VAD attackiert neue E‑Auto‑Prämie: "Den ganzen Spuk hätte man sich sparen können"

02.03.2026 15:25 Uhr | Lesezeit: 3 min
Burkhard Weller
Burkhard Weller: E‑Prämie als Fehlkonstruktion
© Foto: Weller Holding SE

Autohändler Burkhard Weller rechnet im RND‑Interview mit der neuen E‑Prämie ab. Verunsicherte Kunden, unklare Regeln und späte Auszahlung bremsen den Markt spürbar.

Die neue E-AutoPrämie der Bundesregierung sorgt für erheblichen Ärger in den Autohäusern. Burkhard Weller, Präsident des Verbandes der Automobilhändler Deutschlands (VAD), kritisiert in einem aktuellen Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nicht nur die schleppende Umsetzung, sondern auch strukturelle Probleme, die Händler massiv belasten. Die Förderung sei schlecht vorbereitet, zu kompliziert und verunsichere Kunden wie Betriebe gleichermaßen. 

"Es ist eine Katastrophe, wie das organisiert wird", sagte Weller dem RND. Viele Kunden würden angesichts offener Fragen zögern, der Auftragseingang liege "um 20 Prozent unter Plan". Statt eines Marktimpulses wirke die Prämie dämpfend: "Es ist also eindeutig nicht der erhoffte Booster, im Gegenteil: Die Prämie schadet mehr, als sie nützt. Den ganzen Spuk hätte man sich sparen können und die drei Milliarden Euro für die Kaufprämie besser in Kitas und Schulen investiert." 

Die staatliche Förderung gilt rückwirkend für Neuzulassungen ab 1. Januar 2026. Bis zu 6.000 Euro Zuschuss sind möglich – allerdings kann der Antrag erst ab Mai gestellt werden. Händler berichten, dass sie den Kunden derzeit weder verbindlich sagen können, ob sie förderberechtigt sind, wann Gelder fließen oder welche Nachweise verlangt werden. Diese Unsicherheit erschwert laut Weller nicht nur die Kaufentscheidung, sondern zwinge Betriebe häufig dazu, Förderbeträge vorzufinanzieren – ein Liquiditätsrisiko, das insbesondere kleinere Händler spüren. 

Zusätzliche Komplexität entsteht durch den europäischen Rahmen. Weller zufolge ist weiterhin offen, ob die EU verlangt, dass bevorzugt in Europa produzierte Fahrzeuge gefördert werden. Käufer eines in Asien gebauten E‑Autos wüssten deshalb nicht, ob die Prämie am Ende ausgezahlt wird. Bleibt die Förderung aus, landet der Frust beim Handel: "Dann sind wir die, die den Ärger abbekommen."

Dabei hält der Verband die grundsätzliche Stoßrichtung der Förderung für falsch. Das Elektroauto setze sich ohnehin durch, erklärte Weller – entscheidend sei nicht eine weitere Kaufprämie, sondern die Rahmenbedingungen: günstiger Strom, verlässliche Ladeinfrastruktur und transparente Preise. 

Bereits Anfang Februar hatte der VAD eine schnellere Umsetzung und die Einbeziehung junger gebrauchter E‑Autos gefordert (wir berichteten). Kernproblem seien fehlende Klarheit über die Einkommensgrenzen und unklare Zeitpläne für Auszahlung und Antragstellung. Viele Kunden könnten daher nicht einschätzen, ob sie überhaupt Anspruch auf die Prämie hätten – was das Kaufverhalten weiter bremse. 

Der Ärger über das Fördermodell trifft auf einen ohnehin angespannten Markt, in dem der Handel zunehmend zum Puffer zwischen politischen Ankündigungen und praktischer Umsetzung wird.


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