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HB ohne Filter: Das Autojahr 2021

© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Was bewegt die Kfz-Branche im neuen Jahr? AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat beleuchtet in seinem aktuellen Wochenkommentar die zentralen Aspekte.

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Datum:
15.01.2021

3 Kommentare

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Das Autojahr 2021

Braucht es da noch Beweise? Der Dezember 2020 schlug mit 311.394 Neuzulassungen zu. Ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2019. Wie erfreulich, die Privatkunden sind markant dabei. Die Mehrwertsteuersenkung war für das Auto-Gewerbe ohne Frage wirkungsvoll. Einen Dank an die politischen Weichensteller. Eine Fortsetzung wäre im Interesse mittel- bis langfristiger Wirkung gut gewesen. Neben der auslaufenden Mehrwertsteuersenkung hat zum Dezember-Highlight auch die Verschärfung der Abgasnorm 6d-ISC-FCM (Fuel Consumption Monitoring System) ab Januar 2021 beigetragen.

Das E-Auto

Reine Elektroautos wurden im Dezember 43.671, Hybride 81.108 zugelassen. Im Gesamtjahr 2020 wurden 192.000 reine E-Autos zugelassen. Dem entspricht ein E-Auto-Marktanteil von 6,7 Prozent, hinzu kommen die Plug-in-Hybride mit 6,9 Prozent Marktanteil. Ob man damit bereits wie es VDIK-Präsident Reinhard Zirpel tut, vom Durchbruch der E-Mobilität sprechen kann? Schwacke machte neulich auf dem AUTOHAUS-GW-Kongress deutlich, dass zwei von drei Handels-, Hersteller- oder Vermietzulassungen BEV/PHEV noch keinen Endkunden gefunden haben. Und Conti stellte in einer neuen Studie klar, dass 59 Prozent der Kaufinteressenten ein E-Auto zur Stunde für sich ausschließen. Gründe dafür sind die Verfügbarkeit von Ladestationen, kurze Reichweiten und der hohe Preis ohne Prämien. Tesla wird dann mit der Eröffnung des neuen Werks in Grünheide 2021 zeigen, wo der E-Hammer hängt. Es sei beiläufig erwähnt, dass im benachbarten neuen Berliner Flughafen BER von 17.000 Auto-Stellplätzen zehn mit einem Ladeanschluss ausgestattet sind. Typisch Berlin! Die Berliner Zulassungsmalaise mit 30 Tagen Wartezeit sei ebenso erwähnt. Schon wieder: Typisch Berlin!

Permanentes Feinjustieren

Nun zeigt der verlängerte zweite Lockdown seit November 2020 spezielle Wirkung. Die Verkaufsräume sind inzwischen bis auf das Bundesland Thüringen "zugenagelt"! Und doch, dank Internet ist Telefon- oder Onlineverkauf möglich. Januar und Februar sind Jahr für Jahr keine verkaufsstarken Monate. Die Corona-Überbrückung kann nun über Resturlaub oder vorgezogenen Urlaub pariert werden. Homeoffice ist für bestimmte Mitarbeiter eine weitere Variante und abermalige Kurzarbeit eine weitere Möglichkeit. Wann gab es die Möglichkeit, in diesen Monaten quasi 70 Prozent der Personalkosten staatlich zu verlagern? Die fehlenden 30 Prozent für die Mitarbeiter könnten nachträglich über Sonderprämien aufgefüllt werden.

Konjunkturelle Entwicklung

Einschlägige Ökonomen, unter anderem der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, halten einen Aufschwung trotz Lockdown im Frühjahr für möglich. Drei bis fünf Prozent Wachstum werden für das Gesamtjahr prognostiziert. Das erste Quartal wird mit einem Minus ausfallen. Mögliche Corona-Lockerungen Ende Februar und dann im wichtigen Automonat März würden einen Aufschwung begünstigen. Es gibt zurückgestauten Konsum sowie eine hohe Sparquote. Das wird positive Wirkung zeigen. Ebenso der für 90 Prozent der Arbeitnehmer ausgelaufene Soli.

