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Volker Prüfer: "Die DAT ist eine Institution und Weltanschauung"

Abschied in Stuttgart (v.l.): Die Präsidenten von VDA, ZDK und VDIK, Matthias Wissmann (l.), Robert Rademacher (2.v.l.) und Volker Lange (mi.), zusammen mit Volker Prüfer (r.) und den drei neuen DAT-Geschäftsführern Helmut Eifert (3.v.l.), Dr. Thilo Wagner (3.v.r.) und Jens Nietzschmann (2.v.r.).
© Foto: Walter K. Pfauntsch

Am vergangenen Freitag ging die "Ära Prüfer" bei der DAT zu Ende: Mehr als 600 geladene Gäste verabschiedeten den 28 Jahre lang amtierenden Geschäftsführer mit Standing Ovations. Jens Nietzschmann, Helmut Eifert und Dr. Thilo Wagner führen künftig die Geschicke des Unternehmens weiter, Nietzschmann in der Funktion als Sprecher der neuen, dreiköpfigen DAT-Spitze.


Datum:
27.07.2012
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Gut 600 Gäste aus der gesamten Automobil- und Versicherungswirtschaft, aus Verbänden, der Politik, des Sachverständigenwesens und der technischen Überwachung hatten am vergangenen Freitag in der Carl-Benz-Arena zu Stuttgart mit ihrer Anwesenheit die besondere Verbundenheit zur Deutschen Automobil Treuhand GmbH, kurz DAT, und deren langjährigen Geschäftsführer Volker Prüfer bekundet (wir berichteten). 28 Jahre, nachdem Prüfer das Unternehmen 1984 in restlos überschuldetem Zustand mit dem Auftrag, es zu sanieren, übernommen hatte, verabschiedete er sich nun mit 65 Lebensjahren, die er am 28. Januar 2012 vollendet hatte, in den wohl verdienten Ruhestand.

Die neue DAT-Geschäftsführung

Was bleibt – und darüber waren sich die Präsidenten der drei Gesellschafterverbände VDA, VDIK und ZDK in ihren Festreden rundherum einig – ist ein "bestens bestalltes Haus". Es geht nun über in die Verantwortung einer künftig dreiköpfigen Geschäftsführung, bestehend aus Jens Nietzschmann, Helmut Eifert und Dr. Thilo Wagner. Sprecher der neuen DAT-Spitze wird Jens Nietzschmann sein, der seit langem "rechte Hand" Prüfers war und in den letzten ebenfalls bereits der Geschäftsführung angehörte.

Mit der Ernennung von künftig drei Geschäftsführern reagieren die Gesellschafter u.a. auf die enorme Aufgabenausweitung der DAT in der jüngeren Vergangenheit. So werde es künftig auch eine klare Aufgabenteilung geben, die u.a. auch einen verantwortlichen Geschäftsführer mit Verantwortung insbesondere für die internationalen Märkte vorsieht.

SilverDAT – vor 25 Jahren neues "Lebenselixier" und Garant für Erfolg

Die Feier für Volker Prüfer wurde seitens des Unternehmens zusammengelegt mit dem 25-Jahres-Jubiläum zur "SilverDAT": Diese automobile Datenplattform gilt nicht nur als eines der Lebenswerke von Volker Prüfer, sondern auch als ganz entscheidendes Medium, durch das die DAT "revitalisiert" werden konnte und dauerhaft in die Erfolgsspur kam. "Mehr als 160.000 Menschen arbeiten in Europa heute mit der SilverDat", konstatierte beispielsweise Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK). Alleine 5,2 Millionen Kostenvoranschläge und 25 Millionen GW-Bewertungen werden jedes Jahr mit SilverDAT erledigt, so der oberte Repräsentant des Kfz-Gewerbes, der denn dieses "Produkt" auch als eine "riesengroße Erfolgsgeschichte" wertete.

