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Drohende Pleite: Machtkampf bei Saab

Konzernchef Victor Muller will den bisherigen Zwangsverwalter Guy Lofalk auswechseln lassen

Zwangsverwalter Lofalk hat die Hoffnung auf Rettung der Schweden aufgegeben. Konzernchef Muller dagegen will mit angeblichen neuen Hilfszusagen aus den USA weitermachen.


Datum:
21.10.2011
6 Kommentare

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Beim akut angeschlagenen Autobauer Saab rückt die Gefahr der Insolvenz erneut in greifbare Nähe. Zugleich ist ein interner Machtkampf ausgebrochen. Wie das schwedische Unternehmen am Freitag in Trollhättan mitteilte, will das Management den gerichtlich bestellten Zwangsverwalter Guy Lofalk absetzen lassen. Dieser hatte am Vortag bei einem Gericht in Vänersborg den Abbruch des im September eingeleiteten Sanierungsverfahrens mit Schutz vor Gläubigerforderungen beantragt.

Im westschwedischen Stammwerk Trollhättan mit 3.500 Beschäftigten sind seit einem halben Jahr wegen akuten Geldmangels und hoher Schulden keine Autos mehr gefertigt worden.

Lofalk begründete seinen Schritt mit fehlendem Geld aus China – die zugesagten chinesischen Überbrückungshilfen über 640 Millionen Kronen (70 Millonen Euro) sind noch immer nicht angekommen. Über den langfristig geplanten Einstieg des Autoherstellers Youngman und des Autogroßhändlers Pang Da schrieb er in seinem Antrag: "Es ist klargeworden, dass die chinesischen Partner nicht mehr mit der Saab-Muttergesellschaft Swedish Automobile zusammenarbeiten wollen."

Der Niederländer Victor Muller, Eigner von Swedish Automobile und auch Saab-Konzernchef, warf dem Zwangsverwalter vor, ihm in den Rücken zu fallen. Saab hat nach seinen Angaben eine neue und kurzfristige Zusage über 70 Millionen Dollar (50 Millionen Euro) von der US-Finanzgesellschaft North Street Capital vorliegen.

Saab-Sprecherin Gunilla Gustavs konnte am Freitag auf Anfrage keine Angaben machen, ob und wann das aus den USA zugesagte Geld überwiesen werde. Sie sagte weiter: "Wir müssen Mitte nächster Woche Löhne und Gehälter für einen Teil des Oktobers überweisen."

Gericht entscheidet

Das zuständige Gericht in Vänersborg kündigte eine Entscheidung über den Abbruch oder die Fortsetzung des Sanierungsverfahrens bis Ende kommender Woche an. Bei einem Abbruch gilt die Insolvenz als unausweichlich. Am 31. Oktober steht eine Gläubigersammlung an. (dpa)

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KOMMENTARE


trehla

21.10.2011 - 12:23 Uhr

Schade eigentlich für Saab, aber auch den Mitarbeitern wird seit Monaten einiges zugemutet. Hier müssen mal Fakten auf den Tisch. Zahlungsversprechen von Heuschrecken oder Unternehmen, die in Europa keiner kennt sind ohnehin wenig hilfreich, wenn dann kein Geld kommt. Saab benötigt vokalem einen strategischen Partner mit Know How, denn genau das fehlt doch den Schweden.


trehla

21.10.2011 - 13:08 Uhr

Solange irgendwelche Heuschrecken oder völlig unbedarfte Autokonzerne um ein Unternehmen wie Saab buhlen, kann von Hilfe hier nicht gesprochen werden. Saab ist technisch seit Jahren am Tropf von GM gebunden und daher selber technisch ausgeblutet! Ein solches Unternehmen kann für Chinesen, die von Know How träumen, doch kein Partner werden. Besser gemacht hat das Geely bei Volvo. Geht also doch, oder?


Karl Schuler

21.10.2011 - 14:38 Uhr

Machtkampf? Um welche Macht geht es denn noch bei Saab? Gutes Produkt findet zuwenige Kunden! Die Aufwendungen dafür sind höher als der Ertrag! Und somit ist nichts mehr zu retten! Rentabilität und Wirtschaftlichkeit? Fehlanzeige! Alles klar? Feierabend!


k. Meester

21.10.2011 - 20:39 Uhr

Bald kann das keiner mehr ertragen. Es mag vielleicht schade sein, das ein kleiner Nischenanbieter vom Markt geht, aber wer keine Modellpoltik betreibt den bestraft das Leben. Herr Müller macht uns glaubhaft versichern, dass namhafte Investoren Intersse zeigen, aber die Wahrheit ist Saab ist am Ende. Genauso sieht es auch der Insover- Walter und deshalb ist sein Handeln absolut korrekt! Adios Saab


Michael Kühn

22.10.2011 - 19:45 Uhr

@ Karl Schuler Von der Kernaussage her haben Sie sicher Recht, jedoch bin ich der Meinung: Wirtschaftlichkeit ließe sich durchaus wiederherstellen, wenn mit frischem Kapital und entsprechender Strategie das Unternehmen neu ausgerichtet werden würde. Wir reden hier von einem Hersteller, der noch nie ein Massenhersteller war und gegenüber Volvo einfach individuellere Autos baute. (Ich meine auch schönere und bessere) Ebenfalls reden wir hier von einer Tradionsmarke, die jedoch anders als Rover "Britisch-Elend" in einer Käuferschicht aufgestellt war, in der auch Audi-, BMW- u. Mecedes-Käufer mit Saab geliebäugelt haben. Die Individualisten unter Ihnen bevorzugten Saab mit den leistungsstarken 4-Zyl.-Turbomotoren und richtig schöne Autos waren es auch einmal. Dann folgten einige häßliche Modelle, die Technik verharrte im bisher Erreichten und mit einigen weiteren Managementfehlern waren dann die Weichen für den gegenwärtigen Status gestellt. Hier denke ich mal eben auch an Opel, ein Massenhersteller, früher auf stetigem Erfolgskurs, war so schwer angeschlagen, dass eine mögliche Insolvenz ebenfalls direkt bevorstand. (Meines Dafürhaltens ist Opel noch lange nicht "über dem Berg". Der kleinste Gegenwind wird erneut zu einem Schleudertrauma führen.) BMW stand vor Jahrzehnten vor dem gleichen Problem. Fazit: Saab braucht Investoren und einen Lenker mit frischem Denken, der bereit ist, strukturelles und festgefahrenes Know How "über Bord zu werfen" und neuen Ideen den nötigen Freiraum gewährt. Frisches Denken würde auch vielen anderen Herstellern gut tun...


Karl Schuler

24.10.2011 - 11:22 Uhr

@Michael Kühn: Ich stimme Ihnen vollkommen zu! Nur wer soll es machen, und mit wessen Geld?


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