Marktprognose 2021

Für den automobilen Gesamtmarkt 2021 werden 3,15 Millionen Neuwagen prognostiziert und 7,1 Millionen Besitzumschreibungen. Das sind für 2021 durchaus positive Wachstumszeichen. Weitere Belebung: Über 100 neue Modelle werden in 2021 aufgelegt. Auch sie schaffen und bringen frisches Blut ins Marktgeschehen. Darunter werden zahlreiche neue E-Modelle sein. Das große, mittelfristige Ziel, den CO2-Ausstoss von Neuwagen zu halbieren wird ohne namhafte Ökostrom-Elektrifizierung nicht möglich sein. Bis 2030 sollen von 47 Millionen Pkw auf deutschen Straßen 15 Millionen E-Fahrzeuge inkl. Plug-in-Hybride fahren. Die Branche ist gehalten diesen Markt aktiv zu gestalten und die Interessenten bis hin zur Förderung von privaten E-Ladestationen von 900 Euro aktiv zu beraten. In Sachen E-Gebrauchtwagen sind noch einige Fragen zu klären. Wer trägt das Restwertrisiko? Wie geht man mit gebrauchten E-Fahrzeugen fremder Marken um? Wie mit fachgerechter E-Batterieentsorgung u.a.?

Ladefaulheit überwinden

Eine EU-Verordnung verpflichtet seit Januar 2021 die Hersteller zu FCM (s.o.). Das bedeutet, die Hersteller haben in Neufahrzeugen ein Gerät einzubauen, das den realen Verbrauch eines Fahrzeuges fortlaufend genau misst und festhält. Damit ließe sich dann die Ladefaulheit bei diversen Plug-in-Hybridfahrer messen, die ausschließlich von der 0,5 Prozent-Regelung bei der Dienstwagenbesteuerung profitieren wollen.  Eine weitere Möglichkeit wäre Geofencing. Damit würde künftig beim Einfahren in eine Umweltzone die Umschaltung von Verbrenner- zu Elektromodus automatisch erfolgen. Man will und wird den Prämien-Abstaubern beim PEHV politisch Beine machen. Ab 2022 muss die Mindestreichweite bei PHEV mindestens 60 Kilometer, ab 2025 80 Kilometer betragen. Echte km? Für das E-Kennzeichen braucht es aktuell 40 Kilometer.

Ein weiterer Fortschritt sei vermeldet. Die erneuerbaren Energien - Ökostrom - stellten 2020 49,3 Prozent des Stroms im deutschen Netz! Es sei ferner zum E-Auto noch an dieser Stelle vermerkt, dass das Fraunhoferinstitut in der Studie "Beschäftigung 2030" zum Ergebnis kommt, dass die Jobverluste durch Elektrifizierung weitaus geringer ausfallen als in anderen globalen Studien prognostiziert wird. Man ging hier in der Analyse nicht nur von der Anzahl der Teile aus, sondern verglich Zeit und Personal bei der Herstellung des E-Fahrzeugs ID3 gegenüber dem Verbrennermodell Golf 8. Ergebnis: Die Differenz fällt minimal aus.

