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USA-Reise: Altmaier besucht Mercedes-Werk

USA-Reise
Altmaier besucht Mercedes-Werk
Altmaier USA Handelsabkommen
Wirtschaftsminister Altmaier versucht die Amerikaner im Handelskonflikt von einem Deal zu überzeugen.
© Foto: picture alliance/Andreas Hoenig/dpa

Fast eine Woche lang ist Wirtschaftsminister Altmaier in den USA unterwegs. Im Handelskonflikt versucht er die Amerikaner mit Argumenten von einem Deal zu überzeugen. Im Silicon Valley hört er vor allem zu.

Es geht um viel. Und die Uhr tickt. Ab November droht im Handelskonflikt zwischen den USA und der EU eine Eskalation. US-Präsident Donald Trump könnte massiv höhere US-Einfuhrzölle auf Autos aus Europa verhängen - ein Horrorszenario vor allem für deutsche Hersteller. Die Verkäufe könnten einbrechen, das hätte womöglich Folgen für Jobs. Wirtschaftsminister Peter Altmaier will alles tun, um das zu verhindern. Und deswegen ist er in den USA als Handlungsreisender unterwegs gewesen.

Fast eine Woche ist Altmaier in den Staaten. Zum Schluss setzt der CDU-Politiker noch einmal ein bewusstes Signal Richtung Washington: Am Freitag besucht er das Werk von Mercedes in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama. Mercedes hat hier rund sechs Milliarden Dollar investiert, exportiert von Tuscaloosa aus SUV in andere Weltmärkte und beschäftigt Tausende Menschen.

Knapp 700.000 Jobs hätten deutsche Unternehmen in den USA geschaffen, sagt Altmaier. Ein Handelskrieg würde nur Verlierer bringen. Die deutschen Unternehmen seien verunsichert und warteten ab, ob sie neue Investitionen in den USA tätigten. Schützenhilfe bekommt er von der republikanischen Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, die sich entschieden gegen mögliche höhere Einfuhrzölle für europäische Autos wandte.

Deutsche Stimme findet Gehör in Washington

Zwar führt die Verhandlungen mit den USA die EU. Die deutsche Stimme aber finde Gehör in Washington, ist man im Wirtschaftsministerium überzeugt. Die Frage aber ist, ob den republikanischen Präsidenten das alles überzeugt. Trump hat Handelskonflikte mit China und der EU ausgelöst, ihm sind die riesigen Handelsdefizite mit China oder Deutschland ein Dorn im Auge.

Die Erzählung geht so, wie es in deutschen Regierungskreisen heißt: Die Amerikaner beschützen Europa militärisch - die aber, allen voran Deutschland, geben zu wenig für die Verteidigung aus und überrumpeln die USA auch noch wirtschaftlich.

Derzeit herrscht im Handelskonflikt eine Art Waffenstillstand. Mitte Mai hatte Trump angedrohte Sonderzölle auf Einfuhren von Autos aus der EU für ein halbes Jahr ausgesetzt. In dieser Zeit soll über ein Handelsabkommen verhandelt werden. Bisher verlangen die USA für europäische Autos 2,5 Prozent Einfuhrzoll - die EU kassiert zehn Prozent. Demgegenüber liegt der US-Einfuhrzoll für die in den USA so beliebten Pick-ups bei 25 Prozent. Trump könnte die Pkw-Einfuhrzölle auf 25 Prozent oder mehr erhöhen, die EU könnte dann mit Gegenzöllen reagieren. Das wäre dann der Ernstfall.

Angebot: Industriezölle auf null zu setzen

Altmaier erneuerte in Washington das Angebot, die Industriezölle auf null zu setzen. Dann könne der Kunde entscheiden, welches Auto er kaufen wolle. Und hier sind die Deutschen selbstbewusst mit ihren erfolgreichen Oberklasse-Herstellern BMW, Mercedes und Porsche. Ob die Amerikaner das mitmachen? Denn Zölle auf Null könnte auch bedeuten, dass die Deutschen mehr Autos in den Staaten verkaufen.

Verhandlungsführer auf US-Seite ist der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer. Nach einem Treffen mit ihm am Donnerstag sagt Altmaier, das Thema sei schwierig. Doch der CDU-Mann ist vom Naturell her Optimist. Bis Ende des Jahres oder noch bis zum Amtsantritt der neuen EU-Kommission im November könne eine Verständigung erreicht werden - falls der politische Wille da sei. Die Chancen lägen bei 50:50.

Aber es gibt große Stolpersteine. Die EU möchte mit den USA eine Vereinbarung schließen, die alle Industriegüter inklusive Automobile beinhaltet. Ziel ist es, Industriezölle auf breiter Front zu senken. Die USA aber wollen auch über Agrarprodukte verhandeln - die EU nicht.

Unaufhaltsamer digitaler Wandel

Vor allem die Autoindustrie hat für Deutschland eine überragende Bedeutung. Und sie steht vor einer Zäsur - hin zu alternativen Antrieben, hin zu autonom fahrenden Autos. Und das ist das andere große Thema der US-Reise Altmaiers: der unaufhaltsame digitale Wandel.

Zwei Tage lang ist der 61-Jährige im Silicon Valley, der Heimat vieler Start-ups und IT-Giganten. Der Minister will vor allem eins: zuhören und lernen. Und er lernt dazu. "Ich war erst erschrocken, als ich das Wort Evangelisten gehört habe", sagt er beim Mittagessen mit deutschen Managern in Palo Alto. "Evangelisten" - das sind Leute im "Valley", die sich als Verkünder der frohen Botschaft des digitalen Fortschritts sehen.

In Deutschland aber gibt es auch viel Skepsis, was der so mit sich bringt. Altmaier erzählt, wie er mit Krankenschwestern über den Einsatz von Pflegerobotern diskutiert habe und welche Angst die Schwestern hätten, dadurch ihren Job zu verlieren. Ganz im Gegenteil, sagt der CDU-Mann: Durch die Pflegeroboter gebe es wieder mehr Zeit für die Betreuung von Menschen.

Altmaier ist überzeugt: Beim digitalen Wandel fallen zwar viele alte Jobs weg - am Ende aber werden unterm Strich mehr neue Jobs entstehen. Die Frage ist nur, wo. Denn Deutschland drohe bei den Zukunftstechnologien wie dem autonomen Fahren oder der Künstlichen Intelligenz zurückzufallen. Das "Innovationstempo" müsse erhöht werden, fordert der Wirtschaftsminister - Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Das macht er auch deutschen Unternehmen bei einem Abendessen in Palo Alto klar. Die deutschen Konzerne seien Platzhirsche - "und die neigen dazu, etwas zu verteidigen". (dpa)

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