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Elektro-Autobauer: e.Go beantragt Schutzschirmverfahren

Elektro-Autobauer
e.Go beantragt Schutzschirmverfahren
Günther Schuh: "Ich bin jetzt einfach mal optimistisch."
© Foto: e.Go GmbH/Screenshot
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Das Elektroauto-Start-up hat schon einige Hürden nehmen müssen. Jetzt folgt in der Corona-Krise der nächste Rückschlag. Helfen soll den Aachenern ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung.

Der bereits vor der Corona-Krise angeschlagene Elektro-Autobauer e.Go Mobile hat ein Schutzschirmverfahren zur Rettung des Unternehmens beantragt. "Die e.GO Mobile AG stellte heute einen Antrag auf Anordnung der Eigenverwaltung beim Amtsgericht Aachen", teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Dieses Verfahren bewahrt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Das Gericht habe dem Antrag bereits stattgegeben, hieß es vom Unternehmen. Als vorläufiger Sachwalter ist der Anwalt Paul Fink der Kanzlei FRH einberufen worden.

Seit Mitte März steht die Produktion von e.Go wie bei vielen anderen Autobauern bis auf Weiteres still. Zuvor hatte das Aachener Unternehmen angekündigt, staatliche Hilfen beantragen zu wollen. Dies sei jedoch nicht möglich gewesen, da die Hausbanken bei der Finanzierung dafür Eigenanteile hätten übernehmen müssen. "Unsere überwiegend strategischen Investoren haben uns bis hierhin stark unterstützt und uns ermöglicht, als einziges Start-up in Europa einen E-Pkw in Serie auf die Straße zu bringen. Jetzt haben sie verständlicherweise andere Prioritäten", sagte e.Go-Gründer Günther Schuh

Schuh hatte zuvor auch den Elektrotransporter Streetscooter mit aus der Taufe gehoben, dessen Aus die Post zuletzt verkündet hatte (wir berichteten). Das Start-up e.Go ist seit fünf Jahren am Start. In dieser Zeit musste es bereits eine Reihe von Rückschlägen einstecken: 2017 durften überraschend keine Opel-Teile mehr verwendet werden, weil Opel an PSA verkauft wurde. Ein Jahr später erließen einige Zulieferer nach Dieselgate neue Governance Codices und kündigten einseitig bestehende Lieferverträge auf.

Ende 2019 kündigte die Bundesregierung dann die Verlängerung und Erhöhung des Umweltbonus für E-Fahrzeuge an. Der damit verbundene höhere Hersteller-Anteil belastete das junge Unternehmen zusätzlich. Nun führt die Corona-Pandemie auch noch zur Unterbrechung des Verkaufs und der Supply Chains in der Autoindustrie sowie zum Wegbrechen des Kapitalmarktes.

Weiterhin große Pläne

Schuh hat den Mut noch nicht verloren. Das Unternehmen gehe zuversichtlich in diese Phase und wolle vermeiden, Mitarbeiter zu entlassen, sagte er dem "Handelsblatt". "Ich bin jetzt einfach mal optimistisch, trotz Corona." Man verfolge weiterhin große Pläne und wolle 2021 sowie 2022 stark wachsen. Bereits im nächsten Jahr erwartet das Unternehmen einen positiven operativen Cash-Flow und rechnet zusätzlich ab dem zweiten Halbjahr 2020 mit ersten Erträgen aus einem CO2-Zertifikate-Pool

Weniger zuversichtlich ist Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: e.Go habe derzeit einen Marktanteil von weniger als einem Prozent im Markt für batteriebetriebene elektrische Fahrzeuge. "Wenn man ehrlich ist, bedeutet das, so gut wie nicht sichtbar." Nach der Krise dürften alle großen Autobauer ihre Elektroautos aufwendig bewerben, prognostiziert Dudenhöffer. "Die Sichtbarkeit von e.Go wird damit noch schwächer."

Der Aachener Elektro-Autobauer hatte 2019 seine selbst gesteckten Ziele nicht erreichen können. Statt wie ursprünglich angepeilt 1.000 Autos zu verkaufen, waren es letztlich nur 540. (dpa/rp)

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