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HB ohne Filter: Stellantis/ACEA +++ Cluno/Cazoo +++ EU/Fahrassistenten

© Foto: Prof. Hannes Brachat/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

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Datum:
17.06.2022
Lesezeit: 
10 min

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Tavares & Stellantis-ACEA-Verbandsaustritt +++ Cluno, ein kapitalistisches Marktopfer +++ Acht Assistenzsysteme - ab Juli Pflicht +++ Vorsorge für das besondere Schicksal

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Montag, 13. Juni 2022

Tavares & Stellantis-ACEA-Verbandsaustritt

Der ACEA ist der europäische Verband der Autoindustrie. Stellantis-Chef Carlos Tavares, selbst für zwei Perioden ACEA-Präsident (2018 - 2019), hat zum Jahresende den Verbandsaustritt angekündigt. Ein Hammer! So richtig nachvollziehen kann man diesen Schritt allerdings nicht. Auf der einen Seite sieht Tavares den schnellen Übergang zur E-Mobilität skeptisch. Auf der anderen Seite kündigte er für die Marke Opel ab 2028 nur noch reine E-Autos an, Fiat & Co sollen 2030 folgen. Umgekehrt hat er sich immer wieder gegen eine ausschließliche Festlegung auf den Elektroantrieb festgelegt und Technologieoffenheit gefordert.

Schauen sie mal bei YouTube nach, was Dr. Wolfgang Reitzle, einst BMW-Entwicklungschef und heute Conti-Aufsichtsratsvorsitzender, dazu sagt: https://youtu.be/S_6DtBFJVMs  Es ist das, was Tavares-Nachfolger beim ACEA, BMW-Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse ebenso fordert. Man darf das mehr auf den Punkt reduzieren, Zipse und Tavares können nicht miteinander. Da hat Zipse dem omnipotenten Tavares mal ein paar Grenzen aufgezeigt, die dieser so nicht wahrhaben möchte und siehe da, Stellantis verselbständigt sich.

So denken die LinkedIn-Follower von AUTOHAUS über das Verbrenner-Verbot.
© Foto: AUTOHAUS

Tavares neue Spur! 

Herr Tavares macht nun deutlich, dass die Einflussmöglichkeit eines großen Industrieverbandes wie der ACEA den Mitgliedsbeitrag von mehreren 100.000 Euro p.a. nicht mehr rechtfertigt. Es fällt gegenwärtig auf, dass es auch im VDA rumort, wenn man die auffällige Wechselfrequenz der verschiedenen Geschäftsführer feststellt. Da stimmt was nicht! Einer von ihnen, Dr. Kurt-Christian Scheel, wird zum Jahresende den ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Koblitz ablösen und hoffentlich im ZDK endlich höchstnotwendige Zukunftsdurchbrüche schaffen.

Tavares will neue Akzente setzen und etwas Eigenständiges aufstellen: "Ein Forum zur nachhaltigen Mobilität". Man darf da aufmerksam und offen hinschauen, was er als "neuen Verbandsweg" beschreitet, um den eigenen Weg in Sachen Klimaschutz zu markieren. Das aktuelle Beispiel Stellantis zeigt eine Parallele zum Automobilhandel auf. Große Händler sind oftmals keine Mitglieder in ihrem Markenverband. Sie vertreten sich selber und sparen sich die 30.000 Euro Mitgliedsbeitrag und mehr.

Zeitenwende im ZDK?

So titelte ein Fachmagazin in dieser Woche zur ZDK-Mitgliederversammlung in Hamburg. Zeitenwende war das wirklich keine. Es wurden lauter "alte Herren" in nordkoreanischer Machart - sprich öffentlicher Abstimmung - einstimmig weiterhin in ihren Versorgungsämtern gehalten. Oder wenn da nun endlich in der Hauptstadt Berlin nach 33 Jahren Grenzöffnung eine zukünftige Verbandsdependance gesucht wird und gleichzeitig gesagt wird, dass damit kein Verbandsumzug von Bonn nach Berlin gemeint sei, dann zeigt das die Hasenherzigkeit der Weichenstellung, aber doch keine Zeitenwende. Der politische ZDK gehört nach Berlin und der neue ZDK-Hauptgeschäftsführer muss seinen Sitz in Berlin haben. Alles andere ist politische Kurzsichtigkeit! Wie lange denn noch nimmt man die wirklichen Interessen des Gewerbes an den geeigneten Schaltstellen nicht wahr? Es wäre Tavares zu wünschen, dass er ganz neue verbandspolitische Akzente für alle zu setzen weiß.

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Dienstag, 14. Juni 2022

Cluno, ein kapitalistisches Marktopfer

Ich kenne die eigentlichen Macher von Cluno, Nico Polleti (BFC-Calw-Absolvent) und seine Frau Christina, schon aus ihrer professionellen Start-up-Zeit mit Easyautosale (2012 ff. / 2015 Verkauf an Autoscout24). Von 2016 an starteten sie so ziemlich als Erste mit der Auto-Abo-Idee, bis sie das Geschäft im vergangenen Jahr an den britischen Online-Autohändler Cazoo übergaben. Nun hat sich mit Cazoo etwas ereignet, was sicher nicht mit der eigentlichen Mentalität der Polletis konform geht. Da sind – wie viele andere Beispiele auch zeigen – innovative Start-ups am Markt tätig, kaum gefällt "großen Kapitalisten" die Idee, prompt werden sie weggekauft und vermarktet.

