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Service: Werkstattketten patzen beim ADAC-Test

ADAC-Werkstatttest 2012: Bestnoten für Mercedes-Niederlassungen.
© Foto: ADAC

Bei der Arbeits- und Servicequalität hinken freie Betriebe den Vertragswerkstätten deutlich hinterher. Die volle Punktzahl gab es in diesem Jahr für die Mercedes-Niederlassung in Berlin.


Datum:
23.08.2012
4 Kommentare

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"Bei der Qualität liegen zwischen freien Werkstattketten und Vertragswerkstätten Welten." Dieses Fazit hat der ADAC nach seinem diesjährigen Werkstatttest gezogen. Demnach fanden 88 Prozent der 25 geprüften Markenwerkstätten, vorwiegend Niederlassungen und Retailbetriebe großer Hersteller, alle Fehler an den Testfahrzeugen. Die getesteten Partner von ATU und Bosch wiesen hingegen deutlich schlechtere Erfolgsquoten aus.

Insgesamt nahm der Autoclub wie in den Vorjahren 75 Reparaturbetriebe unter die Lupe. Sieben Unternehmen fielen 2012 mit der Note "mangelhaft" durch – es waren allesamt Kettenbetriebe. Prüforte waren Leipzig, Berlin, Hamburg, Frankfurt und München.

Nach den Angaben arbeiteten bei Bosch Car Service nur zehn der 25 getesteten Werkstätten fehlerlos. Einer der Betriebe in Hamburg erhielt mit 17 von 100 möglichen Punkten sogar eine der schlechtesten Bewertungen, die seit 42 Jahren Test vergeben wurde. Noch schwächer schnitten die ATU-Filialen ab: Hier patzten 18 von 25 Betriebe.

ATU und Bosch geloben Besserung

"Wir nehmen die Ergebnisse des ADAC-Werkstatttests sehr ernst und werden uns intensiv mit den Bewertungen der einzelnen Filialen auseinandersetzen", sagte ATU-Geschäftsführer Manfred Ries. "Es gilt, die Abläufe und Prozesse weiter zu überprüfen, um mögliche Schwachstellen noch besser zu erkennen und letztlich abzustellen." Der Test zeige aber auch, dass 72 Prozent der getesteten ATU-Filialen die Noten "sehr gut" oder "gut" in der Kategorie Technik erhalten hätten, unterstrich Ries.

Bosch kündigte an, die Ergebnisse der getesteten Bosch Car Service-Werkstätten genau zu prüfen, um mögliche Abweichungen von den eigenen Qualitätsvorgaben zu erkennen und zu beseitigen. "Daraus resultierend werden wir mit diesen Betrieben konkrete individuelle Maßnahmen zur Verbesserung vereinbaren", hieß es in einer Unternehmensmitteilung.

Neben der teils dürftigen Arbeitsleistung führte der ADAC das schlechte Ergebnis der freien Werkstätten auch darauf zurück, dass die Betriebe den unterschiedlichen Kfz-Typen oft nicht den jeweils richtigen Serviceumfang zuordnen würden – trotz ihres Werbeversprechens, nach Herstellervorgaben zu arbeiten. Der Club forderte deshalb von den freie Werkstätten und Ketten eine größere Sorgfalt bei der Auswahl der Wartungslisten. Den Autobauern empfahl er, den Standardisierungsprozess ihrer Wartungs- und Reparaturinformationen weiter vorantreiben.

Blütenweiße Weste bei Renault und Mercedes 

Jeweils mit "sehr gut" wurden in der Stichprobe die fünf Renault- und Mercedes-Werkstätten beurteilt. Dabei lagen die Partner der französischen Marke mit 492 von 500 erreichbaren Zählern knapp vor den Mercedes-Kollegen (490 Punkte). Die Berliner Mercedes-Niederlassung am Salzufer schaffte dafür als einziger Betrieb die volle Punktzahl. Bei Audi und BMW trübten jeweils die Werkstätten in Leipzig die ansonsten positive Bilanz. VW blieb wegen des "nur" guten Resultats der Mahag in München die Topwertung versagt. 

Der ADAC hatte die Werkstätten mit den Modellen Audi A3, BMW 1er und Mercedes A-Klasse sowie Renault Megane und Golf 5 getestet. Vor der Prüfung wurden die Fahrzeuge mit fünf Mängeln präpariert: ein verstelltes Scheinwerferlicht, eine defekte Kennzeichenleuchte, ein ausgehängter Auspufftopf, ein zu niedriger Kühlmittelstand und ein Ersatzrad mit zu wenig Reifendruck. Die Arbeitsleistung wurde mit 60 Punkten bewertet, für den Service gab es maximal 40 Punkte.

