Das nennt man wohl ein klassisches Eigentor: Gerhard Hillebrand, Verkehrspräsident von Deutschlands größtem Automobilclubs ADAC, hat sich in einem Interview für höhere Benzin- und Dieselpreise ausgesprochen. Die CO2-Bepreisung sei ein sinnvolles Mittel, um klimaschonende Alternativen attraktiver zu machen, sagte Hillebrand kurz vor Weihnachten gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Konkret forderte Hillebrand, den Emissionshandel wie geplant auf den Verkehrssektor auszuweiten. Der ADAC halte dies für das "richtige Instrument", um die Klimaschutzziele zu erreichen. "Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen."
Die Reaktion der ADAC-Mitglieder auf diese unpopulären Aussagen ließ nicht lange auf sich warten – und fiel deutlich aus. In den sozialen Netzwerken entlud sich ein Shitstorm, zahlreiche Mitglieder verkündeten öffentlich ihren Austritt. Branchenbeobachter gehen inzwischen von einer fünfstelligen Zahl an Kündigungen aus. Der Club selbst sprach zu Jahresbeginn von einer mittleren vierstelligen Zahl. Insgesamt zählt der ADAC mehr als 22 Millionen Mitglieder und ist damit der größte Verein Europas.
Mobil in Deutschland: "Flut an Neumitgliedern"
Von der Verärgerung profitieren nun Wettbewerber wie der Autoclub Mobil in Deutschland. Dessen Präsident Michael Haberland berichtete gegenüber AUTOHAUS von einer "Flut an Neumitgliedern". Allein in den vergangenen Tagen seien rund 2.000 Autofahrer dem Verein beigetreten. "Viele von ihnen suchen eine Interessenvertretung, die sich klar und eindeutig an den Bedürfnissen der Autofahrer orientiert. (…) Unser Anspruch ist es, ihre Stimme konsequent zu vertreten."
Der ADAC hat die Aussagen seines Verkehrspräsidenten inzwischen relativiert. Sie seien verkürzt dargestellt worden, hieß es gegenüber dem "Spiegel". Man sei gegen einseitige Belastungen und fordere ausdrücklich einen sozialen Ausgleich. An der grundsätzlichen Haltung wolle der Club jedoch festhalten: Der Umbau des Verkehrsektors sei notwendig, und die EU dürfe von ihrem eingeschlagenen CO2-Kurs nicht abweichen. Gleichzeitig müsse die Situation für die Verbraucher tragbar bleiben – das bedeute echte Entlastungen, mehr Alternativen und weniger Symbolpolitik.
Über viele Jahre hinweg galt der ADAC als Anwalt des "freien Autofahrers" in Deutschland. In diese Rolle will nun Mobil in Deutschland vorstoßen. Haberland sieht sich durch die jüngsten Entwicklungen bestätigt: "Die zahlreichen Neueintritte zeigen deutlich, dass viele Autofahrer eine klare, glaubwürdige Interessenvertretung vermissen." Sein Verein stelle Autofahrer konsequent in den Mittelpunkt und setze sich für bezahlbare Mobilität, Wahlfreiheit bei der Antriebsform und gegen zusätzliche finanzielle Belastungen ein.
"Für Mobil in Deutschland ist Mobilität kein Luxus, sondern für Millionen Menschen eine unverzichtbare Voraussetzung für berufliche und private Teilhabe", betonte Haberland, der den Autoclub vor über 30 Jahren gegründet hat.