Kabinett: Begleitetes Autofahren ab 17 wird Dauerrecht

04.08.2010 12:45 Uhr
Führerscheinneulinge sollen künftig generell vom Erfahungsschatz älterer Autofahrer profitieren können.

Verkehrsminister Ramsauer erhofft sich von dieser generellen Neuregelung ab 2011 mehr Sicherheit auf den Straßen und weniger Verkehrsopfer. Vom Mopedführerschein mit 15 hält der CSU-Mann dagegen wenig.

Was seit 2004 in den Bundesländern in Modellversuchen erprobt wurde, soll vom 1. Januar 2011 an bundesweit und auf Dauer gelten: das "begleitete Autofahren mit 17". Das Bundeskabinett machte dazu am Mittwoch den Weg frei.

Junge Leute sollen sich nach bestandener Fahrprüfung künftig also schon zu ihrem 17. Geburtstag ans Steuer setzen können, wenn ein Erwachsener danebensitzt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erwartet davon "eine sehr positive zweiseitige pädagogische Wirkung", auf den Fahranfänger wie auf den Beifahrer. Begleiter eines Anfängers darf nur sein, wer selber den Führerschein besitzt, mindestens 30 Jahre alt ist und nicht mehr als drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei angesammelt hat.

Von der Neuregelung, der noch Bundestag und Bundesrat zustimmen müssen, erhofft sich Ramsauer insgesamt weniger Verkehrsunfälle und Verkehrsopfer. Bei den Modellversuchen zum Führerschein mit 17 habe sich gezeigt, dass Fahranfänger in der Begleitphase wesentlich seltener (22 Prozent) Unfälle auslösen und die Zahl der registrierten Verkehrsverstöße um ein Fünftel niedriger lag als in der Vergleichsgruppe der nicht-begleiteten und nur wenig älteren Fahranfänger.

Der Minister zeigte sich zuversichtlich, dass in diesem Jahr die Zahl der Verkehrstoten weiter sinkt. Es gebe nach den ersten fünf Monaten "berechtigte Hoffnung", dass die Marke von 4.000 unterschritten werde. Dies wäre der niedrigste Stand seit 1949. 2009 wurden 4.152 Verkehrstote gezählt. 1970 ließen allein auf Straßen der "alten" Bundesrepublik 21.300 Menschen ihr Leben.

"Enormer Gewinn für die Verkehrssicherheit"

Für ADAC-Vizepräsident Ulrich Becker ist das begleitete Fahren ein "enormer Gewinn für die Verkehrssicherheit". Noch immer seien die 18- bis 24-Jährigen "die größte Problemgruppe" im Straßenverkehr. Bei einem Anteil von 8 Prozent an der Gesamtbevölkerung seien sie als Autofahrer zu 30 Prozent an Unfällen mit Getöteten beteiligt. Wegen mangelnder Fahrpraxis unterliefen ihnen viele Fehler, zudem schätzten sie sich und Gefahrensituationen häufig falsch ein. Der Präsident der Deutschen Verkehrswacht, Ex-Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig, nannte den Führerschein mit 17 "die erfolgreichste Maßnahme zur Reduzierung des Unfallrisikos junger Fahrer, die es in der Bundesrepublik je gab".

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