Autonomes Fahren - Level 3

Hersteller arbeiten mit mehr oder weniger Erfolg an neuen Mobilitätskonzepten. Man lässt vielfach außer Betracht, ob der Kunde Offenheit oder gar Akzeptanz für eine neue Lösung hat? Das Neue bedeutet oftmals Verhaltensveränderung. Und da tun wir Menschen uns bekanntlich besonders schwer. 2021 kommt der Durchbruch der Level-3-Fahrfunktionen. Die gegenwärtige Technik, - Park-, Brems- und Spurhalteassistenten - bewegt sich auf Level 2. Es kommt jetzt neu der Spurwechsel hinzu. Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen (UNECE) ermöglicht ab 22. Januar 2021 für den internationalen Straßenverkehr das hochautomatisierte Fahren auf Level 3. Das gilt auch für Tesla. Im ersten Schritt ist nun eine Geschwindigkeit von 60 km/h erlaubt. Deutsche Hersteller benötigen dafür die Zulassung des Kraftfahrt-Bundesamtes. 2022 soll dann das Bundesgesetz für autonomes Fahren vorliegen. Wer heute Level 2 erwirbt, wird dann 2022 Level 3 gegen Aufpreis Over-the-Air freischalten können. Die klassischen Automobilhersteller werden unabhängig davon genau hinschauen, was Amazon ab 2022 ff. mit seinem autonomen Taxi ZOOX auflegen wird. Bis wann wird das Apple-Auto kommen? 2025?

Chinesische Offensive

Sicher ist, chinesische Automarken werden sich künftig in Europa offener positionieren. Da werden nicht alle wie Polestar, Euronics oder Aiways auf Direktvertrieb setzen. SAIC hat 2007 die Marke MG übernommen und dringt nach Norwegen nun weiter auch nach Österreich (Denzel-, Emil Frey-Gruppe) vor. Ob MG in Deutschland auf Dauer Mitsubishi ersetzen wird?

"Stellantis" =  Peugeot + FCA

Die Fusion zwischen Peugeot und FCA wird nach der nun vorliegenden EU-Zustimmung im April in der Holding Gesellschaft "Stellantis" zusammengeführt werden. Damit kommen unter dem neuen Konzerndach sage und schreibe 14 Marken zusammen. Stellantis wird mit 8,7 Mio. produzierter Fahrzeugeinheiten p.a. in Zukunft der viertgrößte Automobilhersteller der Welt sein. Wie viele Kräfte werden da bei Peugeot und Fiat auf Jahre hinaus gebunden sein, um nur den kulturellen Verbund Frankreich – Italien – Amerika – Deutschland möglich zu machen? Sie werden sich über Jahre mit sich selber beschäftigen. Die "Hochzeit im Himmel" zwischen Daimler und Chrysler (1998) sitzt noch tief in der Vorstellungswelt. Was eben Vernunftehen so auszeichnet. Sind solche Gigyfactories überhaupt noch zu managen? Dagegen wirken Tesla, Apple oder Amazon mit ihrer Konzentration auf die Wünsche der Kunden und ihren einfachen und vernetzten Strukturen als lockere Veranstaltung. Aus Distanzsicht sei die Frage erlaubt, braucht man auf der Welt 1.400 unterschiedliche Automodelle? Oder auch hunderte Fahrzeugfabriken?

Hersteller-/Händlerbeziehung

Der letzte MarkenMonitor 2020 von IfA stellte in 38 Kriterien allenfalls in der Rubrik Produkt und Marke eine relativ befriedigende Händlerzufriedenheit fest. Die Vertriebspolitik, die Netzpolitik, die Bereiche Gebrauchtwagen und Aftersales erhielten rundweg absolut nicht hinnehmbare Zufriedenheitswerte. Klare Feststellung: die Hersteller distanzieren sich nach und nach vom Handel und favorisieren über diverse Kanäle immer mehr den Direktvertrieb.

Eine Gesamtumsatzrendite von 1,4 Prozent in 2019, die bei mindestens 2,5 Prozent liegen sollte, unterstreicht die Unruhe im Markenhandel. Kulminationspunkte sind dann erreicht, wenn Hersteller/Importeure nicht mehr bereit sind, mit dem jeweiligen Händlerverband zu sprechen. Oder schaut man hinter die Kulissen, verlagern diverse Hersteller-Importeure mögliche Strafzahlungen aufgrund der CO2-Vorgaben über Bonikürzungen rigoros auf die Händlerschaft. 2020 hat nicht nur coronabedingt, sondern über massive interne Kostensenkung in Form von Personalabbau im Zusammenwirken zwischen Hersteller und Handel zu qualitativen Verwerfungen geführt. Beispiel: Wer bei Opel bislang für die Netzpolitik verantwortlich ist, hat nun die Netzbetreuung für Peugeot mit zu übernehmen. Wer bislang bei Peugeot als KD-Außendienst unterwegs war, hat nun die auf der Strecke liegenden Opel-Händler mit zu betreuen. Welche qualitativen Kulturbrüche?! So lässt sich keine fundierte Partnerschaft gestalten. Klare Erkenntnis: Es fehlt den Herstellern und Importeuren vielfach an Wertschätzung und Respekt für den autorisierten Handel! Auch diese Feststellung sei getroffen, dass die Maßnahmenpakete der Hersteller/Importeure beim ersten Lockdown umfassender als die aktuellen ausfielen.

