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Strafzahlungen: BP will E10-Kosten auf Kunden abwälzen

Autodfahrer werden möglicherweise für die Kosten der Strafzahlungen aufkommen müssen.
© Foto: Imago/Gerhard Leber

Der Mineralölriese hat gedroht, die Kosten für mögliche Strafzahlungen für verfehlte Biokraftstoffquoten an die Autofahrer weiterzugeben. Der ADAC sieht diese bereits heute voll eingepreist.


Datum:
26.08.2011
12 Kommentare

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In der Debatte um den umstrittenen Biosprit E10 hat der Mineralölriese BP Europa gedroht, die Autofahrer zur Kasse zu bitten. Hintergrund seien Strafen, die den Konzernen womöglich bevorstehen, falls sie ihre vorgeschriebenen Quoten an Biokraftstoffen nicht erreichen, erläuterte der Chef der Aral-Mutter BP Europa, Uwe Franke, den Zeitungen der Essener "WAZ"-Gruppe (Freitag).

"Die Kosten für die Nichterfüllung der Quote dürften vermutlich für die Branche zwischen 300 bis 400 Millionen Euro liegen", sagte Franke. Am Ende werde den Unternehmen nichts anderes übrig bleiben, als die Kosten an die Kunden weiterzugeben.

Der ADAC warnte die Mineralölbranche davor, das E10-Desaster für weitere Preiserhöhungen beim herkömmlichen Super E5 zu nutzen. Angesichts der Preisdifferenz von durchschnittlich drei Cent je Liter zwischen dem günstigeren E10 und E5 seien gesetzlich verordnete Strafzahlungen für verfehlte E10-Quoten bereits eingepreist. "Die Mineralölkonzerne legen seit Beginn des E10-Einführungsprozesses im vergangenen Februar die fälligen Strafzahlungen auf den Benzinpreis um", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer in München.

Komplizierte Berechnung 

Die Strafzahlungen werden nach einem komplizierten Schlüssel für das gesamte Jahr berechnet. Die Ölbranche muss 6,25 Prozent des verkauften Kraftstoffes – gemessen am Energiegehalt – aus pflanzlicher Produktion gewinnen, sonst drohen hohe Strafen. E10 enthält zu zehn Prozent Ethanol. Bei einer Rückkehr zum alten Super mit fünf Prozent Ethanol würden die dann fälligen Strafzahlungen jeden Liter Benzin etwa zwei Cent verteuern. Aus Sicht des ADAC ist das bereits geschehen.

E10 hätte schon zu Jahresbeginn flächendeckend eingeführt werden sollen. Wegen mangelnder Akzeptanz durch die Autofahrer hatte die Mineralölwirtschaft die Umstellung der Tankstellennetze und Raffinerien jedoch auf halbem Wege gestoppt (wir berichteten). Im Juni griff nur rund jeder siebte Tankstellenkunde nach dem umstrittenen Sprit mit erhöhtem Bioethanolanteil von zehn Prozent. Die größte deutsche Tankstellenkette Aral hatte angekündigt, mit der flächendeckenden Einführung des Biosprits im Westen und Norden Deutschlands zu beginnen.

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KOMMENTARE


caramba68

26.08.2011 - 09:45 Uhr

Ja liebe BP`ler, dann fangt Ihr nur mal an den Preis anzuheben. Sobald Ihr das macht, entsteht endlich Wettbewerb. Denn ich werde Euch dann meiden, und viele andere (hoffentlich) auch. Und hoffen, dass andere Hersteller nicht ganz so hoch nachziehen - und dann gibt hoffentlich eines das andere...denn wenn die Umsaätze bei Euch dramatisch einbrechen.. müsst Ihr den Preis senken. Ich schau dem spannend entgegen.


K. Wempe

26.08.2011 - 10:00 Uhr

Danke, Frau Merkel. Hätten Sie in Brüssel u. A. E10 nicht als Bio-Komponente im Namen der Autoindustrie wegen Nichterreichung der EU Emissionsziele "verkauft", dann hätten wir jetzt ein Problem weniger. Hoffentlich merkt sich der Wähler (nicht nur) das.


