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16.07.2017

Unfallschadenregulierung

Wann sind Verbringungskosten angemessen?

Unfallschadenregulierung
Wann sind Verbringungskosten angemessen?
Fahrzeugverbringung ist teils sehr zeitintensiv, aber im Schadenregulierungsprozess auch erstattungsfähig. RA Christian Janeczek macht dies in seinem AH-Schadenmanager-Gastbeitrag deutlich.
© Foto: RA-Kanzlei Roth|Partner Rechtsanwaltspartnergesellschaft, Dresden

Wie hoch dürfen "angemessene" Verbringungskosten in der Alltagspraxis denn tatsächlich sein? Dies fragten kürzlich zahlreiche AUTOHAUS-Leser. Verkehrsrechtsanwalt Christian Janeczek aus Dresden gibt darauf die entsprechende Antwort für die Praxis.

Seit vielen Jahren streiten sich Versicherungen und Geschädigte darum, ob im Rahmen fiktiver Abrechnung ein Anspruch auf Ersatz von Verbringungskosten besteht. In letzter Zeit ist zu beobachten, dass auch bei Rechnungslegung Kürzungen erfolgen. Die eine Versicherung meint mal, dass 75 Euro netto ausreichend wären, während eine andere Versicherung mal 80 Euro für genügend erachtet. Üblich sind jedoch Kosten zwischen gut 100 Euro netto und fast 200 Euro.

Rechte bei Bedarf auch einklagen

Der Geschädigte hat grundsätzlich einen Anspruch darauf, dass ihm die üblichen und angemessenen Reparaturkosten zum Ausgleich gebracht werden. Üblich und angemessen sind dabei eben nicht die gekürzten Beträge. Während einige Versicherungen dem Klageverfahren aus dem Weg gehen und nach einer Nachforderung regulieren, lassen sich andere Assekuranzen verklagen. Hier wiederum ist dann zu beobachten, dass sehr häufig nach Klagezustellung gezahlt wird. Offensichtlich soll getestet werden, ob man sich die Mühe macht, die ,kleineren' Reste der Reparaturkosten auch gerichtlich geltend zu machen.

Kosten fallen für Betrieb auch tatsächlich an

Wichtig ist aber eine sinnvolle Argumentation. Eine Reparaturwerkstatt sollte einmal testweise eine Verbringung durchspielen und dabei die Zeiten vom Aufladen, Sichern, Verbringen und Abladen messen. Mit Hin- und Rückweg vergehen hier je nach Entfernung gut und gerne 90 bis 120 Minuten. Dies mit einem einfachen Stundenverrechnungssatz multipliziert zeigt auf, dass die abgerechneten Kosten angemessen sind.

Überzeugungsarbeit gegenüber dem Richter lohnt

Dies wiederum wird den örtlichen Richter überzeugen. Man muss sich nur einmal die Mühe machen, damit auch im Klageverfahren substantiiert vorgetragen werden kann. Denn der Richter hat keine Vorstellung davon, wie lang eine Verbringung dauert.    RA Christian Janeczek