Der Gerichtsprozess, den aktuell die Opel-Händler führen, zeigt Willkürmaßstäbe, die jegliche Planungssicherheit beim einzelnen Opelhändler verhindern. Opel und das bei diesem überschaubaren Marktanteil. Man stand einst bei 19 Prozent und ist seit der Übernahme durch Peugeot von sieben Prozent auf unter fünf Prozent gesunken. Der neue Peugeot-Charme aus Paris wird auch dafür sorgen, dass die FCA Germany AG in der Hanauer Landstraße in Frankfurt künftig für neues Leben in der Opel-Peugeot-Zentrale in Rüsselsheim sorgen wird. Vielleicht wird dann wieder der Rasen am historischen Opel-Zentraleingang gemäht und die Fenster mal wieder geputzt. Soviel zu den Standard-Vorgaben für fremde Dritte!

Klare Maßstäbe - Peugeot-Urteil 2020!

2021 ist in II. Instanz das Peugeot-Urteil beim Kartellgericht in Wien zu erwarten. Was dem ZDK in 35 Jahren bis heute nicht gelungen ist, hat dort der Peugeothändler Büchl in erster Instanz erreicht. Das Gericht testierte Peugeot Österreich Machtmissbrauch. Mystery-Shopping hat der Hersteller zu bezahlen, Garantie-Stundenverrechnungssätze müssen mindestens kostendeckend sein, ebenso die Rückerstattung der Teile. Ferner geht es um die Bezugspflicht bei CI-Installationen u.a. Ich habe das Urteil an dieser Stelle am 29.5.2020 eingehend kommentiert. 2021 werden nun dazu in Wien gewichtige, endgültige Würfel fallen. Sie werden europaweite Wirkung erhalten. Es wäre ein großes Stück Befreiung aus der Knechtschaft. Die markengebundenen Händler würden künftig wieder unternehmerisch freier atmen können.

Die NW-Rendite-Malaise

Die Hauptmalaise für die unzureichende Rendite im Autohaus geht auf das süße Gift der Rabatttitis im Neuwagengeschäft zurück. Rabattkönig Dudenhöffer hat in "carwow" und "meinauto.de" dezidierte Nachfolger gefunden. Sie drucken beispielsweise in Heft 2-2021 von ams auf sieben Seiten ab, bei welchem Modell es jeweils die höchsten Rabatte gibt. Verbrenner enden bei 35 Prozent, E-Autos bei 47 Prozent. carwow schreibt auf seiner Homepage..."denn wir helfen den Autohäusern schnell und effizient viele Autos zu verkaufen". Das Beispiel zeigt abermals, wie ausschließlich preisgetrieben viele Onlinebörsen agieren. Sie vermitteln Neufahrzeuge von Markenhändlern und führen nun deren Spitzenrabatte, die sie von denen mit gezielter individueller Unterstützung der mengengetriebenen Hersteller erhalten, öffentlich vor. Sie schaffen so bei den Käufern eine Preisvorstellungswelt, die in 99 Prozent der Fälle völlig realitätsfremd ist. Ein normaler Händler hat nie und nimmer 45 Prozent Marge an einem E-Fahrzeug! Der Hintergrund: Da werden vielfach ganz große Händler über entsprechende Abnahmemenge seitens der Hersteller mit Margen bedient, die voll zu Lasten der übrigen 99 Prozent der Händlerschaft gehen. Das ist eine verdeckt-raffinierte Form des Direktvertriebs. Welch untragbare Geldvernichtungsmaschine! Ein konsequentes Franchisesystem im Vertrieb soll diese untragbare Exzesse künftig auf ein erträgliches Mittelmaß zurückführen. Ne quid nimis, sagt der Lateiner. Nichts im Übermaß. Das Margen-Maß ist übervoll!

