Die am vergangenen Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen zeigen nach Ansicht von Beobachtern, dass zumindest die Richtung stimmt. Chrysler hat allerdings den Werbeeinsatz des Konzernchefs bitter nötig, weil Rabattschlachten und volle Lager die Marge massiv bröckeln lassen. Dagegen kann vor allem die Mercedes Gruppe mit einem guten Ergebnis und noch besseren Perspektiven wieder glänzen. Das Ziel einer Umsatzrendite von sieben Prozent im kommenden Jahr wurde bekräftigt und auch Smart soll dann aus den roten Zahlen sein. Chrysler erzielte im zweiten Quartal nur noch 51 Mio. Euro Gewinn und wird von Juli bis September sogar in die roten Zahlen rutschen. Das Motto vom Beginn seiner jetzt halbjährigen Amtszeit als Vorstandschef gilt dabei für Zetsche noch immer: "Mit weniger mehr erreichen". Der Abbau von 8.500 Stellen in den deutschen Mercedes-Werken ist so gut wie abgeschlossen. Und zum 1. August kann Zetsche mit dem Aufbau einer neuen Struktur in Verwaltung und Management beginnen, was 6.000 von weltweit 30.000 Jobs kosten wird, davon etwa 3.200 in Deutschland. Der Speck muss weg Dass das Unternehmen in den vergangenen, teilweise "fetten Jahren" an einigen Stellen Speck angesetzt hat, wird auch intern kaum bestritten. Dies gilt gerade auch für die Produktionsstrukturen. "Mercedes muss da noch etwas gegenüber BMW aufholen, die Fertigungstiefe ist noch relativ hoch", konstatiert etwa der Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer. Zetsche hat angekündigt, die Verzahnung innerhalb des weltumspannenden Konzerns voranzutreiben, um die Kosten zu senken, und er wird sicher mehr gemeinsame Plattformen anstreben. So gilt in der Branche als sicher, dass die margenschwache A-Klasse künftig nicht mehr mit dem im Konzern einzigartigen und teuren Sandwich-Boden gebaut wird. Hier bietet sich eine Zusammenarbeit mit Chrysler förmlich an, sagen Experten. Zetsche gibt der Marke ein Gesicht Es gibt also viel zu tun für "Dr. Z", der zumindest in der Kommunikation derzeit wohl ein glückliches Händchen hat. Der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim kommt in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Zetsche zumindest in der Medienöffentlichkeit der Dreh- und Angelpunkt für eine Neubewertung des Unternehmensimage ist. Hans Bauer, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Uni Mannheim, urteilt ähnlich. "Es dürfte gut funktionieren, dass Zetsche jetzt das Gesicht der Marke ist", sagt Bauer. "Die Begeisterung für sein Produkt nimmt man ihm ab." Dass sich der neue Vorstandschef selbst in Werbespots exponiert, dürfte vor allem in den USA gut ankommen. "Ich denke, die Amerikaner mögen es, wenn ein Mann zu seinen Produkten steht." Nicht zu vergessen Zetsches viel zitierter Walross-Schnauzbart. "Zetsche ist auch als Gesicht ganz originell." Frank Heidmann / Michael Friedrich Die original US-Werbespots mit "Dr. Z" finden Sie rechts in der Downloadbox. Für das problemlose Abspielen empfiehlt sich die Benutzung des Internet Explorers.
Thema: Volles Programm für "Dr. Z"
DaimlerChrysler-Konzernchef Zetsche werkelt auf vielen Baustellen