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HB ohne Filter vom 14. August 2015

Prof. Hannes Brachat
Prof. Hannes Brachat
© Foto: AUTOHAUS

Heute: Meister des Alltags - Die schleichende Revolution - Alles 24 Stunden weltweit Wissensverdoppelung - Innovationskreise - Branchenthemen.

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Datum:
14.08.2015

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Heute: Meister des Alltags - Die schleichende Revolution - Alles 24 Stunden weltweit Wissensverdoppelung - Innovationskreise - Branchenthemen.

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Meister des Alltags

Kein Tag verläuft im Autohaus wie geplant. Es kommt ein angemeldeter Kunde nicht zum Service, der andere später als geplant. Es passiert ein Unfall mit Abschleppfolgen. Es ist einer der Mitarbeiter unverhofft krank. Ein anderer ist mental immer gut drauf, nur heute nicht. Die geplante Anzeige ist nicht erschienen. In der GW-Börse steht plötzlich ein anderer Preis als vorgegeben.

Da verschaffte mir ein agiler Unternehmer vergangene Woche die Möglichkeit, ihn nahezu einen Arbeitstag aus nächster Nähe begleiten zu dürfen, um eben das "anders als geplant" einmal wieder live mit zu erleben. Am Ende des Tages war ich über die Fülle all der Widersprüche eines solchen Alltags doch sehr überrascht, die da aufeinander treffen. Einige Beispiele: Da fand ein Telefongespräch mit dem Vorstandschef einer Bank statt. Der sagte eine erhoffte Immobilienfinanzierung eloquent und gut begründet ab. Macht und Ohnmacht. Selbigen Kontrast erlebte ich in der Endabnahme einer Hersteller-Zertifizierung: Du hast die festgestellten Mängel umzusetzen, ansonsten ... Und wenn es nur ein Stromkabelstück ist, das im Damenklo hinterm Spiegel hervorschaut. Diese einheitliche Markenausrichtung sind unter anderem die stillen Wege zum Franchiseausbau und zur stetigen Selektion.  

Oder der Kontrapunkt von Tun und Lassen. Da ruft der Trainer einer Fußballmannschaft an. Der Chef ist Vorsitzender des Clubs. Wird Spieler A nun verpflichtet oder "gelassen"? Oder der Widerspruch von Gemeinsamkeit und Einsamkeit. Unser Unternehmer ist mit drei weiteren Gesellschaftern an einem Unternehmen beteiligt. Übernimmt er still die Anteile eines anderen Gesellschafters gegen den Willen der anderen beiden? Eine einsame Entscheidung steht an! Bei großen Entscheidungen ist jeder Unternehmer, der das Risiko trägt letztlich der "Einsame".

Oder der Widerspruch von Sinn und Sinnlosigkeit. Unser Unternehmer gehört zu all jenen der Branche, die Tag für Tag Mitglied im unternehmerischen Hamsterrad sind und unentwegt kurbeln. Jeder Tag läuft durch Termin-  und Gesprächsvorgaben fremdbestimmt über das wichtige Sekretariat ab. Man kann sich diesem Hamstergetriebe gar nicht entziehen. Da geht nur volle Kanne oder nichts. Die Antwort unseres Unternehmers: "Mir wächst Sinn zu, indem ich mich für viele meiner Aufgaben, für viele Menschen, für die Freiheit meines Tuns wirklich begeistere. Ich muss mich da zu nichts zwingen, ich habe dabei klare Ziele und da heißt es dann anpacken. Ja, ich habe wirklich Freude an meinem Tun. Spaß wäre mir zu wenig." Die Mitarbeiter sprechen ihn dann nicht mit Herr und Nachname an, sondern respektvoll: "Hallo Chef!" Ich konnte gar nicht mitzählen, wie viele Entscheidungen er an diesem Tage zu treffen hatte. 20 bis 25 Telefonate und 40 bis 50 E-Mails/SMS pro Tag sind bei ihm normales Pensum.

