1972 markierte einen Wendepunkt in der jüngeren europäischen Ford-Markenhistorie: Die Baureihe Granada/Consul löste die deutschen Modelle Ford 17M, 20M und 26M sowie den britischen Zephyr/Zodiac ab. Der Ford Consul adressierte die gutbürgerliche Klientel und wirkte bescheidener als der Zwillingsbruder mit den spanischen Städtenamen - spartanischer fiel das neue Flaggschiff der Kölner deswegen nicht aus: Bereits in der "L"-Ausstattung punktete er z.B. mit Einzelliegesitzen, Teppichboden, Make-up-Spiegel in der Sonnenblende auf der Beifahrerseite sowie der heizbaren Heckscheibe. Der Verkaufspreis des Ford Consul 1700 starteten bei 9.830 D-Mark.
Die Variante Consul GT trumpfte Herstellerangaben zufolge mit Sportfelgen, 185er-Gürtelreifen, schwarzem Frontgrill, härter abgestimmter Federung, Halogen-Scheinwerfern, Sportlenkrad und Rallye-Instrumentierung. Angetrieben wurde der Consul entweder von einem 1,7-Liter-V4-Aggregat (75 PS), einem 2-Liter-Vierzylinder (90 PS) oder dem aus dem 20M bekannten V-Sechszylinder (108 PS).
Von 1972 bis 1975 wurde das Topmodell Granada mit den Komfortfunktionen Vordersitze mit Liegefunktion, separates Heizungs- und Belüftungssystem für den Fond, Drehzahlmesser und Handbrems-Kontrollleuchte ausgeliefert. In der Variante "GLX" verfügte das Fahrzeug u.a. über ein Automatikgetriebe, getönte Scheiben, Servolenkung, Radio mit Doppellautsprechern sowie einem Stahlkurbel-Schiebedach. Die top ausgestattete Version schlug beim Kunden mit rund 15.500 D-Mark zu Buche. Bei der Motorisierung fuhr die erste Granada-Generation mit dem V-Sechszylinder vor, der – wie beim Consul – aus 2,3-Litern Hubraum 108 PS schöpfte. In höheren Leistungssphären siedelten zwei weitere V-Sechszylinder-Triebwerke an: eine 2,6-Liter-Ausführung (125 PS) und die Topmotorisierung, ein 3-Liter-V6-Motor (138 PS).
Strategie- und Modellwechsel
Drei Jahre nach Marktstart kassierte der Hersteller die Typbezeichnung Consul wieder. Stattdessen legten die Kölner beide Versionen unter der Modellbezeichnung "Granada 75"zusammen und stellten die neue Generation breiter auf: Die vier Ausstattungsversionen "Granada", "L", "GL" und "Ghia" waren durch den mattschwarzen Kühlergrill, schwarz lackierte Türfensterrahmen und geänderte Seitenzierleisten zu erkennen. Zudem fuhr der Oberklassewagen mit verändertem Motorenprogramm vor: nach der Neuordnung gab es sechs V-Antriebsaggregate von 1,7 bis 3 Liter Hubraumvolumen.1976 entwickelte Ford den 150 PS leistenden 2,8 Liter-V6-Motor. Dieser katapultierte den Granada 2.8i in 10,8 Sekunden auf 100 Km/h.
Die folgende Granada-Generation verließ die Produktionshallen der Ford-Werke von 1977 bis 1985. Die Ingenieure gaben dem Nachfolgemodell innenbelüftete Scheibenbremsen vorn mit auf den Weg. Die zulassungsstarke Kombiversion Turnier erhielt zusätzlich größere Bremstrommeln an der Hinterachse. Als stärkste Motorisierung erhielt die Modellreihe ein 160 PS starkes Einspritztriebwerk als Ersatz für den Vergasermotor der Vergangenheit.
Über 1,6 Millionen Fahrzeuge
Bis zur Ablösung durch den Scorpio 1985 baute Ford in England und Deutschland insgesamt 1,619 Millionen Einheiten von Consul und Granada, erklärte Ford. Als Modellbezeichnung war Granada in England und Spanien so erfolgreich, dass sie bis 1994 weiterleben durfte. (msh)