GM gesteht Verluste in Europa ein

16.06.2004 15:19 Uhr

Zeitung: Autokonzern hat den Markt zu optimistisch eingeschätzt / Vizechef Lutz sieht Produktionsstandort Deutschland gefährdet

General Motors (GM) hat nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD; Mittwochsausgabe) erstmals eingestanden, in Europa in diesem Jahr nicht wie erwartet in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. "Der Turnaround in Europa ist schwieriger, als wir angenommen haben", hieß es gegenüber der "FTD". Trotz Einsparungen im Einkauf von drei Prozent in diesem Jahr werde die Gewinnzone nicht erreicht. Im ersten Quartal 2004 hatte GM in Europa seinen Verlust von 65 Mio. auf 116 Mio. US-Dollar fast verdoppelt. Deshalb wolle der Konzern am kommenden Freitag den umfassenden Umbau seiner Europazentrale bekannt geben. Hauptgrund für die Gewinnwarnung in Europa: Trotz neuer Modelle wie Opel Astra und Opel Meriva wächst das Geschäft den Angaben zufolge nicht so stark wie erwartet. "Das Marktvolumen ist geringer als von uns geplant", erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Wirtschaftsblatt. Deshalb nütze es wenig, dass GM Marktanteile hinzugewinne. Zudem habe sich das Geschäft von den größeren Modellen wie dem Opel Vectra hin zu kleineren Autos wie Astra und Corsa verlagert, was ebenfalls auf den Gewinn drücke. "Deutschland als Autoproduktionsstandort gefährdet" Unterdessen sieht GM-Vizechef Bob Lutz schwere Zeiten auf den Automobilstandort Deutschland und Westeuropa zukommen. Ein wesentlicher Grund sei der starke Euro, der den Wettbewerb verzerre. Dies komme einseitig japanischen und koreanischen Autoherstellern zu Gute, weil etwa die japanische Nationalbank den Kurs des Yen nach unten manipuliere. "Wenn Amerikaner und Europäer den Japanern nicht auf die Finger klopfen, nehmen die uns die ganze Industrie weg", warnte Lutz in einem Gespräch mit der "Zeit". Besonders heikel schätzt der Manager die Lage in Deutschland ein: "Wenn es keine Änderungen in der deutschen Kostenstruktur gibt, sehe ich über kurz oder lang Deutschland als Produktionsstätte für Automobile gefährdet." Bei den europäischen GM-Töchtern Opel, Vauxhall und Saab hat Lutz gerade ein rigoroses Umbauprogramm angestoßen (wir berichteten). Probleme durch den Vormarsch der Japaner erwartet der Vorstand nicht nur bei Massenmarken, sondern auch für BMW, Audi und Mercedes: "Die deutschen Renommiermarken verlieren in den USA zur Zeit Marktanteile gegen japanische Luxusmarken", stellte der GM-Vize fest. "Wenn ich heute bei einem deutschen Luxusautomobilhersteller wäre, würde ich mir ziemliche Sorgen machen." (rp)

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