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IAA auf Schrumpfkurs: Schlechte Geschäfte, schwindende Akzeptanz

19.08.2019 16:00 Uhr
IAA auf Schrumpfkurs: Schlechte Geschäfte, schwindende Akzeptanz
So voll wie 2017 wird es in diesem Jahr auf der IAA wohl nicht werden.
© Foto: VDA

Für die Automobilindustrie kommt die Messe IAA eigentlich zur Unzeit. Wegen zu hoher Kosten haben viele Hersteller ihre Teilnahme abgesagt. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Protest gegen den PS-Wahn.

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Von Christian Ebner, dpa

Gewinnwarnungen, sinkende Absatzzahlen und Jobverluste: Unmittelbar vor Eröffnung der 68. Internationalen Automobilausstellung (IAA) Pkw in Frankfurt geht es der Branche alles andere als gut. Die Krise hat deutliche Spuren im Programm der Autoschau hinterlassen. Vor allem internationale Hersteller machen in diesem Jahr einen weiten Bogen um die Veranstaltung des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Unter anderem haben alle Japaner bis auf Honda, die US-Hersteller mit Tesla sowie die führenden Unternehmen aus Frankreich und Italien abgesagt.

Auf dem längst nicht ausverkauften Frankfurter Messegelände werden nur noch in vier Hallen neue Autos gezeigt, wobei die deutschen Konzerne VW, Daimler und BMW mit einigen internationalen Einsprengseln wie Hyundai oder Land Rover fast unter sich bleiben. Dazu gesellen sich wie in den Vorjahren noch zahlreiche Zulieferer. Der VDA will dem Schwund mit einem neuen Konzept begegnen, setzt auf noch mehr Diskussionen, die engere Zusammenarbeit mit Digitalfirmen und neue Attraktionen wie eine große Oldtimer-Show.

Die Messlatte liegt hoch

VDA-Sprecher Eckehart Rotter findet Vergleiche mit der Vorgängermesse im Jahr 2017 nicht fair: "Angesichts der gewaltigen Transformation, in der die Branche sich befindet und die sie vorantreibt, wäre es verkehrt, an die IAA alte Messlatten anzulegen wie beispielsweise die belegten Quadratmeter oder die Zahl der Aussteller." Tatsächlich liegt die Messlatte aus 2017 mit rund 1.000 Ausstellern aus 39 Ländern und 810.000 Besuchern ziemlich hoch. Gezeigt wurden vor zwei Jahren laut VDA-Zählung 363 Neuheiten, darunter 228 Weltpremieren.

"Die Autoindustrie fährt in ihre größte Krise seit mehr als 20 Jahren. In diesem Jahr werden weltweit gut fünf Millionen Pkw weniger verkauft werden als im letzten Jahr", beschreibt Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen die globale Lage. Die weltweiten Überkapazitäten lägen damit bei mehr als acht Millionen Autos. Markenhersteller wie Zulieferer stünden vor hohen Investitionen in die Elektromobilität, die in den nächsten Jahren keine nennenswerten Gewinne einfahren werde.

Die Liste der Absagen von Alfa Romeo bis Volvo ist lang. Als globale Nummer zwei hinter Volkswagen begnügt sich beispielsweise Toyota mit der Rolle als Mitveranstalter des "japanischen Abends". Ihre Modelle zeigen die Japaner lieber in einem "Mobility Loft", das beispielsweise bei den Umwelttagen Köln Station machte. Der Verzicht auf einen IAA-Stand gelte aber nur für 2019, für die kommende IAA werde neu entschieden, erklärt Deutschland-Sprecher Thomas Schalberger.


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VDA-Mann Rotter mag die Abtrünnigen nicht kritisieren. "Jeder Hersteller, der 2019 hier nicht vertreten ist, bleibt ein künftiger potenzieller Aussteller", sagt er. Und stellt gleichzeitig fest: "Die grundlegenden Diskussionen über den Wandel der Mobilität können Sie nur auf übergreifenden, internationalen Veranstaltungen führen, nicht auf Hausmessen oder Roadshows. Daher gibt es ein sehr großes Interesse der internationalen Fachwelt, der Journalisten und des Publikums."

Starker Protest der Autogegner

Und der Autogegner, könnte man ergänzen. Im Zeichen der Klimadiskussion formiert sich aktuell weit stärkerer Protest als in den Jahren zuvor. Gefordert wird die Verkehrswende und der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. Umweltorganisationen wie Greenpeace und der BUND, der VCD und die umstrittene Deutsche Umwelthilfe haben gemeinsam zu Großdemonstrationen gegen die IAA aufgerufen. "Betrügerische Autokonzerne feiern dort ihre dicken SUVs und Spritschlucker", heißt es bei ihnen unter anderem.

