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Synthetischer Kraftstoff: Erste E-Fuel-Komplettanlage in Betrieb

Die kompakte Anlage hat die Größe eines Schiffscontainers.
© Foto: picture alliance/Marijan Murat/dpa

Aus Wind- und Sonnenstrom wird klimaneutraler Treibstoff: E-Fuels können ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel werden. Einen technologischen Startpunkt setzen Wissenschaftler in Karlsruhe.


Datum:
06.11.2019
1 Kommentare

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Noch fließt der klimaneutrale Treibstoff nur tröpfchenweise aus der Versuchsanlage bei Karlsruhe. Doch in der Zukunft soll der E-Fuel genannte synthetische Kraftstoff - massenweise hergestellt aus Luft und Ökostrom - Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge antreiben.

Erstmals hat jetzt eine kompakte Anlage zur Erzeugung von E-Fuel, die alle Produktionsschritte zusammenfasst, im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Arbeit aufgenommen. Professor Thomas Hirth vom KIT sprach bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage in Größe eines Schiffscontainers am Mittwoch von der Veredelung erneuerbarer Energien. Die Anlage auf dem KIT-Gelände in Eggenstein-Leopoldshafen am Karlsruher Stadtrand sei weltweit die erste dieser Art, betonten die Projektpartner unter dem Dach des von der Bundesregierung mit Millionen Euro geförderten Kopernikusprojekts.

Der CO2-neutrale Kraftstoff wird in vier Schritten unter Einsatz von Ökostrom hergestellt: Zunächst filtert die Anlage Kohlendioxid (CO2) aus der Luft. Dann werden CO2 und Wasserdampf in Wasserstoff und Kohlenmonoxid gespalten. In der dritten Phase entstehen daraus lange Kohlenwasserstoffketten. Diese werden im vierten Schritt so aufgespalten, dass Benzin, Diesel oder Kerosin hergestellt werden kann.

Vorerst nur wenige Liter am Tag

Die kleine Versuchsanlage hat während der ersten Erprobungen zwar schon ein Fass mit E-Fuel gefüllt, mehr als ein paar Liter am Tag kommen aber nicht zusammen. Das soll sich nach Angaben von Professor Roland Dittmeyer, einem der Macher des Projekts am KIT, schon bald ändern. Die nächste Stufe soll schon 200 Liter am Tag schaffen. Die industrielle Reife wird innerhalb von zehn Jahren angestrebt.

Ein großer Vorteil der verwendeten Technologie sei es, CO2 aus der Luft zu nehmen. "Das hat den Vorteil, dass die Anlagen überall auf der Welt stehen können", sagte Dittmeyer. So könnte auch abseits der herkömmlichen Versorgungsinfrastruktur mit Solaranlagen Treibstoff erzeugt werden. In Deutschland könnte überschüssiger Ökostrom verwendet werden. Bei kräftigem Wind und Sonnenschein erzeugen Windräder und Photovoltaikanlagen oft viel mehr Strom als gerade verbraucht wird.

Über die zu erwartenden Kosten pro Liter E-Fuel wollen die Projektpartner mit Verweis auf den Beginn der Technologie noch nicht sprechen. Der wichtigste Faktor sei der Strompreis. Peter Müller-Baum vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sprach von einer industriepolitischen Chance. Es sei wichtig, nicht nur technologisch Weltmarktführer zu sein. Solche Anlagen müssten in Deutschland auch gebaut und betrieben werden. Um E-Fuel zum Durchbruch zu verhelfen, sei ein CO2-Preis von deutlich über den von der Bundesregierung vorgesehenen zehn Euro pro Tonne nötig. (dpa)

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KOMMENTARE


Joe Schmidt

09.06.2021 - 16:25 Uhr

Leuchtet ein, dass man ungern über die Kosten spricht. 1kg H2 (33kWh) kostet heute an der Tanke 9,50€ (komplett befreit von der Energiesteuer) und reicht im FCEV für etwa 100km - oder grob für 3l eFuel. Allerdings braucht man ja noch das CO2 aus der Luft und die Extraktion ist etwa gleich teuer wie die H2-Produktion. Das ganze dann noch in einer Syntheseanlage zu eFuel vereint und schon kann man diesen tollen Kraftstoff tanken. Ob das dann bei 6l/100km "nur" 25€ oder 35€ kostet, ist eigentlich egal. Die Märchen vom billigen eFuel halten jedenfall nicht stand, wenn man ein wenig Physik und Chemie beachtet. Selbst unbesteuert wird es so teuer, dass man eFuel nur dort einsetzen wird, wo es nicht anders geht.


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