Der schweigende Sektor: Teilepreise!

Es sei an dieser Stelle auch die Preislandschaft im Teilesektor angesprochen. Die Originalteilepreise sind je nach Teileart in den vergangenen sieben Jahren zwischen 35 und 55 Prozent gestiegen. Jeder weiß, dass Identteile mit Originalteilen absolut bau- und funktionsgleich sind, aber als Identteil im Schnitt um rund 30 Prozent und mehr billiger sind. Unabhängig davon, dass der Kunde oftmals den ganzen Scheinwerfer oder den gesamten Klimakompressor kaufen muss, obwohl nur die Halteklammer defekt ist. So schafft man Kundenzufriedenheit, die der Hersteller/Importeur verursacht. Aber immer zu Lasten der Händlerschaft, die die überzogenen Teilepreise dem Kunden gegenüber umzusetzen hat. Wundert es, dass auch darin die Ursache liegt, weshalb mancher Autofahrer der überteuerten Markenwerkstatt den Rücken kehrt und zum Hauptwettbewerber, der freien Werkstatt wechselt?

Am 2. Dezember 2020 ist das "Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs" in Kraft getreten. Damit wurde eine Reparaturklausel eingezogen. Die Automobilhersteller erhielten damit für bestehende Rechte aus eingetragenem Design für alle Fahrzeuge vor dem 2. Dezember Bestandsschutz. Teilemonopol der Hersteller! Das bedeutet, echter Teilewettbewerb kommt dem Autofahrer erst mittel- bis langfristig für die neuen Fahrzeuge ab 2. Dezember 2020 zu Gute. Hersteller-Pfründesicherung!

GVO 2022-2023

2021 werden auch europaweite Weichen für die künftige Vertriebspolitik gestellt. Es geht um die Fortsetzung der GVO 2022 bzw. 2023. Wird es weiterhin eine übergeordnete oder wieder eine kfz-spezifische GVO geben oder überhaupt keine GVO mehr? Da sind sämtliche Handelsverbände wie die Händler selbst gefordert.

ZDK-Politik

Im Dezember legte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski das Konzept für das ZDK-Leitbild 2030 vor. Darin will der ZDK die Zukunftsfähigkeit der Kfz-Betriebe als Mobilitätsanbieter und -dienstleister sichern und innovative Konzepte und Dienstleistungen entwickeln und liefern. Dazu gehört beispielsweise die Kfz-Zulassung im Autohaus. Man darf da gespannt sein, welchen Beitrag seitens der Kfz-Landesverbände in der Umsetzung geleistet wird. Das "Hinterzimmer" des Bayerischen Landesverbandes möchte beispielsweise dabei nicht nur über formalistische ZDK-Vorstandsanliegen glänzen, sondern in der praktischen Umsetzung sich als Vorbild präsentieren, da man über seine sieben großen Innungen ganz nahe am einzelnen Mitgliedsbetrieb dran ist. Ich hab in meinem Kommentar am 23. Oktober 2020 die Anforderungen an den ZDK im Detail aufgelistet. Da spielt dann auch das Thema "Daten", Direktvertrieb, digitale Prozesse  u.a. eine entscheidende Herausforderung. Es sei hier bewusst ein Link gesetzt, der darstellt, welche Fördergelder es für Beratung von Digitalisierungsmaßnahmen, also Prozessdigitalisierung gibt. Frau Annegret Heine-Frick hat die Übersicht für unsere Leser in einem PDF zusammengestellt.