Christian

26.08.2011 - 12:09 Uhr

Das ist doch ganz einfachste Volkswirtschaft! Wie Caramba schon schreibt: Droht der Anbieter (BP) damit, die Preise anzuheben, dann droht der Verbraucher damit (sofern er rational handelt) diesen Anbieter zu meiden. Wenn dann die Gewinne nicht mehr so reichhaltig sprudeln, dass man eine Naturkatastrophe a la Deepwater Horizon aus einem einzigen Jahresgewinn bezahlen kann, dann werden die Preise schon wieder sinken. Man kann allen Verbrauchern nur raten, daraus die entsprechenden Konsequenzen für ihr Tankverhalten zu ziehen. Es gibt ja auch noch andere Wettbewerber (z.B. Freie).


T. Meier

26.08.2011 - 13:19 Uhr

@Caramba: Schöne Hoffung, die aber warscheinlich nicht eintritt. Wenn der Preis erhöht wird, werden die anderen mitziehen und nicht "niedrig" bleiben. Somit hat der Kunden keine Wahl um den Wettbewerb zu verschärfen, sondern zahlt überall den höheren Preis. Wenn man die verkauften Modell und die Fahrweise auf den Straßen zugrunde legt, scheint ein hoher Preis aber niemanden zu stören.


Jörg-Uwe Banach

26.08.2011 - 15:00 Uhr

BP - wir tanken auch Ihren Golf voll.


Michael Kühn

26.08.2011 - 17:01 Uhr

Im Gegensatz zu den vorherigen Kommentatoren betrachte ich die E-10 Thematik eindeutig in Richtung Politik zeigend. Ich bin sicher kein "Mineralölkonzern - Fan", - Aber: Ich kann die gegenwärtigen Gedanken durchaus nachvollziehen. (Versicherungen, Krankenkassen oder auch Städte und Gemeinden usw. legen ihre steigenden Kosten stets auf die Allgemeinheit um, unabhängig von der wirklichen Nachvollziehbarkeit uns Verbrauchern und Bürgern gegenüber. In wieweit diese Kostensteigerungen auf eine mögliche Inkompetenz der betreffenden Manager zurückzuführen ist, bleibt in der Regel unterbelichtet...! ) Warum sollen es dann die Mineralölkonzerne anders machen ??? ... Und das Thema E-10 hat m.E. nicht die Mineralölindustrie zu vertreten, sondern ausschließlich unsere "ausgewählten" Politiker! Hat Shell, Aral, Esso usw. irgendwann einmal ein Auto gebaut und ist für die Verträglichkeit dieser „Suppe“ verantwortlich…? Es sind Normen geschaffen worden, nach denen sich die Sprithersteller richten müssen. Ihre Aufgabe ist es ein Produkt anzubieten, welches seitens der Autohersteller freigeben wurde. Wenn also möglicherweise der Kraftstoff mangelhaft war, ist dieses zweifelsfrei über Reste im Tank / Motor nachweisbar. Heute pfuscht eine Regierung dazwischen, …- Autohersteller geben zwar auch Freigaben für die Verträglichkeit der Motoren heraus, jedoch mit der Beweislast im Schadensfall beim Autofahrer, welchem es zurzeit schwer gelingen dürfte, 1000-de Km später den Beweis gegenüber dem Hersteller des Fzg., eine E-10 Unverträglichkeit nachzuweisen. (Motorschäden ab 100.000 km aufwärts waren bereits in der Vergangenheit sehr häufig nicht eindeutig einem Hersteller anzulasten) Ergo kann ich nur allen Fahrern(innen) älterer Autos guten Gewissens empfehlen, dieses zusätzliche Risiko zu umgehen… Abschließend meine Frage: Wer erhält denn diesen "beknackten" Strafbonus von den Konzernen...? Der Staat, der mit unseren Steuergeldern, in der Vergangenheit – wie auch heute, nicht haushalten kann ! (Brüssel heißt nicht unbedingter und kritikloser Gehorsam, sondern unsere Volksvertreter wurden von uns gewählt, um unsere Interessen in unserem Sinn zu vertreten und auch durchzusetzen!!!)