Klare Erkenntnis für mich: Unternehmer müssen heute mehr als früher und immer noch mehr entscheiden. Es ist aber ein Irrglaube zu meinen, dass jeder Unternehmer immer in der gleichen Verfassung ist, gute Entscheidungen und diese in respektabler Qualität zu treffen. Die klare Forderung: Entlastung von Routineentscheidungen.

Die schleichende Revolution

In den 80er Jahren haben wir in der Branche IT eingeführt. Welche Wandlungen bis heute? Nicht von heute auf Morgen, aber Zug um Zug. Ab 1992 kam das Handy. Und das heutige Smartphone ist für viele zum "Terroristen" der Neuzeit geworden und ruft nach akzeptierten Handy-Manieren im Büro wie im gesellschaftlichen, selbst im familiären Umfeld. Wahrlich, eine Revolution. Aber: auf leisen Sohlen!

Schauen wir die Veränderungen durch das Internet und die heutige GW-Börsenwelt an. Unser Unternehmer hat an seinem Hauptstandort 250 Gebrauchtwagen stehen. Sie sind allesamt per Börse gelistet. Es gibt beispielsweise ein Softwareanbieter, Cardetektiv, der für jeden der 250 Gebrauchtwagen tagesaktuell unter anderem den niedrigsten Angebotspreis aus der Börsenwelt ausweist. Und wie folgt nun aufgrund dieser Erkenntnis die praktische Preisanpassung im Autohaus? Sie setzt jeweils neue Preisschilder voraus. Und wer macht das schon und wechselt diese täglich manuell aus?

Die Abbildung zeigt aus dem MB-Autohaus Kunzmann in Aschaffenburg die erste elektronische Preisauszeichnung für Gebrauchtwagen. Wir werden das in Kürze redaktionell in AUTOHAUS vorstellen. Man kann also über das GW-Managementprogramm jedes Preisschild elektronisch verändern. Die letzten 30 Schritte zum manuellen Preisschildwechsel sind endlich elektronisch gelöst! Jetzt ist der Schritt zur künftigen automatischen GW-Preisauszeichnung nicht mehr weit. Man gebe in das System bestimmte Parameter ein – zehn Prozent Bruttoertrag (!) – und die Preisgestellung erfolgt aufbauend auf diesen Algorithmen. Automatisch! Preispolitik als Routineentscheidung! Das wird nicht immer, aber in der Regel klappen. "Big Data" macht das möglich. Eine Revolution. Ihr fehlt allerdings das Explosive, der Eruptive einer klassischen Revolution.

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Elektronische Preisauszeichnung

Alle 24 Stunden weltweit Wissensverdoppelung!

Man will es kaum glauben, dass sich das Wissen der Erde einmal innerhalb von 24 Stunden verdoppelt! Man vergleiche den neuen Gott Google als Alleswisser mit dem herkömmlichen Brockhaus. Und diese Wissensgigantomanie wird die Welt weiter, ja stetig verändern. Wie will man bei diesem Tempo, bei diesem neuen Wissensmeer Tag um Tag auf die Zukunft vorbereitet sein? Im Klartext: Keiner ist vorbereitet! Es herrscht: Beschleunigungstotalitarismus! Für dieses Tempo sind wir als Spezies Mensch nicht ausgelegt.

Innovationskreise

Zu unserem "Meister des Alltags" sollte eben auch ein Zeitraster für Innovationen gehören. Auch für die dafür talentierten Mitarbeiter. Es gibt in der Branche sehr wohl einige Unternehmergruppen, die sich zum Erfahrungsaustausch treffen. Ich kenne das auch mit Serviceleitern etc. Es geht darum, die innovativen Geister in einem Autohaus anzusprechen und deren kreativen Stärken zu fördern.

Nochmals zu MB-Vertreter Kunzmann in Aschaffenburg. Dort können sich junge Auszubildende aus einem der neun Betriebe für einen Innovationskreis bewerben. In diesem Kreis trifft man sich alle vier Wochen zum gezielten Gedankenaustausch, zur systematischen Ideenfindung. Aktuellstes Produkt: "Schwarze Brett". Das "Schwarze Brett" hängt hier vor der Kantine. Nicht jeder der Jugendlichen ist Kantinenbesucher. Man hat das manuell bestückte Brett jetzt durch einen Bildschirm ersetzt. Dort lassen sich nun die einzelnen Nachrichten anklicken und durchblättern. Selbige Möglichkeit hat jetzt aber jeder Mitarbeiter direkt von seinem Bildschirm von seinem Arbeitsplatz aus. Eine Juniorenidee! Toll!