Brancheninsolvenzen

Da gibt der Kfz-Landesverbandspräsident von Baden-Württemberg Michael Ziegler der "Stuttgarter Zeitung" ein Branchen-Interview und die Zeitung setzt als zentrale Aussage darüber: "Vielen Autohändlern droht die Insolvenz".

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Das ist keine kluge Headline, weil sie die gesamte Branche unter bankrottösen Generalverdacht stellt. Und das im Postleitzahlkreis 7! Außerdem ist die Überschrift inhaltlich falsch. Wenn es heißt "vielen Autohändlern droht die Insolvenz", müsste das ja zumindest die Mehrheit der Händlerschaft sein, und das wird ganz sicher nicht der Fall sein. Für 2020 ist trotz Corona in unserer Branche keinerlei Insolvenzwelle auszumachen. Das ist Faktum! Viele Autohäuser, vor allem Familienbetriebe, haben doch 2020 mit viel Kreativität, Flexibilität, enormem Fleiß, aktiver Kosten- wie Mietreduzierungen und Kundennähe die schwierige Corona-Situation gemeistert und eine hohe Widerstandsfähigkeit (Resilienz) bewiesen. Es mögen die kleineren Betriebe der Branche im Einzelnen unbedeutend sein, aber in der Summe sind sie eben bedeutend. Sie leben Kundenzentrierung am Intensivsten und haben ihre Leistungsdominanz i.d.R. im Service. Die Autobranche ist in der glücklichen Lage, ein Gewerbe gestalten zu können, in dem Konsum nachgeholt werden kann. Das wird 2021 der Fall sein. Die Frage ist, ab wann?

Ja, es hat gewiss Kfz-Betriebe, die schon vor Corona Liquiditäts- und Rentabilitätsprobleme hatten. Wie auch eine gewisse Marktbereinigung ganz normal ist. Wie viele Kfz-Betriebe aber 2021 tatsächlich von einer Insolvenz betroffen sein werden, ist absolut spekulativ. Aus meinen Gesprächen mit den Autospezialbanken weiß ich, dass dort ganz gezielt proaktives Krisenmanagement für die Partnerbetriebe praktiziert wird. Und das mit Erfolg. Damit der Humor im neuen Jahr nicht zu kurz kommt: Sagt der Chef zu seinem Lehrling, heute Nachmittag gehen wir um 14 Uhr zum Amtsgericht Konkurs anmelden, damit du das auch einmal gelernt hast. Es gibt ja einschlägige Fälle, die dann morgen auf der anderen Straßenseite wieder ein neues Geschäft eröffnen. Dennoch, wer in dieser schwierigen Situation stecken sollte, kann auch da profunde Hilfe zur Restrukturierung erfahren. Hier der Link von Annegret Heine-Frick. Sie stellt auch die aktuelle Situation der Insolvenzanmeldepflicht dar, die vom Gesetzgeber zum 31. Dezember 2020 beendet wird.

Januar und Februar sind alljährlich nicht die starken Verkaufsmonate. Aber der umsatzstärkste Monat ist März, sprich, dort müssen im Autohandel die Verkaufstüren wieder aufgehen. Dann haben wir von November bis einschließlich Februar vier Lockdownmonate bereits hinter uns. Das reicht!! Über vier Monate Lockdown, da kommt auch mancher Unternehmer mental an seine Belastungsgrenzen. Das Überangebot an verkaufswilligen Kfz-Betrieb-Betreibern belegt das. Wobei der Verkauf eines Autohauses zur Stunde wirklich nicht der beste Zeitpunkt ist. Im Klartext, sollte ein dritter Lockdown trotz Fortschritte beim Impfen Realität werden, wird abermals verändertes Krisenmanagement notwendig werden.

Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe setzt einmal mehr die richtige Diktion für das neue Jahr: "Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!" Wenn du gerne tust, was du tust, wirst du auch erfolgreich sein.