Ralf Senkmann

26.08.2011 - 19:14 Uhr

Interessant ist, daß noch am 10.06.2011 in der asp aus demselben Hause vom ADAC Test berichtet wurde, wobei der Opel Signum nach 16.000 km E10 Test keinerlei (!) Schaden zu nehmen scheint. Ansonsten gab es schon in der Vergangenheit wiederholt Aufrufe, eine Woche lang einen bestimmten Spritanbieter zu meiden, um durch entstehenden Wettbewerb die Preis zu drücken. Das Problem, welches sich dabei darstellt, kennt die Politik und die Industrie nur zu genau: Deutschland ist sich bei solchen Aktionen einfach nicht einig. Da sind uns die Franzosen z.B. um einiges voraus. Und somit werden wir ALLE auch diese "Strafzahlungen" blechen.


marian-m. waworka

27.08.2011 - 10:41 Uhr

Man kann den E10-Schwachsinn wirklich nicht der Mineralölindustrie vorwerfen; wir haben nun mal eine freie Marktwirtschaft, Preise sollten über Angebot und Nachfrage bestimmt werden und nicht durch politische Regularien. Das ist der eigentlich Oberhammer: Unfähige und uninformierte Politiker haben uns den Unsinn eingebrockt und wollen (neben der hohen Spritsteuer) jetzt auch noch Strafgebühren kassieren. Also liebe Wähler, merkt euch das!!!


Christoph Flückiger

27.08.2011 - 10:51 Uhr

75000€. Einfach lächerlich. Wenn ein 3-Mann-Betrieb 1000€ spendet, macht er auch kein grosses Zeugs draus. Obwohl das im Verhältnis ein Vielfaches ist.


Karl Schuler

29.08.2011 - 11:28 Uhr

Ich muss die Mineralölindustrie, die mir als Autofahrer immer zuverlässig Qualitätskraftstoff geliefert hat, in Schutz nehmen. Sie mußte auf eine perfide Gesetzgebung eigentlich nur reagieren. Hinter der Merkelschen und damit deutschen "Umweltpolitik" in Sachen CO2 und Energieversorgung stecken Hilflosigkeit, Wahltaktik, höchste Verschuldung seit Gründung der Bundesrepublik und viele, viele unausgegorene Ideen. Der Autofahrer als Milchkuh....


T. Meier

29.08.2011 - 12:04 Uhr

So langsam bekommt man Tränen in den Augen, die arme Mineralölindustrie...was ist den mit den erhöhten Gewinnen durch den stark angestiegenen Verkauf von Super Plus? Dieser Anstieg kam ausschließlich durch das E10. Man darf nicht vergessen, dass BP im ersten Quartal 2010 eien Nettogewinn von guten 6 Milliarden $ erzielt hat, da hält sich mein Mitleid in Grenzen...


Dieter M. Hölzel

29.08.2011 - 12:50 Uhr

So ist es, Herr Schuler, nicht nur unausgegoren, vielmehr Chaospolitik und wildes Durcheinander wohin man sieht. Hauptsache die Banken sind " gerettet " und dem Großkapital wird Geld in den Rachen gestopft. Die Bürger werden übelst abkassiert, während sich diese Politkaste ihre " Einnahmen " selber " genehmigt ", im Einklang mit den Reichen. Weder christlich noch sozial und freiheitlich, die Grünen rennen ihrer eigenen " Politik " hinter her und sind gegen alles was vier Räder hat. Eine Ansammlung ideologischer und naiver Gaukler mit fettem Ein- kommen aus dem Steuersäckel. Alleine die Diskussion über E10 und die Maut zeigt wie professionell unfähig - dies ist kein Widerspruch - alle durcheinander gackern. Denen gehört Hartz IV, aber für immer, ob in Berlin oder Brüssel. Die denken sich n u r ständig Schikanen aus, wie man die Automobil- Wirtschaft drangsalieren kann und bereiten den " Abmahnern " Tür und Tor für ihr zweifelhaftes Tun.


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