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Das "Schwarze Brett" ist elektronisch

Eine wesenhafte Schaltstelle für unseren Unternehmer sind die Besprechungen. Er hat mit einem Neubau eben auch einen neuen Besprechungsraum geschaffen. "Ja, ich habe dabei auf die Atmosphäre, auf das Licht und die (technische) Ausstattung großen Wert gelegt. Ich will ganz bewusst eine gute Grundstimmung schaffen. Besprechungen sind für mich ganz wichtige kommunikative Begegnungen. Wir bereiten das gründlich vor: Was muss, warum behandelt werden? Wie sieht die Lösung aus? Wer trägt vor, mit welchen Unterlagen? Wer muss das in Folge durchziehen? Bis wann? Jedes Treffen hat eine Tagesordnung mit Zeitvorgaben und den Folgearbeiten. Wir geben uns gemeinsam immer wieder Mühe, jede Meinung und Frage knapp und klar darzustellen. Da haben wir schon eine respektable, ja sportive Kultur entwickelt."

Weil wir oben eben von taltentierten Mitarbeitern sprachen. Unser Chef: "Noch schaue ich mir jeden neuen Mitarbeiter vor der Einstellung selber an. Wenn der dann die Stelle antritt, muss der erste Tag sitzen. Wir haben dazu für jeden neuen Mitarbeiter ein kleines Handbuch entwickelt, wo viele Details erläutert sind. Welche Unterlagen brauchen wir von ihm, wer sind seine Ansprechpartner, unsere Firmenkultur etc. Jeder Mitarbeiter erhält am ersten Tag seine neue Visitenkarte. Oftmals mit seinem Bild darauf. Nach den ersten vier Wochen tauschen wir uns aus. Nach vier Wochen ist aber auch für uns vielfach klar, ob der gemeinsame Weg Zukunft hat oder einen anderen Weg nehmen muss. Im Klartest: Das muss passen!"

Es wird sich zukünftig der Zahlungsverkehr verändern. Experten sehen die Zukunft im Bezahlen per Handy. Nach und nach ziehen wir die Elektronikrechnung ein u.a. Wie wollen wir Komplexität beherrschen, wie dem Prinzip Einfachheit huldigen, wenn nicht durch Innovationen? Innovationen schaffen vielfach auch Wachstum.

Branchenthemen

Auf der Autofahrt zu einem der Filialbetriebe unterhalten wir uns, mein Unternehmer und ich, auch über die Marktentwicklungen, den harten Kampf der Importeure. Die rückläufigen Zahlen der Marken Fiat, Renault und Peugeot. Den relativen Markterfolg des MB-Renault-Smart. Wer beim Tesla Model S - reines E-Fahrzeug - die Reichweite von 528 km sieht, fragt sich, wie ein Elektro-Start-up die klassische Automobilindustrie darin vorführt - auch wenn Tesla immer noch im roten Bereich unterwegs ist. Die 16.000 E-Fahrzeuge, die BMW in 2014 baute, hauen einen nicht um. Bei VW hat man den Eindruck, dass die gar nicht an das Elektroauto glauben. Die eine Million Merkel-Einheiten bis 2020 werden flach gehalten. Man hat den Eindruck, dass der Verbund aus Regierung und Autoindustrie die Öko-Pkw unbedingt in der Nische halten will. Mal sehen, welche Botschaft die IAA setzen wird.