Schöne Bescherung - Weihnachtspost

Für all die guten Wünsche zu Weihnachten und zum Jahreswechsel sage ich ganz herzlichen Dank! Sie fielen sehr zahlreich, vielfältig und originell aus. Lassen sie mich abschließend der Weihnachts-ZEIT noch ein paar besondere Zuschriften aufzeigen.

Maria Grazia Davino, CEO der FCA Germany AG, wurde an dieser Stelle vor Weihnachten als Auto-Top-Managerin des Jahres 2020 besonders gewürdigt. Sie schreibt uns: "Ich danke Ihnen für diese besondere Anerkennung, die ich als Bestätigung meiner Methode empfinde, dem Zusammenwirken aus Wissenschaft und Kunst, die ich täglich seit Jahren voller Hingabe in meiner Arbeit angewendet habe. Ich danke Ihnen sehr und bin dankbar gegenüber meinen Händlern und meinem Team. Lassen Sie uns weitermachen. Die Zukunft ist jetzt so wichtig."

Maria Grazia Davino, CEO FCA Germany AG

Maria Grazia Davino hat bereits 2020 über mehrere Videobotschaften an ihre Händlerschaft großes Branchenecho bewirkt. Am 14. Januar 2021 hat sie einmal mehr einen ihrer besonderen Leucht- bzw. Aussichtstürme gesetzt. In goldenem "Outfit" . "Ihr Händler seid mein Gold!" Welch eine Aussage! Und das aus dem Hause Fiat?! Welche Töne? Und sie sprach ganz bewusst alle ihre Händler an. Welcher Manager in vergleichbarer Position stellt sich in solch unsicheren Zeiten so mutig mit seiner Botschaft in freier Rede gleich vor die gesamte Branche? Und das mit dieser Wertschätzung und diesem Respekt vor dem Alltag im Händlerbetrieb?

Davino setzte zwei zentrale Botschaften: Trotz Unsicherheit, trotzdem, dass wir nur auf Sicht fahren können, wir sollten das möglich machen, was möglich ist. Die zweite Botschaft, die sich durch all ihre Aussagen zog: Auto und Autoverkauf ist gelebte Emotion. Lebt jeden Tag Emotion. Hierzu setzte sie ein klares Ja zum Produkt Auto! Es hat Zukunft. Sprich der Händler hat Zukunft. Sie setzte damit zugleich ein klares Ja zur Freiheit rund um das Auto. Besonders in Coronazeiten. Habt Freude am Autoverkauf. Im Januar und Februar gilt es aktiv über Telefon oder E-Mails Bestandskunden zu akquirieren, deren Finanzierungs- oder Leasingverträge zweieinhalb und mehr Jahre ausweisen und jetzt ganz gezielt mit einem neuen Folgemodell begeistert werden. Ferner gelte es, Gewohnheiten zu hinterfragen. Warum kommt der Kunde überhaupt zu uns ins Autohaus? Kostendisziplin beibehalten. Für die anstehenden Monate übernimmt der Staat 70 Prozent des Kurzarbeitergeldes. Die fehlenden 30 Prozent können später in besseren Zeiten in Form von Prämien nachgezahlt werden. Sie hofft, dass sich der zweite Lockdown mit dem nächsten Räderwechsel bzw. Ostern auflöst. In einer einwöchigen digitalen Konferenz will die FCA-Chefin für die einzelnen Marken die Vertriebsaktionen, Unterstützungspakete und Netzentwicklung vorstellen.

Die Live-Präsentation, in sehr guter deutscher Sprache, ohne ein "ä" oder "a" gehalten, möge die getroffenen Aussagen belegen.

