VW-Machtkampf: Porsche will Anfang September das Steuer übernehmen

10.07.2008 09:21 Uhr
VW-Machtkampf: Porsche will bis Anfang September die Macht übernehmen.
© Foto: ddp / David Hecker

Der Sportwagenhersteller will bis zum 2. September seine VW-Anteile auf 36 Prozent aufstocken, erklärte Porsche Chef Wiedeking am Rande einer Veranstaltung. Dann werde Porsche faktisch die Mehrheit in der VW-Hauptversammlung haben.

Ungeachtet vieler offener Fragen über die künftige Machtverteilung rückt eine Übernahme von Volkswagen durch Porsche immer näher. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kündigte am Mittwochabend an, der Sportwagenbauer werde bis zum 2. September seinen Anteil an VW von derzeit knapp 31 Prozent auf knapp 36 Prozent ausbauen. Dann werde Porsche faktisch die Mehrheit in der VW-Hauptversammlung haben, sagte Wiedeking im baden-württembergischen Waldachtal. Allerdings gibt es noch viele offene Fragen über die künftige Machtverteilung in einem Porsche/VW-Konzern. Dazu zählt vor allem die künftige Rolle des Landes Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär. Außerdem gibt es im seit Monaten tobenden Streit zwischen Porsche und dem VW-Betriebsrat über die Mitbestimmung in der Porsche Holding immer noch keine Einigung. Wiedeking forderte die Belegschaften von Porsche und VW auf, eine Lösung in dem Streit zu finden. "Es liegt an den Belegschaftsvertretern, sich miteinander ordentlich zu arrangieren", sagte der Porsche-Chef. Sollte dies nicht gelingen, würden künftig drei Arbeitnehmervertreter von Porsche und drei von VW im Aufsichtsrat sitzen. "Wir haben eine Mitbestimmungsvereinbarung getroffen, die alles zulässt." Dies könne auch bedeuten, dass künftig ein Arbeitnehmervertreter von Porsche und fünf von VW im Aufsichtsrat sitzen werden. Aus Sicht des VW-Betriebsrats geht die Mitbestimmungsvereinbarung deutlich zu Lasten der VW-Belegschaft. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Wiedeking im Zuge des Streits sogar eine "feindliche Übernahme" vorgeworfen. Wiedeking betonte erneut die Eigenständigkeit von VW. Was Porsche künftig tun könne, sei über einzelne Themen lenkend und steuernd einzugreifen. Porsche hatte bereits Mitte Juni bekanntgegeben, Verträge für den Kauf von 4,92 Prozent der VW-Stammaktien geschlossen zu haben. Diesen Nachweis hatte die EU-Kommission zur Bedingung gemacht, um überhaupt über die geplante Mehrheitsübernahme von Porsche bei VW zu entscheiden. Hintergrund ist, dass die Kommission bei einem Anteil von 35 Prozent der Stimmrechte ein faktisches Beherrschungsverhältnis sieht. Die Frist, die 4,92 Prozent der VW-Stammaktien tatsächlich auch zu kaufen, laufe am 2. September ab, sagte ein Porsche-Sprecher.

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