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Studie zu US-Rückrufen: Tendenz stark steigend

Studie zu US-Rückrufen
Tendenz stark steigend
Die Zahl der Pkw-Rückrufe in den USA ist weiterhin auf sehr hohem Niveau und wächst weiter an.
© Foto: picture alliance / Neil Emmerson/Robert Harding

Die Rückrufe der Autohersteller bleiben auf hohem Niveau. Im Referenzmarkt USA mussten allein im ersten Halbjahr über 20 Millionen Pkw zurück in die Werkstätten. Ein Experte attestiert der Branche ein "bedenkliches Qualitätsniveau".

Qualitätsprobleme machen der Autobranche zunehmend zu schaffen. In den ersten Monaten 2019 mussten auf dem weltweit zweitgrößten Automarkt USA bereits 20,1 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen werden. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2018 waren es "nur" 27,8 Millionen Pkw, wie eine aktuelle Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach ergab.

Die Rückrufquote auf dem amerikanischen Referenzmarkt bleibe auf einem sehr hohen Niveau, erklärte Studienautor Prof. Stefan Bratzel. Demnach liegt diese mit 233 Prozent im ersten Halbjahr weit über dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre (157 Prozent). 2018 ging allein rund ein Drittel (9,4 Millionen) der Rückrufe auf fehlerhafte Airbags zurück.

Von Januar bis Juni 2019 zählten der Trendstudie zufolge Subaru (664 Prozent), Honda (512 Prozent), Volkswagen (490 Prozent), Mazda (417 Prozent), FCA (360 Prozent) und BMW (330 Prozent) zu den Herstellern mit den höchsten sicherheitstechnischen Rückrufquoten. Beim reinen Volumen belegten Honda, FCA, Ford, Subaru und Volkswagen die Negativ-Spitzenplätze.

Nur wenige Hersteller mit guter Bilanz

Im Langzeitvergleich können nur wenige Hersteller eine positive Bilanz vorweisen. Zwischen 2011 und 2018 hatten die japanischen Hersteller Honda, Mitsubishi und Mazda die größten Probleme, sie mussten im Mittel jedes Jahr mehr als drei Mal so viele Fahrzeuge zurückrufen als sie Neufahrzeuge verkaufen konnten. Zu den Negativ-Spitzenreitern zählen auch FCA, BMW sowie Toyota, die im Mittel der Jahre auf Rückrufquoten von 261, 231 bzw. 198 Prozent kamen.

© Foto: CAM

Die mit Abstand besten Quoten erzielten dagegen Volvo (46 Prozent) und Jaguar Land Rover (79 Prozent). Deutlich besser als der Durchschnitt schnitten auch Nissan (119 Prozent) und Mercedes-Benz (120 Prozent) ab. Der VW-Konzern kam im Mittel auf 150 Prozent, ähnlich wie der Wettbewerber Hyundai. GM und Ford lagen mit 191 bzw. 154 Prozent im bzw. leicht oberhalb des Durchschnitts der Branche in den USA.

Die defekten Airbags des japanischen Zulieferers Takata lösten auch im vergangenen Jahr zahlreiche Überprüfungen der Insassenschutzeinrichtungen aus – und brachten weitere Mängel zum Vorschein. Teilweise waren die Austauschairbags fehlerhaft und mussten zurückgerufen werden. Dieser Trend setzt sich laut Prof. Bratzel aktuell fort: Im ersten Halbjahr 2019 war etwa die Hälfte der Sicherheitsmängel dem Insassenschutz zuzuordnen. Auf Defekte beim Antriebsstrang entfielen 20 Prozent, neun Prozent auf die Lenkanlage und 6,5 Prozent auf die Karosserie. Für weitere vier Prozent war die Bremsanlage ursächlich.

"Nur die Spitze des Eisbergs"

Für Prof. Bratzel ist und bleibt die Produktqualität der Autoindustrie das zentrale Thema. "Wenn zehn von 16 untersuchten Herstellern in 2018 wegen sicherheitstechnischer Mängel mehr Fahrzeuge zurückrufen müssen als diese im gleichen Zeitraum verkauft haben, ist das insgesamt ein bedenkliches Qualitätsniveau der Branche. Außerdem stellen sicherheitsrelevante Mängel meist nur die Spitze des Eisbergs dar. Hinzu kommen eine große Anzahl stiller Rückrufe oder auch Serviceaktionen, die in den offiziellen Zahlen nicht enthalten sind."

Laut dem Autoexperten ist das Risiko für große Rückrufaktionen durch marken- und modellübergreifende Plattform- und Gleichteilstrategien sowie globale Produktionsnetzwerke erheblich gestiegen. Sicherheitsmängel bei Fahrzeugen würden gleichzeitig immer weniger akzeptiert, weil Kunden über Internet-Blogs und Newsgroups sehr gut informiert seien.

"Manche Hersteller und Zulieferer betreiben zur kurzfristigen Gewinnmaximierung eher reaktive Qualitätsmanagementsysteme mit nachsorgender Mängelbeseitigung, teilweise unter billigender Inkaufnahme von Unfällen wie im Fall der Airbag-Mängel", kritisierte Prof. Bratzel. Vor dem Hintergrund neuer technischer Anforderungen sowie einer wachsenden Sensibilität der Öffentlichkeit müsse die Branche deshalb mehr in das Qualitätsmanagement investieren. Durch die zunehmende Elektromobilität, Vernetzung und (teil-)autonome Technologie würden die Risiken in erheblichem Maße steigen. "Die Cyber-Security von Fahrzeugen wird insgesamt zum großen Sicherheits- und Qualitätsthema der Branche aufsteigen, das wesentlich über die Akzeptanz von neuen Wachstumsfeldern der Automobilindustrie entscheidet." (rp/tm)

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