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Fahrzeugrückgabe: Fehlender Aschenbecher ist keine Bagatelle

Raucher am Steuer, das wird teuer - diesmal allerdings für einen Toyota-Händler.
© Foto: Nenov Brothers / fotolia.com

Ein serienmäßig beleuchteter Aschenbecher kann laut OLG Oldenburg nicht durch ein Provisorium im Getränkehalter ersetzt werden, weil damit in der Dunkelheit nicht sauber "abgeascht" werden kann.


Datum:
18.03.2015
9 Kommentare

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Das Oberlandesgericht Oldenburg hat einen Toyota-Vertragshändler zur Rücknahme eines Lexus' mit einem Listenpreis von 135.000 Euro verpflichtet. Begründung: Der Wagen verfügte nicht über einen fest installierten und beleuchteten Aschenbecher (OLG-Az.: Aktenzeichen 13 U 73/14). Abzüglich eines Nutzungsvorteils musste der Händler dem Kunden daher 117.000 Euro zurückzahlen.

Ein Geschäftsführer hatte im Januar 2013 das Fahrzeug beim Händler für seine Firma bestellt. Das ebenfalls dort gekaufte Vorgängermodell verfügte noch über einen Aschenbecher. Aus Sicht des Kunden hatte man daher beim Kauf vereinbart, dass auch der neue Wagen dementsprechend ausgestattet sei. Das Landgericht Osnabrück wies die Klage des Kunden noch ab.

Die Berufung hatte hingegen vor dem Oberlandesgericht Erfolg. Nach der Vernehmung von Zeugen stand für die Richter fest, dass im Kaufvertrag die Lieferung eines Fahrzeugs mit einem fest installierten und beleuchteten Aschenbecher vereinbart worden war. Das Fehlen des Aschenbechers sei eine nicht unerhebliche Pflichtverletzung, so die Richter. Der Geschäftsführer hatte dem Mitarbeiter der Händlerin ausdrücklich gesagt, dass für ihn ein sog. Raucherpaket sehr wichtig sei. Das Fehlen des Aschenbechers sei keine bloße Bagatelle.

Keine Nachrüstung möglich

Anders als die Händlerin, die lediglich von einer nur geringfügigen Einschränkung des "Rauchkomforts" ausging, wenn eine Aschenbecherdose in einem Getränkehalter in der Mittelkonsole platziert würde, folgten die Richter der Kundenauffassung. So könne bei Dunkelheit wegen der fehlenden Beleuchtung nicht "abgeascht" werden, ohne das Fahrzeug zu verschmutzen.

Zudem könne die Zigarette während der Fahrt nicht abgelegt werden. Ferner könnten die Getränkehalter in der Mittelkonsole nicht bestimmungsgemäß genutzt werden, wenn dort ein Aschenbecher angebracht würde. Nachdem auch keine Nachrüstung des Fahrzeugs mit einem passenden Aschenbecher möglich war, konnte die Kundin den Vertrag rückgängig machen. (ng)

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KOMMENTARE


Kommentator

18.03.2015 - 10:22 Uhr

Laut Pressemitteilung des OLG Oldenburg ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.


MH

18.03.2015 - 12:35 Uhr

Ein finanzieller Ausgleich für das Fehlen des Aschenbechers, wäre ja noch verständlich, aber gleich eine ganze Rückabwicklung? Denen haben se doch ins Hirn geschi**en!


Rolf Stirmlinger

18.03.2015 - 18:10 Uhr

Das ist der absolute Quatsch....


Kay

18.03.2015 - 21:03 Uhr

Man kann sich die Frage stellen warum das Fahrzeug trotz des fehlenden Raucherpaket überhaupt vom Kunden abgenommen wurde, denn Grundsätzlich kann ein Kunde, und das unabhängig von der Preisklasse, erwarten das die Ware so geliefert wird wie er sie Bestellt hat. Denn und das vergessen leider auch die Hersteller, der Kunde bezahlt ja auch dafür.


