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Porsche 916: Selten wie die "Blaue Mauritius"

Der Porsche 916 sollte ab 1972 die Baureihe 914/6 krönen. Mit mindestens 180 PS Leistung.

Porsche benötigte Ende der Sechziger ein Einstiegsmodell und Volkswagen einen sportlichen Nachfolger für den Karman Ghia. 1972 zeigten die Schwaben den Über-914 mit der Bezeichnung "916".


Datum:
30.05.2013
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Von Thomas Lang/mid

Die Idee war bestechend: Porsche benötigte Ende der Sechziger ein Einstiegsmodell und Volkswagen einen sportlichen Nachfolger für den Karman Ghia. Das Gemeinschaftsprojekt 914 erschien 1969 und machte keinen der beiden Partner glücklich. Vor allem bei Porsche ging die Rechnung nicht auf, weil das Mittelmotor-Coupé viel zu teuer war. 1972 zeigten die Schwaben den Über-914 mit der Bezeichnung "916". Den Sprung in die Serie schaffte der Zweisitzer nie.

Das ausgezeichnete Verhältnis zwischen Ferry Porsche und VW-Chef Heinrich Nordhoff in den Sechzigern hatte das Projekt 914 ab 1965 auf den Weg gebracht. Als erster Sportwagen mit Mittelmotor für die Großserie sollte das Coupé bei VW als 914/4 einen Vierzylinder-Boxermotor mit 59 kW / 80 PS erhalten. Der 914/6 von Porsche war mit einem Sechszylinder-Boxer ausgestattet, der 81 kW / 110 PS leistete. Beim Porsche-Derivat liefen von Beginn an die Produktionskosten aus dem Ruder. Die komplizierte Rohkarosserie kostete in der Fertigung mehr, als die des teureren 911. Um das Projekt dennoch zu retten, reifte in Zuffenhausen die Idee, dem 914/6 ein Upgrade zu verschaffen, das ihn in die Liga der großen Sportwagen katapultieren sollte. Nicht zuletzt wollte der Hersteller mit dem als "916" bezeichneten Projekt auch zeigen, welches Entwicklungspotential in dem Auto noch steckte. Vor allem im Hinblick auf den wichtigen US-Markt, der den 914/6 nur verhalten aufgenommen hatte.

Anfang der Siebziger kursierten die ersten Gerüchte zum Thema "Über-914" in den internationalen Fach-Gazetten. So nahm das amerikanische Magazin "Road & Track" das bis dahin rein spekulative Thema 916 zum Anlass, um selbst weiter Mutmaßungen anzustellen: "Seit der 914 und der 914/6 auf dem Markt sind, kursieren Gerüchte, dass das umstrittene Styling abgeändert werden würde. Einzelstücke waren auf den verschiedenen Autoausstellungen in Europa zu sehen und Gerüchte machten die Runde, dass ein neues Auto auf Basis des 914 kommen sollte. Es hieß, dass dieses Auto und einige ähnliche Ausführungen `Sonderanfertigungen´ für den Importeur in Paris seien. Anfang Oktober gingen dann Fotos von diesem 916 genannten Modell an die amerikanischen Händler. Der 916 war kein retuschierter 914/4 oder 914/6, der in der bisherigen Preisklasse von 3.400 bis 6.000 Dollar angesiedelt wäre, sondern ein besonders üppig ausgestatteter 914/6, der wohl 14.000 Dollar bis 15.000 Dollar gekostet hätte ? in anderen Worten, ein 914/6 zum Preis eines Ferrari Dino."

Auf Augenhöhe mit Ferrari

Den Porsche-Verantwortlichen gefiel es, auf Augenhöhe mit Ferrari wahrgenommen zu werden. Dabei war den Autoren der Spekulationen gar nicht klar, dass das Projekt längst konkrete Formen angenommen hatte. Porsche-Entwicklungschef Ferdinand Porsche hatte mit seinem Team bereits Anfang 1971 begonnen, am 916 zu arbeiten. Grundsätzliche Änderungen am Chassis waren nicht erforderlich gewesen, denn der serienmäßige 914/6 besaß den erforderlichen Platz für einen Sechszylindermotor.

Zwei Varianten des Sechszylinder-Boxer standen für den 916 zur Auswahl. Einmal der 2,4-Liter-Motor mit Benzineinspritzung, der zwischen 1969 und 1971 im 911 S zum Einsatz kam, und das Coupé mit 132 kW / 180 PS auf 225 km/h zu beschleunigen vermochte. Außerdem ein 2,7 Liter-Motor, der bei Porsche in Arbeit war und ab 1972 im Carrera RS mit 155 kW / 210 PS zum Status des "schnellsten deutschen Serienautos" mit einer Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h beitragen durfte. Die Erbauer der Prototypen schwelgten in Fiberglas und verpassten dem Auto neue Stoßstangen und deutliche Kotflügelverbreiterungen. Darunter fanden Leichtmetallfelgen von Fuchs Platz, vom Format 7 J x 15 Platz, mit Reifen der Dimension 185/70 VR 15.

Die offizielle Präsentation des 916 hatte Porsche für den Autosalon in Paris im Herbst 1971 terminiert. Doch nachdem sich die Verantwortlichen noch einmal ausgiebig mit der zur erwartenden Preisstruktur beschäftigt hatten, strichen sie das Projekt ersatzlos und ohne Angabe von Gründen zwei Wochen vor Messestart. Die Kalkulation der Kosten ließ sich drehen und wenden. Am Ende kam immer ein unrealistischer Preis für den Endkunden heraus. Bei einer Kleinserie von 50 Exemplaren hätte ein 916 in Deutschland 35 000 Mark gekostet, 4 320 Mark mehr als der 911 S mit 132 kW/180 PS. Für den wichtigen US-Markt, für den das Auto schließlich konzipiert worden war, sah die Kostenrechnung noch ungünstiger aus. Der Dollar schwächelte zu Beginn der Siebziger im Vergleich zur immer weiter erstarkenden D-Mark.

Ein Prototyp und zehn Vorserienmodelle

Insgesamt entstanden ein Prototyp und zehn Vorserienmodelle des 916, die den 2,4-Litermotor erhielten, weil der 2,7-Liter zum Zeitpunkt des Baus der Autos noch nicht zur Verfügung gestanden hatte. Kein Auto glich dem anderen und die wenigen Außenstehenden, die jemals die Möglichkeiten erhielten, mit einem 916 zu fahren, schwärmten in den höchsten Tönen. Kein Wunder, dass die Mitglieder der großen Familie Porsche und Piech fünf der zehn 916 für den eigenen Gebrauch nutzten. Die restlichen fünf gingen unter der Hand für rund 40.000 Mark an gute Freunde des Hauses und in die USA. Nach Erscheinen des 2,7-Liter-Motors des 911 Carrera erfolgte in mehreren Fällen eine Umrüstung.

Jürgen Stockmar, ehemaliger Chefredakteur der "Autozeitung", zollte dem 916 großes Lob. Er schrieb 1974: "Die hohe Motorleistung reicht aus, um bis hinaus über die 150 km/h durch die Kurven zu driften. Dieser Balanceakt mit der Physik ist für viele Geübte die höchste Stufe des Fahrens. Auch wenn Porsche den 916 nie präsentiert hat, markiert er doch einen interessanten Abschnitt in der ehrgeizigen Entwicklungsgeschichte der Stuttgarter Nobel-Firma." Die raren Stückzahlen des 916 und seine Exklusivität bescherten allen Exemplaren gesicherte Existenzen in Autosammlungen. (mid/tl)


Porsche 916

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