Noch radikaler gibt sich das Bündnis "Sand im Getriebe", das am ersten Messe-Sonntag (15. September) auch zu illegalen Mitteln greifen will, um die IAA zu blockieren. VDA-Präsident Bernhard Mattes hat den Kritikern Gespräche angeboten. Während "Sand im Getriebe" gleich abgesagt hat, streiten sich die #aussteigen-Organisatoren einstweilen mit dem VDA noch über die geeignete Form der Veranstaltung.

Die typischen Automessen haben sich überlebt, meint Dudenhöffer. Die Neuerscheinungen sind im Vorfeld bestens bekannt, die digitalen Medien machen der analogen und teuren Messe das Leben schwer. Der Experte sieht die IAA in einer Reihe mit der Detroit Motor Show, der Tokyo Motor Show und dem Pariser Autosalon: "Alle brauchen ein Konzept für die Zukunft, sonst wird es eng."

Der VDA-Vertrag mit der Frankfurter Messegesellschaft läuft nach dieser IAA aus, eine neue Übereinkunft gibt es noch nicht. Eine Ausstellung nur mit Diskussionen und ganz ohne Autos mag sich zumindest Rotter dann aber doch nicht vorstellen. "Das haptische Erlebnis würde fehlen. Die Besucher wollen die neuesten Autos fühlen, anfassen, sich hinters Steuer setzen – ohne sich gleich einem Verkäufer erklären zu müssen. Das ist der große Vorteil der IAA."

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KOMMENTARE


Klaus Wedel

19.08.2019 - 18:19 Uhr

Die von Ihnen hier beschriebene rückläufige Akzeptanz der IAA durch die Hersteller mag nicht ausschließlich an der schwierigen Situation der Automobilindustrie liegen, sondern ist auch ein Zeichen für die negative Entwicklung der Akzeptanz des Messestandorts Frankfurt - auch bei anderen Branchenmessen - wie z.B. der "Tendenz", die in diesem Jahr von vielen Ausstellern negativ bewertet wurde.


Volker Röstel

19.08.2019 - 19:06 Uhr

Der letzte Absatz... Nun ja. Auch ich war des öfteren im Publikum.. Von echtem Interesse der Fahrzeughersteller war da nur wenig zu spüren. Von Autos anfassen oder gar probesitzen eher auch nicht. Die Chance läge jetzt genau da.. Keine Studentinnen.. Echte Berater die Ihre Kunden und deren Bedürfnisse von den vorgeschoben Interessen zu unterscheiden vermögen. Und.. Begeistern statt email und Telefonnummern sammeln. Back to the roots.. Oder haben die Hersteller ihre eigene Händlers haft schon aufgegeben und bereiten sich ausschließlich auf das verlockende online Geschäft vor? Da wäre es nur fair nicht jetzt abrupt Millionen Investitionen von den händlerpartnern zu erpressen.


Rico Schmidt

20.08.2019 - 10:44 Uhr

Der letzte Absatz ist schon richtig. Es wimmelt auf solchen Veranstaltungen vor lauter "Interessenten", die "nur mal gucken wollen". Ein Verkäufer lebt von den verkauften Fahrzeugen, nicht vom beraten und zeigen. Das vergessen leider immer mehr.


Thomas Huefner

20.08.2019 - 10:55 Uhr

Der Rückgang wichtiger und interessanter Aussteller kann ich schon lange beobachten. Und nicht nur zur IAA auch die Automechaniker wird immer weniger attraktiv für Besucher.Ich besuche diese beiden frankfurter Messen seit 1977. So langweilig wie die letzten beiden Jahre war es noch nie.


marclarsen

20.08.2019 - 14:42 Uhr

Messen....das war mal was, wie die Hüpfburgen im Autohaus beim Tag der offen Tür oder Präsentation neuer Modell. Fast jeder hat seine "Messe" mittlerweile im Internet quasi abbrufbar. Die wenigen, die mal in einem "Boliden" sitzen wollen oder einfach Fans sind, gerne Prospekte u.ä. sammeln. Und wie ein Vorredner schon geschrieben hat, die Zahl derer, wie wegen der Damen vor Ort kommen auch nicht unerheblich! Glauben Sie mir, als MA eines Herstellers habe ich oft Tage am Stand verbracht. Man muss die Massen mal beobachten. :-) Ganz zu schweigen von den Preisen die Otto-Normalbürger da berappen muss wenn er Durst und Hunger hat. Steht in keinem Verhältnis mehr zu Qualität....


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