Nico und Christina Polleti bei einem Vortrag an der Hochschule in Geislingen
© Foto: Prof. Hannes Brachat

Da übernimmt Cazoo-Gründer und -CEO Alex Chesterman Anfang 2021, nachdem seine eigene Firmengründung für Cazoo auf 2018 datiert, für viele Millionen Cluno und möchte über diese Schiene seine englische Erfolgsgeschichte für Deutschland fortschreiben. Der britische Online-Gebrauchtwagenhändler kann dort für 2021 auf beachtliches Wachstum verweisen. Und doch wirken nun auch die markanten Marktkräfte von außen – Lieferverzögerungen, mangelnde Ware, rückläufige Einkaufsmargen - massiv auf Cazoo ein. Es sollen nun bis Ende 2023 200 Millionen Pfund eingespart werden. Das führt nun auch bei Cluno nicht nur zu personellen Konsequenzen, sondern zur Aufgabe der Polleti-Idee Auto-Abo, für die Chesterman viele Millionen hingelegt hat. Und für Polletti war bei der Übernahme vorgesehen, die deutsche Abo-Idee europaweit auszudehnen. Man will nun die bestehenden Abo-Geschäfte noch zu Ende bedienen, aber dann Cluno und Cazoo im Onlineverkauf an Privatkunden über die Cazoo-Plattform zusammenführen. 

Fazit: Cazoo will eine Vorreiterrolle bei der Verlagerung ins Internet spielen, "Amazon des Gebrauchtwagenmarktes" sein. Cluno sollte auf europäischen Auto-Abo-Markt ursächlich eine zentrale Rolle spielen. Offensichtlich hapert es u.a. aktuell am attraktiven Bezug der Modelle, um attraktive Monatsraten offerieren zu können. Oder auch an der erforderlichen Liquidität? Noch klarer: Der eigentliche Auto-Abo-Gründer Cluno verabschiedet sich vom Markt! Es muss nachdenklich stimmen: Da kommen Kapitalisten, die nicht wissen wohin mit dem Geld, kaufen kreative Macher per Überzahlung vom Markt, beherrschen aber das eigentliche Geschäft gar nicht. Sie meinen aber, über ihr Kapital alles lösen zu können. Nein!

Es kommt immer darauf an, wer und welche Personen agieren. Und Nico und Christina Polleti habe ich über zehn Jahre, auch als farbige Gastdozenten an der Hochschule in Geislingen erfahren, die das "WIE" so professionell beherrschten und dabei fortlaufend kreative Wege beschritten! Nico Polleti war mal mit 29 Jahren jüngster Geschäftsführer eines Porsche-Zentrums (Passau). Sie wussten, wie man kreativ Wachstum gestaltet. Sie haben mir mehrmals dazu in der Cluno-Zentrale in München ihre Überlegungen aufgezeigt und ihre kreativen, jungen Mitarbeiter vorgestellt. Das Faszinierende am Auto-Abo ist die einfache Abwicklung. Nico Polleti hat bei Cluno den digitalen Verkaufsprozess in vier Monaten realisiert. VW braucht dazu noch Jahre, bis man dort soweit ist.

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Mittwoch, 15. Juni 2022

Acht Assistenzsysteme - ab Juli Pflicht

Am 6. Juli 2022 tritt die EU-Verordnung 2019/2144 in Kraft. Diese Vorschrift legt den Einbau von gewissen Assistenzsystemen für die Hersteller in Neuwagen (Pkw, Lkw und Busse) fest. Im Klartext: Ab 2022 gilt das zunächst für alle neu entwickelten Fahrzeuge, ab 2024 müssen dann alle Neuwagen mit den zusätzlichen Systemen ausgestattet sein. Die Ausrichtung ist klar, es geht um mehr Sicherheit, im Kleinstwagen bis hoch zur Luxusklasse. Das reicht vom Unfalldatenspeicher, dem Rückfahr-Assistenten, der Alkohol-Wegfahrsperre, dem Müdigkeitswarner, der die Augen- und Lidbewegungen bis zum Lenkverhalten registriert und zur notwendigen Pause aufruft. Ob dazu die aktuell vorhandenen Chips für die Umsetzung im Juli ausreichen? Sicher ist, die Neuwagenpreise werden damit in allen Segmenten weiter (erschwinglich?) steigen!

© Foto: Prof. Hannes Brachat

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Freitag, 17. Juni 2022

Vorsorge für das besondere Schicksal

Es ist erstaunlich, wie komplex bewusste Lebensgestaltung ist. Ein großer Bereich nimmt dabei das Thema Vorsorge ein. Vorsorge für einen Unfall, bei Krankheit oder auch im Alter. Dieser Tage wurde ich mit einem so tragischen Schicksal konfrontiert. Ein Autohausunternehmer trat seinen Urlaub an. Es ereilte ihn dort ein Herzinfarkt. Jegliche Hilfe kam zu spät. Ganze 54 Jahre alt ist er geworden. Ein Schock für die Familie wie für die Betriebsangehörigen.

Ich darf Ihnen eine aktuelle PDF-Ausgabe für die Vorsorge beilegen, die Juristen, Ärzte, Theologen und erfahrene Pflegekräfte erstellt haben. Sie enthält die Rechtsprechung bis September 2021 - auch mit Hinweisen zur Corona-Pandemie. 20. Auflage. Wer die Printversion davon haben möchte, kann sich diese im C.H.Beck-Verlag für 6,90 Euro bestellen. Es geht im Leben immer weiter. Die Frage ist einmal mehr das WIE?

© Foto: Bayerisches Staatsministerium der Justiz / AUTOHAUS

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Spruch der Woche

"Das Fazit aller Erfahrung heißt Flexibilität!"

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 24. Juni 2022!

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