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06.10.2017

"Zu teuer und zu ungenau"

HUK-Coburg aus allen Vergleichsportalen ausgestiegen

"Zu teuer und zu ungenau"
HUK-Coburg aus allen Vergleichsportalen ausgestiegen
Haben die Nase von Vergleichsportalen offensichtlich gestrichen voll: HUK-Coburg Vorstandssprecher Klaus-Jürgen Heitmann (l.) und Dr. Jörg Rheinländer, der von Heitmann in diesem Jahr das Vorstandsressort Autoversicherungen übernommen hat.
© Foto: Walter K. Pfauntsch

Deutschlands größter Autoversicherer nach Stückzahlen ist seit Oktober auf keinem Vergleichsportal mehr zu finden. Das gilt auch für den Internet-Versicherer HUK24. Versicherungsprodukte bietet die HUK-Gruppe jetzt ausschließlich nurmehr über ihre eigenen Vertriebsstrukturen an.

Der Hauptgrund für den Ausstieg ist laut Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-Coburg, das Kostenargument: "Unsere Autoversicherungen zählen preislich zu den günstigsten im Markt. Um diese Preisposition nicht zu gefährden, haben wir uns dazu entschieden, auf die relativ teuren Vergleichsportale zu verzichten und uns dort nicht mehr listen zu lassen."

"Günstige Kundenangebote statt hoher Vermittlungsgebühr"

Dr. Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-Coburg zuständig für Autoversicherungen, ergänzt: "Wer einen HUK-Coburg-Preis rechnen oder elektronisch ein Angebot der HUK-Coburg einholen will, muss dies auf den Internetseiten huk.de, huk24.de oder bei der HUK-Coburg vor Ort direkt machen. Und wer bei der Autoversicherung sparen und darüber hinaus ein gutes Produkt kaufen möchte, sollte uns auf jeden Fall vergleichen." Dasselbe gelte für Vergleiche von Schutzbriefen. Statt bei Portalen eine hohe Vermittlungsgebühr zu bezahlen, hält Rheinländer es für "sinnvoller, die Einsparung über günstigere Angebote direkt an Kunden weiterzugeben".

Portal-Billigprodukte und die Wahrheit im Schadensfall

Beim Vergleichen rät Rheinländer besonders dazu, auf die Leistungen der Produkte zu achten, die in den Vergleichsergebnissen ganz vorne stehen: "Oftmals handelt es sich bei Angeboten, die preislich an der Spitze stehen, um abgespeckte Produkte, bei denen wichtige Leistungen fehlen. Spätestens beim Schadenfall kann sich das dann rächen, wenn der Versicherungsnehmer sieht, dass sein Versicherungsschutz Lücken hat."

Der Kunde müsse aktiv einen Tariffilter bedienen, um den zum Beispiel von der Stiftung Warentest empfohlenen Versicherungsschutz angeboten zu bekommen. Es gebe darüber hinaus Versicherungsunternehmen, die zusätzlich eine Vielzahl von Tarifen anböten, die auf anderen Vertriebswegen dieser Unternehmen nicht zu finden seien.

Zudem gebe es Tagespreise auf den Portalen und Tagesteilnehmer, d.h. für ein und dasselbe Beispiel bekomme man "an einem Tag gewisse Tarife angezeigt, die am nächsten Tag einfach verschwunden" seien.

Allerdings spielten bei der Ausstiegs-Entscheidung neben dem Kostenargument auch andere Gründe eine Rolle, standen doch die Vergleichsportale insbesondere in diesem Jahr vermehrt in der Kritik. Neben einem Urteil des OLG München vom April 2017, das Online-Anbieter zu weitreichenden Korrekturen ihrer Geschäftspraktiken zwinge, wurden Vergleichsportale laut der HUK-Coburg gleich von mehreren Studien kritisiert. Im Mai habe beispielsweise eine Studie des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes Transparenz, Objektivität, Aktualität und Unabhängigkeit der Portale bemängelt. Darüber hinaus habe eine Untersuchung der Beratungsfirma Morgen & Morgen herausgefunden, "dass Portale nicht immer den wirklichen Bedarf von Konsumenten abdeckten".

"Vollständigkeit nur vorgegaukelt"

Vergleichsportale, so Rheinländer weiter, "gaukeln Vollständigkeit vor und erwecken so den Eindruck, das günstigste Angebot im gesamten Versicherungsmarkt zu finden. Aber weder überblicken sie alle Angebote im Markt, noch finden sich auf jeder Plattform dieselben Versicherer, noch bringt das Ergebnis der Suche immer das günstigste Resultat". Als Folge davon müsse man eigentlich mehrere Internetseiten vergleichen, was indes sehr aufwendig und unübersichtlich sei.

Rheinländers Fazit: "Für Kunden wird es nicht einfacher und übersichtlicher, wenn er sich allein auf Portale verlässt. Die Gefahr besteht, dass gar nicht klar wird, was der einzelne einerseits individuell braucht und andererseits tatsächlich bekommt."   (efk)