"Schwäbischer Unternehmergeist mit preußischen Tugenden"

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), betonte in seiner Rede, dass die DAT unter der Führung von Volker Prüfer wichtige Innovationen in den Markt eingebracht und "immer auch ein Gespür für Präzision" gezeigt habe. Die DAT sei für die gesamte Automobilwirtschaft heute eine "höchst wichtige Organisation", ohne deren Daten das "Leben in der Branche kaum vorstellbar" wäre. Volker Prüfer sei zwar kein Schwabe, könne aber durchaus einer sein, stellte Wissmann fest. Wichtige Unternehmens-Termine der DAT seien regelmäßig – und "gar nicht zufällig" – mit Sitzungen des Verwaltungsrates bzw. -Präsidiums zusammengelegt worden, was anschließend auch VDIK-Präsident Volker Lange zu würdigen wusste.

Wissmann indes hielt fest, dass Prüfer über einen "ausgeprägten schwäbischen Unternehmergeist, gepaart mit preußischen Tugenden" verfüge. Wie schon auf dem letztjährigen AUTOHAUS-Schadenforum in Potsdam, ging Volker Prüfer auch in Stuttgart bei seiner Abschiedsrede auf seine grundsätzlichen Ausführungen zu "preußischer Lebensart" und entsprechend geordneten Ordnungs- und Moralvorstellungen in gekürzter Form nochmals ein.

"Immer mehr Leistung – und alles ohne eine Preiserhöhung"

Robert Rademacher würdigte in seiner Laudatio die Rolle von Volker Prüfer als "Mister SilverDAT" ebenso ausführlich wie die Erfolge der DAT. Alleine 86 der 100 aktuell umsatzstärksten Automobilhandelsgruppen in Deutschland arbeiten heute mit der DAT zusammen, so der ZDK-Präsident. Nicht mehr nur per Datenscheibe, sondern längst auch online könnten die Anwender von SilverDAT für mehr als 63.000 Fahrzeugmodelle und -Untertypen Kostenvoranschläge erstellen (aktuell sind das gut 5,2 Millionen solcher Anwendungen pro Jahr). Schnittstellen biete die DAT zu mehr als 400 Systemen.

Lobend hob Rademacher ferner hervor, dass die DAT seit vielen Jahren keinerlei Preiserhöhungen für ihre Kunden durchgeführt habe, obgleich die angebotenen Inhalte und Nutzenwerte im Laufe der Jahre ein Vielfaches des ursprünglichen Angebotsbestandes erreicht hätten. In den Lizenzgebühren seien außerdem Wartung, Updates und eine technische Hotline mit inbegriffen.

Der Schlüssel für die freie Aufzugsfahrt zur Freude der Mitarbeiter...

"Sie haben sich um die DAT sehr verdient gemacht", sagte abschließend VDIK-Präsident Volker Lange. Seine 28 Jahre als Geschäftsführer seien nachhaltig auch von einer ganz persönlichen Leidenschaft für das von ihm national und weltweit vertretene Unternehmen geprägt gewesen. Lange fand passende und durchaus sehr zutreffende Worte für Volker Prüfer, die ihn auch als Person und Mensch gut charakterisierten. En detail sprach er beispielsweise den "Schlüssel" an, mit dem Prüfer von der Tiefgarage bis ins oberste Stockwerk seines Büros im Aufzug ohne Anzuhalten durchfahren und dabei den in den Etagen wartenden Mitarbeitern "ein Stück seiner daraus resultierenden Freude mit in den Tag geben konnte".

Arbeiten und Leben im Stile von Altkanzler Schmidt

Freude und persönliche Lebensart im Stile eines Alt-Bundeskanzlers Helmut Schmidt sei es nach den Worten Langes wohl auch, dass bei Volker Prüfer immer große Aschenbecher bereitstehen mussten. Dies insbesondere dann, wenn bei früheren Verwaltungsrats-Sitzungen der DAT-Geschäftsführer zusammen mit Ex-ZDK-Präsident Rolf Leuchtenberger und dem früheren VW-Konzernkundendienstchef Knut Schüttemeyer in einem Raum saß. "Die hatten zusammen so viel geraucht, dass ich keinen der drei mehr sehen konnte", so Lange.

"Ob ein 7,5-Tonner wohl für den Ruhestand reicht?"

"Ernsthaft", so Lange, habe er sich zusammen mit seinen Präsidentenkollegen Wissmann und Rademacher von den weiteren Gesellschaftern VDA und ZDK auch überlegt, ob man Volker Prüfer als Abschiedsgeschenk eine "7,5-Tonner-Lkw-mit-Anhänger-Ladung Zigaretten" schenken solle. Da man letztlich aber nicht gesichert davon ausgehen könne, dass die gelieferte Menge letztlich für den anstehenden Ruhestand Prüfers reichen würde, habe man den Gedanken wieder verworfen.