Maria Grazia Davino hat mit der FCA-Organisation 2020 das früh im Jahr 2020 gesetzte Marktziel von drei Prozent Marktanteil erreicht. Mit 89.150 Einheiten waren es 3,1 Prozent Marktanteil. Neben Tesla war FCA die einzige Marke, die in 2020 auf dem deutschen Markt zugelegt hat. Welch eine Leistung! In ihrem Video macht Maria Grazia Davino abermals deutlich, was Herzenssprache in der Businesswelt ist und bewirken kann. Gelebte Emotion! Nachdem sie neben italienisch, deutsch, englisch auch noch sehr gut französisch spricht und als Top-Managerin über besondere Leadership-Qualitäten verfügt, wäre es nicht verwunderlich, dass sie im Rahmen von "Stellantis", sprich den Peugeot-FCA-Verbund, ab April für höhere integrierende Aufgaben berufen würde. Sie könnte das!

Andreas Muthig, Geschäftsführer von Beresa,Münster, meldet sich mit einem besonderen symbolischen Aufhänger, dem Faktor ZEIT. Herr über seine Zeit ist, wer sie einzuteilen vermag. ZEIT, zu schweigen, zu lauschen, in sich zu gehen.

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Oliver Bohn, Geschäftsführer von Kuhn & Witte in Jesteburg, schickte mir ein Exemplar des Kochbuches, in dem Mitarbeiter ihre Lieblingsrezepte für ihre Kunden in origineller und farbiger Gestaltung in Buchform darstellten. Motto: "Mit uns schmeckt's besser!" Zwei Rezepte habe ich mit Freuden und Erfolg ausprobiert: Spätzle-Hack-Pfanne mit Wirsing und Omas perfekte Pfannkuchen.

© Foto: Privat

Burkhard Weller, Geschäftsführer Wellergruppe SE, Berlin glänzte mit einem Weihnachtsvideo für die Mitarbeiter, das er zusammen mit seinen Geschäftsführerkollegen produzierte.

Der Weihnachts-Hammer kam von Andreas Peter, Geschäftsführer Petergruppe Nordhausen. Daimler hat ein Grundvideo vorbereitet, in das über eine spezielle Software der Kundenname einzugeben war. Schauen sie hier, wie wirkungsvoll und personalisiert das ausfällt. Hier ist der Daimler-Slogan wirklich angebracht: Das Beste oder nichts! Klasse gemacht. So kann man Weihnachten wirklich Jahr um Jahr optimieren!

Spruch der Woche:

"Die Weisheit der Esel: Ruhe finden in einer chaotischen Welt." (Andy Merrifield)

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen zum neuen Jahr!

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 22. Januar 2021!


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KOMMENTARE


Erwin Wagner

15.01.2021 - 15:59 Uhr

Vielen Dank für diese Rundumsicht, die alt bekannte aber immer wieder aktuelle Botschaft lautet: Packen wir es an! Dazu wünsche ich allen gutes Gelingen.Erwin Wagner, mdw* Marketing


Derek Finke

18.01.2021 - 11:29 Uhr

Lieber Prof. Brachat, vielen Dank für den ebenso kritischen wie optimistischen Beitrag. Wenn ich das Geschriebene auf mich wirken lasse, komme ich zum Fazit: Ja, wir sind gebremst. Ja, es gibt vielerorts Probleme oder Herausforderungen. Ja, es geht vielen Händlern nicht gut mit der Situation. Jedoch auch ja, die Aussichten für die Branche sind weitgehend positiv. Danke für die motivierenden Worte, mögen auch Sie gesund bleiben und ein tolles 2021 erleben!


Annegret Heine-Frick

18.01.2021 - 16:08 Uhr

Lieber Prof. Brachat, auch von uns ein herzliches Dankeschön für die so realistische und zugleich kritische Zusammenfassung mit der Prognose für 2021. Wie immer treffen Sie mit einem Zusatz "humoristischer Würze" den Nagel auf den Kopf. Ihnen und allen Lesern wünschen wir trotz weiterer Corona-Einflüsse, ein Meistern der aktuellen Herausforderungen für ein erfolgreiches Geschäftsjahr.Vor allem - bleiben Sie gesund !!!


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