Dr.Erwien

19.03.2015 - 00:24 Uhr

Lächerlich! Hier ist die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. Zumal wenn man die 0,38 % Regelung berücksichtigt, ist der Fahrer des Lexus, diesen immerhin 35.000 km gefahren. Ging doch, oder nicht.Normalerweise haben nur Saab und Volvo-Fahrer einen an der Mütze, jetzt kommen auch noch die Lexus-Jünger dazu.


Befürworter

19.03.2015 - 07:42 Uhr

Man kann das auch unter dem Gesichtspunkt Servicequalität und Wahrnehmung des Kunden betrachten. Leider muss man als Kunde einiger Premium-Autohäuser immer wieder feststellen, dass man beim Gespräch zwar oft "auf Händen getragen wird", dass die Berater/Verkäufer bei der Umsetzung der Wünsche aber Ihre Probleme (mangels Zuhören) haben. Auch hat man in manchen dieser Autohäuser -ob der mehr oder minder zur Schau getragenen Arroganz mancher Verkäufer- das Gefühl eher Bittsteller zu sein, als Kunde. (Ich sage nur - Kleider machen Leute. - Und wenn Sie auch finanziell unabhängig sind und ein Fahrzeug aus der Portokasse zahlen können, - gehen Sie mal in unscheinbarer Kleidung in ein Autohaus und fragen nach einem hochpreisigen Fahrzeug ...) Wie viel einfacher und stressfreier könnte es dann sein, das Fahrzeug im Internet zu konfigurieren und direkt zu bestellen. Man verstehe mich nicht falsch. - Ich gehe nach wie vor gerne in Autohäuser. Und man kann die obigen Aussagen auch lange nicht allen Verkäufern zur Last legen. - Nur sollten sich manche Zeitgenossen erst überlegen, wer ihre Brötchen zahlt und den Kunden auch wieder als Kunden sehen.Vor daher Daumen hoch, wenn dieses Urteil rechtskräftig ist.


Anett Schechner

19.03.2015 - 08:39 Uhr

Ein GUTER Grund mit dem Rauchen aufzuhören!! Eine kleine Zahlung wegen dem fehlenden Aschenbecher wäre da noch das krönende i-Tüpfelchen gewesen!


UE

19.03.2015 - 14:37 Uhr

@Dr. Erwien: Wunderbar geschrieben, ich musste laut lachen! (habe selber gut 10 Jahre SAAB verkauft). Da lernt man wirklich "schräge" Leute kennen... ;-)Zum Thema: Das kommt dabei heraus wenn Leute über Sachen richten, von denen sie keine Ahnung haben (Richter von Autos). Ein Fahrzeug nach knapp 40tkm rückabzuwickeln wegen eines ASCHENBECHERS ist an Lächerlichkeit nicht zu übertreffen. *....ähm...* halt, es geht doch: ein Radfahrer, der aus der falschen Richtung kommend ihr Auto rammt und SIE sind Schuld, weil sie es "hätten ahnen müssen" dass ein Radfahrer aus der falschen Richtung kommen (könnte)....


Dr.Erwien

19.03.2015 - 16:50 Uhr

@Befürworter: Klar gibt es auch schlechte Verkaufsberater. Nur hat das eine nichts mit dem anderen zutun, so dass man nicht zu einem 100% Ergebnis , ob richtig oder falsch kommen wird. Dafür fehlen wichtige Informationen. Der Kunde sagt immer : "Habe ich doch gesagt, dass das für mich besonders wichtig ist." Versuchen Sie mal das Gegenteil zu beweisen. Klar irgendwo ist hier ein Fehler passiert. Beide haben aneinander vorbei geredet, der Vkb hat nicht zugehört, der Kunde hat nicht zugehört, der Hersteller hat was geändert. Es gibt unzählige Möglichkeiten die wir hier unterstellen können.Aber ich bleibe dabei, das nach meinem Rechtsempfinden die Verhältnismäßigkeit absolut nicht vorhanden ist.Der Beweis hierfür: " Der Lexus-Fahrer hat den Wagen 35.000 km gefahren !Nichts rechtfertigt die Rückabwicklung.


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