ZDK gegen Pauschalaussagen

Das Deutsche Kfz-Gewerbe betonte in einer Mitteilung den "reinen Stichprobencharakter" des ADAC-Tests angesichts von 38.000 Kfz-Betrieben in Deutschland. "In einer Dienstleistungsbranche wie dem Kfz-Gewerbe passieren Fehler", sagte ein Verbandssprecher. Gleichwohl sei es jetzt Aufgabe der betroffenen Werkstätten, die beanstandeten Mängel abzustellen. Es bleibe gemeinsames Ziel aller Betriebe, den guten Branchenruf zu halten und auszubauen. Mit Blick auf die im Gesamtergebnis stark gewichtete Sorgfalt bei Wartungslisten, appelliert der ZDK nachhaltig dazu, Fahrzeuge ausschließlich nach den Herstellervorgaben zu warten und zu reparieren.

Der ADAC-Test ist nicht der einzige Versuch, die Qualität von Werkstätten zu erfassen. Beim DAT-Report 2012 wurden gut 1.600 Autofahrer befragt. Sie bewerteten ihre Kfz-Betriebe mit einer Durchschnittsnote von 1,61 – noch etwas besser als im Vorjahr (wir berichteten). (rp/dpa)

Weitere Details sind unten in der Downloadbox abrufbar.

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KOMMENTARE


A. Aslau

23.08.2012 - 12:17 Uhr

Tja, nur die "oberschlauen" Endverbraucher schnallen es nicht ! Gestern in unserem Betrieb: Diagnose zu einer nicht funktionierenden Klimaanlage = Kondensator defekt. Fahrzeug war vor einer Woche für einen "Klimaservice" in einer Filiale der tollen Werkstattkette mit den zwei kurzen Wörtern. Kosten: sage und schreibe 97,- - ob evt. ein Defekt vorliegt, wurde gar nicht geprüft. Der gleiche Service hätte bei uns (Vertragshändler) 49,- gekostet und wäre nach Feststellung des Problems natürlich nicht berechnet worden. Die Werkstattkette hat sich nichts davon angenommen und einen Reparatur-KV abgegeben: Kosten 880,- (plus die 97,- vom ersten mal). Wir reparieren jetzt nach Herstellervorgabe mit Originalersatzteilen für 760,- incl. kostenlosem Leihfahrzeug - ist ihm dort gar nicht angeboten worden. Da frag ich mich immer wieder - warum kann man nur so blöd sein ?


Tom To

23.08.2012 - 13:49 Uhr

Das frage ich mich auch immer wieder. Anderes Bespiel: Kundin war mit ihrem etwas über 2 jährigem Auto in einer Werkstatt mit 3 Buchstaben, die haben eine kleine Inspektion gemacht und einen defekten Hebel für ca.200,- € ausgetauscht, gesamt hat sie über 400,- € bezahlt. Hat mir das ganz freudestrahlend erzählt, weil es so günstig war. Sie hat gedacht (obwohl ich Ihr das zigmal erklärt habe), das die Inspektion die bei uns 189,- € kostet und der tolle Mitbewerber wirbt hier mit 49,- € für eine Inspektion plus Material, unterm Strich dort günstiger wird. Und dann hätten wir den Hebel auf Garantie/Kulanz abrechnen können. Ich habe ihr dann nochmal erzählt, das sie bei uns über 50% (über 200 €) gespart hätte. Nächstes mal kommt sie zu uns ;-)


Ralf Neugebauer

23.08.2012 - 17:26 Uhr

Nur die Markenwerkstatt hat das KnowHow, das Personal und das Spezialwerkzeug, mit dem ein Markenfahrzeug instandgesetzt werden kann! Das war vor der Erfindung der Kettenbetriebe so, das ist heute so und das wird in Zukunft so sein. Liebe Markenhändler, erklären Sie das doch einfach mal Ihren Kunden...


Christian Blas

24.08.2012 - 11:33 Uhr

Es wurden Niederlassungen und freie Werkstätten getestet. Interessanter wäre es gewesen, kleinere Markenwerkstätten, freie Werkstätten und Werkstattketten zu prüfen. Repräsentativ ausgewählt.


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