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Vertragsskandal: Schluss mit lustig für die Innovation Group

Vertragsskandal
Schluss mit lustig für die Innovation Group
Scharfe Front gegen Innovation Group-Lenker Matthew Whittall (Mitte): ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Koblitz (l.) und ZKF-Präsident Fritz Nagel unterstützen ihre betroffenen Mitgliedsbetriebe.
© Foto: ZDK, Innovation Group

Offene Rebellion gegen die neuen Preisdumping-Verträge: 250 der insgesamt rund 600 Partnerbetriebe des Reparaturvermittlers Innovation Group wollen aktuell für mindestens 14 Tage bis drei Wochen keinen einzigen Unfallschaden mehr instandsetzen, der ihnen aus Stuttgart zugesteuert wird. Im Gegenzug verschärft Innovation Group den Druck auf die Werkstätten.

Gestern Abend gab es die erste, schwere öffentliche Schelte gegen die Innovation Group und Innovation Nobilas: Unter der Präambel "Illegale Preisabsprachen – Wenn der Werkstattkunde der Dumme ist" wurden im MDR-Fernsehen rund eine Viertelstunde lang mehrere Geschädigte sowie ein ehemaliger, inzwischen pleite gegangener Partnerbetrieb des Reparaturvermittlers einem Millionenpublikum präsentiert. In der 20.15-Uhr-Sendung "MDR-Ratgeber" von Moderator Peter Escher (www.mdr.de/mediathek/7084899.html) fanden sich erschreckende Beiträge und Informationen, mit denen in drastischer Weise auf die möglichen Folgen des Schadenmanagement-Preisdumpings gegenüber den Werkstätten hingewiesen wurde. Adressat war in erster Linie die Innovation Group. Aber auch vor den Folgen von Verträgen mit Werkstattbindung wurde nachhaltig, nicht zuletzt durch Bastian Röth vom Automobilclub von Deutschland (AvD), gewarnt. "Margenerhöhung um 50 Prozent zu Lasten der Betriebe" Kurz zur Vorgeschichte: Seit Ende letzten Jahres bzw. Anfang dieses Jahres hat die Innovation Group (zu der unter dem Namen Innovation Nobilas heute auch der vor einigen Jahren aufgekaufte, frühere Wettbewerber Nobilas gehört) an seine rund 600 Partnerbetriebe einen neuen, sogenannten "Agenturvertrag Kooperationsbetrieb" ausgesandt. Was sich dort zunächst relativ harmlos beispielsweise als künftige Gebühr in Höhe von 2,5 Prozent für einen neuen "Factoring Service" liest, sehen die Reparaturbetriebe und mittlerweile auch die Zentralverbände des Karosseriebauer-Handwerks (ZKF) sowie des Kfz-Handwerks (ZDK) ganz anders: "Das ist nichts anderes, als eine Erhöhung der bisherigen Innovation Group-Marge um sage und schreibe 50 Prozent – zu Ungunsten und auf Kosten der Instandsetzungsbetriebe", formulierte es heute beispielsweise ZKF-Präsident Fritz Nagel in einem Telefongespräch mit AUTOHAUS-Schaden§manager. Unternehmer schäumen vor Wut und wollen streiken Nagel, der schon im Jahr 2003 öffentlich seinen Vertrag gekündigt hatte, den er mit dem Innovation Group Vorläufer Motorcare besaß und heute davon sprach, dass "heute alles wieder wie damals" sei, ist im Moment aber auch der letzte noch verbleibende Rettungsanker für die Innovation Group: Der beinahe gesamte süddeutsche Raum stünde wohl bereits nächste Woche für den Reparaturvermittler aus Stuttgart bzw. dessen vertretenen Partnerversicherer still, wenn Nagel nicht heute aktiv die Versicherer und die Innovation Group zu nochmaligen, direkten Verhandlungen aufgerufen hätte. Von gut 100 Betrieben im Großraum Stuttgart, jeweils über 40 im Bodenseeraum und in der Region München, aber auch einer erheblichen Anzahl von K&L Werkstätten in Thüringen ist aktuell die Rede, dass diese gegenüber dem Vermittler in Streik gehen wollen. Mit anderen Worten: Mindestens 14 Tage bis drei Wochen soll kein einziger Unfallschaden mehr instandgesetzt werden, der über die Innovation Group zugesteuert wird. "Factoring-Gebühr völliger Quatsch" Eine Rebellion ohne Beispiel im deutschen Reparaturgewerbe! Mails und Telefonate, die auch unsere Redaktion seit mehreren Wochen erreichen, sprechen eine überdeutliche Sprache und zeigen nachhaltig und wörtlich, dass viele "von Innovation Group und dessen Machenschaften die Sch... gestrichen voll" haben. Wir hatten bereits auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar mit IG-Holdingchef Matthew Whittall, Deutschland-Statthalter Thomas Kettner und der kompletten IG-Führungsmannschaft ein persönliches Gespräch in dieser Sache geführt, wurden allerdings dabei darauf verwiesen, dass meistens alles "nur falsch verstanden worden" sei. Tenor der Kunden (damit meinte Whittall seine Partner-Versicherer) sei, dass sie nicht "einsähen, warum sie künftig weiterhin für den ungesteuerten Schaden deutlich mehr als für den zugesteuerten Schaden bezahlen sollen. Beim nicht gesteuerten Schaden argumentiere heute der Versicherer laut IG-Motorchef Jürgen Schmidt, würde "gepresst, was nur geht, wofür er letztlich kein Verständnis habe". Dass die IG für die neue Factoring-Gebühr von 2,5 Prozent der Reparatur-Rechnungs-Nettosumme einer Werkstatt auch das Ausfallrisiko übernehme und "immer in nur fünf Tagen die Werkstattrechnung ausgleicht", wie es Matthew Whittall gegenüber AUTOHAUS-Schaden§manager in Goslar erklärte, sieht ZKF-Präsident völlig anders: "Im Vertrag von Innovation Group steht eindeutig, dass nur dann, wenn die Haftung klar ist, auch der Auftrag erteilt wird. Wenn wir also einen Auftrag erhalten, bei dem ohnehin die Haftung eindeutig ist, stellt sich mir die Frage: Was soll der Quatsch? Diese 2,5 Prozent sind lediglich eine Margenerhöhung um 50 Prozent gegenüber dem, was die Innovation Group bisher bereits von uns nimmt."