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Fahrbericht BMW X6 II: Alleine unter sich

Auch die zweite Generation des Crossover ist unter den großen SUV-Coupés noch ohne Rivalen.
© Foto: BMW

Die zweite Generation des Crossover ist unter den großen SUV-Coupés noch ohne Rivalen. Ein Vorsprung auf Zeit, den der neue X6 in Sachen Design, Dynamik und Ausstattung überzeugend ausgebaut hat.


Datum:
21.10.2014
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Von Alexandra Felts/SP-X

Vielleicht wollte die Konkurrenz aus Stuttgart oder Ingolstadt einfach abwarten, wie diese zunächst kuriose Vermählung zwischen Geländewagen und Coupé beim Publikum ankommt? Sechs Jahre und 260.000 Einheiten später darf man getrost feststellen, dass der BMW X6 ein Bestseller wider Erwarten ist. Er findet seine Fangemeinde aber vor allem in den USA und in China. Jetzt hat BMW die zweite Generation des Crossover vorgestellt, die Anfang Dezember bei den Händlern stehen wird. Das gereifte Design hat unter anderem dem Heck viel von seiner früheren Wucht genommen. Das SUV mit der Dachlinie eines Coupés startet Anfang Dezember mit drei Motoren, dem Benziner xDrive50i mit 4,4-Liter und V8-Biturbo, dem besonders in Europa populären Diesel xDrive30d und dem gleich dreifach aufgeladenen Topmodell M50d. Der neue X6 wird mit Preisen ab 65.650 Euro (für den kleinen Selbstzünder) und 87.300 Euro für den Triturbo angeboten.

Über die soziale Akzeptanz dieses BMW mag zwar noch diskutiert werden. Aber wenn man die Gelegenheit bekommt, mit dem X6 einmal durch die engen Kurven eines Rundkurses zu jagen oder ihn alternativ den landschaftlichen Schikanen eines Offroad-Parcours auszusetzen, dann verblüfft er beide Male mit Eigenschaften, die so vielleicht auch viele seiner Käufer von diesem Mix aus Design und Unvernunft  nicht erwartet hätten. Dass sich diese hoch aufbauten 2,2 Tonnen (21 Zentimeter Bodenfreiheit) kompakt, nahezu ohne Schwanken, mit schnellen Richtungswechseln steuern lassen, verdankt sich nicht nur der Allradtechnologie xDrive, die er vom X5 übernommen hat.

Neben dieser serienmäßigen variablen Kraftverteilung zwischen den beiden Achsen, gibt es für den neuen X6 eben auch eine Reihe von Fahrwerkspaketen, die beispielsweise mit optionaler Wankstabilisierung oder der Hinterachsluftfederung dem Riesen tatsächlich den sportlichen Hauch eines Coupés verleihen. Sowohl der xDrive50i mit seinem Drehmoment von 650 Nm und das Topmodell M50d mit gesteigerten 740 Nm standen für die schnellen Runden zur Verfügung. Bei beiden Hochleistungstriebwerken beeindruckt wie immer bei BMW das flüssig kraftvolle Zusammenspiel mit dem Getriebe, in diesem Fall die überarbeitete Achtgangautomatik Steptronic Sport.

Offroad-Testparcours bestanden

Die Ingenieure haben den Crossover aber nicht nur auf vorwärts treibende Dynamik ausgelegt. In einem kleinen Offroad-Testparcours, gespickt mit den typischen Verschränkungen, Schrägfahrten und steilen Auf- und Abfahrten, konnte der X6 ebenfalls beweisen, dass mehr in ihm steckt, als das Potenzial, ein exklusives Skiresort zu erreichen. Über das zentrale Menü lässt sich in diesen nicht-alltäglichen Situationen verfolgen, wie die Vernetzung von klassischer Allradtechnik und diversen elektronischen Traktionstechnologien diese Herausforderungen meistert, sei es sich Richtung 40 Grad zu neigen oder mit einem Rad in der Luft dennoch die Kräfte so zu steuern, dass der Koloss weiter klettern kann.

Diese Erlebnisse dürften aber auch bei den sportlich ambitionierteren X6-Kunden eher die Ausnahme sein. Dafür zeigte der Crossover bei ersten Testfahrten rund um Spartanburg weshalb er so erfolgreich ist. Im Werk im US-Bundesstaat South Carolina werden bis auf den X1 alle anderen der wachsenden xDrive-Familie gebaut. Auch der kommende Gigant X7, der vor allem in den USA eine Lücke schließen wird, soll natürlich hier montiert werden. Derzeit werden jährlich rund 360.000 Einheiten hier im Herz der Südstaaten produziert. Mit einer geplanten Kapazität von 450.000 wird die Fabrik am Rande der Kleinstadt zur größten Fertigung BMWs aufsteigen.

Alleinstellungsmerkmal im Design

Im Umfeld des American Way of Drive wirkt das knapp unter fünf Meter lange Fahrzeug längst nicht so auffällig wie in der Alten Welt. Auf Straßen, die sich der X6 mit den massigen SUVs und Pick-Ups teilt, wird die coupéhafte Form eher noch betont. Und auch das fällt auf: mit diesem Design besitzt BMW noch ein Alleinstellungsmerkmal. Das wird sich ab 2015 ändern, wenn mit Mercedes-Benz der erste Konkurrent einen SUV mit abgeschrägtem Dach vorlegt.

Beim X6 schwingt diese distinktive Dachlinie jetzt dynamischer zum Heck ab, wobei auch das Kunststück gelungen ist, dass in dem Fünfsitzer tatsächlich auch Erwachsene im Fond etwas komfortabler sitzen. Neben der Effizienz der leistungsgesteigerten Motoren, die laut BMW Einsparungen bis zu 22 Prozent bringen, trägt auch das Design bei aller Extravaganz seinen Teil zur Wirtschaftlichkeit bei. Veränderte Formen der Heckleuchten beispielsweise, eine optimierte Abrißkante sowie neue seitliche Öffnungen, welche die Luft ohne Verwirbelungen an den Vorderrädern (serienmäßig 19-Zoll) vorbeiführen, sind quasi als ästhetische Sparmeister gestaltet. 

Im Interieur herrscht gehobene sportlich Eleganz und die eher horizontale Linienführung wie man sie von BMW kennt. Wem das nicht genug ist, der kann für über 4.000 Euro das Designpaket Pure Extravaganz mit zweifarbigem Leder und Holzfurnieren aus amerikanischer Eiche bestellen. Der Kunstbegriff Sports Activity Coupé im Gegensatz zum Sports Utility Vehicle mag zwar einst im Marketing von BMW ersonnen worden sein. aber bei dieser zweiten Generation ist das widersprüchliche Konzept aufgegangen.


BMW X6 (2015)

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