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16.10.2009

Schadenmanagement

Keine Qualität zur Dumpingpreisen

Schadenmanagement
Keine Qualität zur Dumpingpreisen
Dr. Klaus Weichtmann, Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V.
© Foto: Presse + PR Pfauntsch

Dr. Klaus Weichtmann, Hauptgeschäftsführer des ZKF, stellte in einer Diskussionsrunde zum Schadenmanagement der HUK-Coburg klar: "60 Euro als Stundenverrechnungssatz sind ruinös." In Kombination mit einer Auslastung um 100 Prozent leide die Reparaturqualität und damit auch die Fahrzeugsicherheit.

"Hinterhof oder Highend? Servicequalität im Werkstattnetz der Versicherer" – in der Gesprächsrunde des "Goslar Institutes" mit diesem Titel flammte kürzlich die Diskussion um Stundenverrechnungssätze und Auslastung der Karosserie- und Lackierbetriebe erneut auf. In der von Carola Ferstl moderierten Runde diskutierten Michael Legrand (Leiter Bereich Vertrieb und Service, Transport und Logistik Dekra Consulting GmbH), Klaus-Jürgen Heitmann (für die Kfz-Versicherung zuständiges Vorstandsmitglied der HUK-Coburg), Dr. Klaus Weichtmann (Hauptgeschäftsführer des ZKF) und RA Elmar Fuchs (Geschäftsführer BVSK e.V.). Gleich zu Beginn stellte Klaus-Jürgen Heitmann heraus, dass die HUK-Coburg günstige Preise und besonders hohe Qualität bei der Unfallreparatur wolle – die "Quadratur des Kreises", wie er es selbst nannte. Dr. Klaus Weichtmann konterte umgehend: "Das kann nicht funktionieren, Qualität hat immer ihren Preis, Qualität zu Dumpingpreisen kann es nicht geben!" Dem hielt Heitmann entgegen, dass man Volumen in die Betriebe liefere und dies zunehmend sogar garantiere. Zudem sei die HUK-Coburg bestrebt, den Betrieben eine ausreichende Marge darzustellen. K&L-Geschäft aktuell erstragreichster Bereich in Kfz-Werkstätten BVSK-Geschäftsführer Elmar Fuchs kommentierte das Vorgehen der fränkischen Assekuranz als "unmoralisches Regulierungsverhalten", weil der durchschnittlich gezahlte Stundenverrechnungssatz von rund 60 Euro zwangsläufig zu Quersubventionierungen durch andere Kundengruppen führe. Dr. Weichtmann nannte diesen Betrag "ruinös" und sprach sich gleichfalls für den mittleren DEKRA-Stundenverrechnungssatz als Maßstab aus. Michael Legrand hielt hingegen 59 Euro für die reine Arbeitsleistung ohne Nebenkosten für erzielbar. Das K&L-Geschäft sei aktuell der ertragsreichste Bereich in den Kfz-Werkstätten. Mit "industriellen Prozessen und einem systematischen Personalcontrolling" sei dies möglich. Dr. Weichtmann: "Natürlich kann man Prozesse weiter optimieren, jedes Fahrzeug muss dennoch individuell instandgesetzt werden." Zu differenziert seien die Unfallbeschädigungen und somit die Reparaturtechniken. Eine industrielle Reparatur werde es nicht geben, sagte der ZKF-Hauptgeschäftsführer. Qualität und Sicherheit müssen gewährleistet sein Ebenso konträr wurden die Positionen zur Auslastung der Werkstätten bezogen. Durch die Volumensteuerung hebe die HUK-Coburg die Auslastung ihrer Partnerbetriebe auf 90 bis 95 Prozent an, woraus sich entsprechende günstige Preise ableiten ließen, so Klaus-Jürgen Heitmann. Dr. Weichtmann entgegnete, dass die Zahl der Unfallschäden stark von nicht vorhersehbaren Ereignissen wie dem Wetter abhänge. Durchschnittlich 80 bis 85 Prozent sei eine gute Auslastung, mit der sich solche Effekte abfangen lassen. Gleichbleibend über das gesamte Jahr 100 Prozent zu steuern, ist nach Ansicht von Dr. Weichtmann nicht möglich. Zudem führe eine Auslastung von 100 Prozent und mehr zwangsläufig zu Einbußen bei der Qualität. Gerade diese müsse allerdings bei einer Unfallschadenreparatur immer gewährleistet sein. Qualität und Sicherheit – damit schließt sich der Kreis. Man müsse sicherstellen, dass dies ein Betrieb wirklich leisten könne, so Dr. Weichtmann. Moderne Kraftfahrzeuge machen nach seinen Worten ein beachtliches Investment in Ausbildung, herstellerspezifische Qualifizierung und Werkstattausrüstung notwendig. "Mit 60 Euro funktioniert das nicht – auch nicht bei 100 Prozent Auslastung." (am)