DAT-Gebäude wird offiziell zum "Volker Prüfer Haus"

Im Ergebnis kam schließlich eine andere Lösung heraus: Ein steinerner Pylon, der oben mittig die drei Buchstaben DAT und darunter die Metallprägung "Volker Prüfer Haus" trägt. Diese künstlerische Anfertigung wird künftig vor dem DAT-Verwaltungsgebäude in Ostfilfern bei Stuttgart stehen und sowohl Gäste und Kunden, als auch den scheidenden Geschäftsführer bei jedem seiner Besuche an alter Wirkungsstätte "an sein Lebenswerk" erinnern.

Denn letztlich war auch der Umzug der DAT aus dem Stuttgarter Wollgrasweg, einem tristen Betongebäude aus der Zeit der 1960er Jahre, auf die Hügel des nahegelegenen Ostfildern eine ganz wesentliche Leistung Prüfers: Mit Hilfe seines immensen Netzwerkes und auch seines Verhandlungsgeschicks schaffte es Volker Prüfer, innerhalb des letzten Jahrzehnts in zwei aufeinander folgenden Bauabschnitten ein hoch repräsentatives Verwaltungsgebäude mit Baukosten neu zu errichten, die nicht nur in einem kaum zu glaubenden, überschaubaren Investitionsrahmen geblieben sind, sondern die Gesellschaft auch vor neuerlicher Schuldenaufnahme bewahrt hatten. Dieses, in den Farben der DAT gehaltene Gebäude werde deshalb, so Lange, Wissmann und Rademacher übereinstimmend, "völlig zu Recht Volker Prüfer Haus" heißen.

Volker Prüfer bürgte mit seinem Privathaus für die DAT-Gehälter

Der scheidende Geschäftsführer selbst zog abschließend ein eigenes, ebenfalls sehr persönliches Resümee, in dem er viele Detailbegegnungen der letzten fast 30 Jahre streifte. Dass er zum Start seiner Amtszeit im Jahr 1984, als er die DAT völlig überschuldet übernommen hatte, sogar mit seinem eigenen Reihenhaus für die Gehälter der Mitarbeiter gebürgt hatte, wie es Volker Lange als großes Verdienst würdigte, darauf wollte Prüfer in seiner Schlussrede nicht ausführlicher eingehen. Vielmehr verwies er auf andere Freunde und Geschäftspartner – namentlich auch auf den vor kurzem verstorbenen Ex-Chef der MAHAG und ehemaligen ZDK-Präsidenten Fritz Haberl –, die ihm aktiv ebenfalls mit finanzieller Unterstützung oder Bürgschaften in den 1980er Jahren bei der Rettung der DAT zur Seite gestanden hatten.

Die "Institution DAT" als Ur-Mutter der Marktforschung und des SV-Wesens

Wer die DAT "richtig verstehen" wolle, müsse wissen, so Prüfer, dass "das eigentlich keine Firma ist, sondern eine Institution und Weltanschauung". Als "weltweit älteste Institution für automobile Marktforschung" sei die DAT gleichzeitig auch die älteste Sachverständigen-Organisation und damit Ur-Mutter aller im Markt nachgefolgten SV-Organisationen.

"DAT-Geschäftsführer ist schöner als das Amt des Papstes"

Er selbst habe einmal auf die Frage nach dem schönsten Amt, welches man sich denn so vorstellen könne und einer seiner Weggefährten ihm gegenüber meinte, "nach dem Papst das zweitschönste Job" zu haben, folgende Antwort gegeben: "Das Amt des DAT-Geschäftsführers kommt noch vor dem Papst." Von den heute 81 Jahren der DAT hat Prüfer nach eigenem Bekunden 43 Jahre in der Autobranche aktiv erlebt, 28 Jahre davon widmete er dem für ihn "schönsten Amt der Welt". Der Dank der Gesellschafter und der Kunden wird den 20. Juli 2012, den Tag seines Abschieds aus der
Hellmuth-Hirth-Str. 1 zu Ostfildern, überdauern! (wkp)

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