerem, der Serienfertigung angemessenen Volumen, möglich. Das gilt sowohl in Bezug auf den Arbeitsumfang, als auch mit Blick auf die hohen Kosten, welche hier anfallen.

Die Gesamtthematik ist für alle Beteiligten im Schadengeschäft ein hoch interessantes Themenfeld. Dr.-Ing. Holger Enge, der wissenschaftliche Leiter der AUTOHAUS-SchadenBusiness-Redaktion bei Presse + PR Pfauntsch, wird dieses Spektrum aus den verschiedensten Blickwinkeln exklusiv in seinem Vortrag auf dem 8. AUTOHAUS Schadenforum am kommenden Montag in Potsdam behandeln.
Alle Informationen zur Veranstaltung und dem kompletten Programm, zu Ausstellern oder Übernachtungsmöglichkeiten gibt es unter:
http://www.autohaus.de/8-autohaus-schadenforum-2012-1102717.html

(he/wkp)

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