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Mitsubishi-Design: "Wir sind keine Künstler"

Mitsubishi hat in diesem Jahr das Konzeptauto "Engelberg Tourer" an den Lac Léman mitgebracht.
© Foto: Messe Genf/GIMS 2019

Mitsubishi gibt in Genf mit der Studie Engelberg Tourer einen Vorgeschmack der zukünftigen Formensprache und einen ersten Ausblick auf den nächsten Outlander.


Datum:
14.03.2019
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Von Michael Gebhardt/SP-X

Sieben Jahre hat der aktuelle Mitsubishi-Outlander schon auf dem kantigen Buckel – die nächste Generation wird wohl 2020 anrollen. Unterm Blech steckt dann eine Renault-Nissan-Plattform, schließlich hat sich der japanische Mitbewerber vor rund anderthalb Jahren reichlich Anteile an Mitsubishi gesichert und den Autobauer so in die franko-asiatische Allianz integriert. Das Design für den neuen Outlander aber darf Mitsubishi freilich selbst bestimmen. Verantwortlich dafür zeichnet – nach vier Jahrzehnten bei Nissan – seit fünf Jahren Tsunehiro Kunimoto, der auch die in Genf ausgestellte Studie "Engelberg Tourer" entworfen hat.

Während so manches Concept Car eher durch skurrile Optik denn einen seltsamen Namen auffällt, ist es bei dieser Mitsubishi-Studie genau andersrum: Die Benennung spielt auf die Schweizer Bergregion Engelberg im Kanton Obwalden an, ein vor allem bei Freeridern beliebtes Skigebiet. Die soll man auch vor Augen haben, wenn man sich das Tourer genannte SUV näher anschaut. Doch ganz anders als so manches Mitsubishi-Serienmodell kommt die Fingerübung ziemlich gefällig daher und ist eher eine dezente Weiterentwicklung des Concept GT PHEV.

Haben die Japaner etwa Nachhilfe in Sachen Design genommen? Nein, die hatte Kunimoto ganz sicher nicht nötig. Der Chef-Kreative, der in Deutschland studiert hatte, hat eine klare Vorstellung der Formensprache. Zwei Richtungen, so erklärt Kunimoto im Rahmen des Genfer Autosalons, sieht er bei Mitsubishi. Auf der einen Seite die kräftigen, stämmigen Modelle, die eher an einen Rugby-Spieler als an einen Leichtathleten erinnern sollen. Und auf der anderen Seite muskulöse, durchtrainierte, agile Fahrzeuge. Während sich erstgenannte Philosophie nicht zuletzt im aktuellen Outlander widerspiegelt, sucht man das filigranere Design noch vergebens; auch der Engelberg schlägt eher in die Rugby-Kante.


Mitsubishi Engelberg Tourer

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Nicht unbedingt schön, aber praktisch

Egal ob robust oder athletisch: Bei allen Mitsubishis, die Kunimoto-San entwirft, folgt er einer klaren Philosophie: der des Bauhaus. Das mag beim Blick auf die aktuelle Modellpalette verwundern, doch der Designer erklärt: Sogar der für viele schlichtweg unförmige Eclipse Cross trage Bauhaus-Gene in sich, der Leitsatz der Dessauer Schule, "Form follows Function", sei dort schließlich konsequent angewendet. Heißt: Der Fahrer muss höher sitzen, damit er einen guten Überblick hat – bleibt also nur eine SUV-Karosse. Die Gäste auf der Rückbank wollen aber auch rausschauen, müssen also noch ein Stück nach oben rücken, was den buckelige Rücken erklärt. Und dann soll das ganze Auto noch handlich sein, lange Überhänge sind also tabu. Deshalb hat Kunimoto das Heck schlichtweg knapp hinter den Fondpassagieren abgeschnitten. Das ist nicht unbedingt schön, aber praktisch. Aber der Chef-Designer betont: "Wir sind keine Künstler." Er sieht seine Aufgabe nicht darin, Autos zu zeichnen, die in erster Linie schön sind, sondern alltagstaugliche Fahrzeuge zu entwerfen.

Beim Engelberg Tourer, so scheint es, ist es dem Designer gelungen, beides zu vereinen. Herausgekommen ist ein wuchtiges SUV mit hoher, langgestreckter Motorhaube inklusive des von ihm eingeführten "Dynamic-Shield"-Kühlergrills, flacher Windschutzscheibe und einem klar und ruhig gestaltetem Heck mit schmalen Rücklichtern. Auffällig sind vor allem die geteilten Frontleuchten, die Trennung von Tagfahrlicht und Hauptscheinwerfer biete funktionale Vorteile, so Kunimoto. Dass er in Anbetracht seines Credos auch auf klassische Außenspiegel verzichtet, versteht sich fast von selbst. Schließlich hat jüngst der Audi e-tron, das erste Serienauto ohne echte Spiegel, bewiesen, dass sich durch den Wegfall merkliche Aerodynamikvorteile erzielen lassen.

Manche Designer hadern zwar damit, die über Jahrzehnte liebgewonnenen Außenspiegel wegzulassen; schließlich sei unser Auge daran gewöhnt und ohne sie sähe ein Auto unvollständig aus. Der Japaner aber wäre kein treuer Bauhaus-Jünger, würde er sich von solcher Gefühlsduselei beeinflussen lassen. "Ich freue mich auf jede neue Technik", sagt er mit einem Strahlen im Gesicht. Schließlich sei Design nichts in Stein Gemeißeltes und müsse sich ohnehin ständig weiterentwickeln – und da käme ihm jeder technische Fortschritt gerade recht. Bleibt nur noch zu hoffen, dass er auch die Ingenieure davon überzeugen. Die hinken mit ihrer aktuellen Modellpalette nämlich der Technik noch ein wenig hinterher.

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