Abends beim gemeinsamen Essen meint dann unser Unternehmer: "Es fällt mir immer wieder schwer, Herz und Hirn dazu zu bringen, freundschaftlich zusammenzuarbeiten. Wenn ich mir vom Hirn her die Digitalisierung anschaue, die politische Globalisierung, die Finanzmarktderegulierung, den Zwang zu unbedingtem Wachstum, dass wir immer noch größere Autohäuser mit noch mehr Glas bauen sollen und das bei fragwürdigen Renditen, rückläufigen AWs im Service, dann tun sich auch in mir einige zentrale Fragen auf. Jetzt hat man mir auch noch die angeschlossenen Händler abgeschafft. Sie wollen doch nur ihre eigenen Vertriebskosten senken und die Zahl der Eigentümer reduzieren, um auch über diese Schiene die Franchiselinie aufzurollen. Ein Hersteller oder Importeur fängt an, alle machen dieselbe Masche nach, als hätten sie in ihren Verbänden nichts anderes zu bereden. Von Toyota, Ford, über Mazda, Fiat und wie sie alle heißen. Ich will ja unsere Welt, unseren Alltag nicht als fahl, grau, reizlos beschreiben, in dem dann alles gleichgültig ist. Ich sage das nochmals im engen Verbund in Richtung Hersteller/Importeure, aber auch Richtung Kunden: wir alle, auch unsere Mitarbeiter brauchen das Gefühl, es kommt etwas zurück. Und das wird leider immer seltener. Ich bin in Wahrheit ein Freund der elementaren Kraft der Begeisterung. Wer Feuer fängt, ist voller Erfüllung über eine Idee. Be-Geisterung! Das steckt das Wort Geist dahinter. Geist ist wieder etwas Existenzielles und sehr Menschliches. Und diese Begeisterung ist für mich positive Energie, ja Herzenskraft, aber auch eine Verstandeskaft. Und Menschen, die mit Begeisterung durchs Leben gehen, sie lieben das Leben und sich selbst. Und das strahlt man auch aus. Ich bin überzeugt, das Kreativität, Hingabe und Leichtigkeit Geschenke der Begeisterung sind. Wir wollen ja morgen wieder Tore schießen. Beinah bringt keine Mücke um, wir müssen treffen! Gut, dazu braucht man auch viel Glück. Man hat nicht alles selbst in der Hand. Ich habe Sie jetzt zum Essen eingeladen. An einen ganz besonderen qualitativen Ort. Den Gastronomen geht es wie uns, viele Konsumenten sind bereit, sich für 70.000 Euro eine Limousine zu erwerben, finden es aber höchst unverständlich, wenn das Schweinefilet sieben statt sechs Euro kostet. Dieses Filet genießen wir jetzt, auch wenn ich mich selbst ansehe, weiß ich, ich müsste mich mehr bewegen. Gelegentlich muss man aber für sich selbst mental auf Durchzug stellen. Ich bleibe aber mit großer innerer Überzeugung dabei, man muss sein Wirken letztlich um der Sache selbst willen tun."

Wenn man das alles so auf sich wirken lässt: Ein Wahnsinn, namens Alltag! Auf die automobilen Meister des Alltags!

Spruch der Woche:

"Betrachten ist ein schöpferischer Akt." (Oliviero Toscani) 

Ich darf mich nun bis zum 10. September 2015  in den Urlaub verabschieden. Abkehr aus dem Alltag! Ein besonderer Höhepunkt wird für mich in dieser Zeit die 24. AUTOHAUS SommerAkademie in Telfs/Österreich vom 26. bis 28.8.2015 sein, in der wir mit Begeisterung wichtige Zukunftsfelder der Branche durchpflügen werden. Keiner kann die Zukunft verlässlich prognostizieren, aber jeder kann sie gestalten!

Auf eine heitere, unbeschwerte, freie Urlaubszeit – ohne Hamsterradeffekte!

Ihr 

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS

www.brachat.de

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KOMMENTARE


Anderson

14.08.2015 - 11:47 Uhr

Lieber Herr Brachat, die Forderung "Entlastung von Routineentscheidungen" kann der Unternehmer ganz einfach in beide Richtungen beeinflussen: Führungsstil anpassen. Zum elektronischen Preisschild: das hat nichts mit Big Data rein gar nichts zu tun.


chris

17.08.2015 - 10:48 Uhr

@Anderson: das Preisschild sicher nicht. Die (halb-)automatische Preisfindung über Börsendaten aber schon eher.


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