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Prof. Willi Diez über Dieter Zetsche: Macher statt Visionär

Prof. Willi Diez über Dieter Zetsche
Macher statt Visionär
Dieter Zetsche 2017 bei einer Fahrzeugpremiere in Genf
© Foto: Mercedes-Benz

Seine Vorgänger bei Daimler waren mit ihren großen Plänen noch gescheitert. Dieter Zetsche machte es besser und brachte den Konzern wieder auf Kurs. In AUTOHAUS würdigt Prof. Will Diez das Schaffen von "Dr. Z". Ein Auszug.

Von Prof. Willi Diez

Als bekannt wurde, dass der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung im Juli 2005 Dieter Zetsche zum neuen Vorstandsvorsitzenden von DaimlerChrysler gewählt hat, rief mich ein Journalist an und bat um eine Einschätzung zu dieser Personalie. Nach einem längeren Gespräch fragte er mich plötzlich: "Aber hat denn Zetsche überhaupt eine Vision?" und ebenso spontan und ehrlich antwortete ich: "Ich hoffe sehr, dass er keine Vision hat, denn immer, wenn ein Vorstandsvorsitzender bei Daimler eine Vision hat, wird es für den Konzern teuer." Dabei dachte ich natürlich an seine beiden Vorgänger: Edzard Reuter, der mit seiner Vision vom "integrierten Technologiekonzern" ebenso krachend gescheitert war wie Jürgen E. Schrempp mit seiner Vision von der "Welt AG".

Nein, Daimler brauchte im Jahr 2005 keine Vision und keinen Visionär, sondern einen Macher. Der einst als "Hochzeit im Himmel" titulierte Zusammenschluss mit Chrysler erwies sich schon bald als Hölle, Mercedes war dabei seine Marktführerschaft im Premiumsegment an BMW zu verlieren und Führungskräfte und Mitarbeiter waren zunehmend verunsichert über den Kurs des Unternehmens. Dazu kamen ganz handfeste Probleme: die Modellpalette von Mercedes war wenig attraktiv, in der Motorentechnik hinkte die Marke mit dem Stern den Wettbewerbern aus München und Ingolstadt bedenklich hinter her und permanente Qualitätsprobleme drückten nicht nur auf das Image, sondern kosteten auch viel Geld. Was das Unternehmen im Jahr 2005 brauchte, war ein Manager, der wusste, wo er anpacken musste und der sich nicht zu schade war, auch in die Niederungen des Alltagsgeschäfts hinabzusteigen. Für neue, hochfliegende Pläne war da kein Platz.

Dieter Zetsche 2018 bei der offiziellen Abschiedsfeier von Prof. Willi Diez (Mitte) in Geislingen.
© Foto: Prof. Hannes Brachat/AUTOHAUS

Dieter Zetsche war der Richtige. Er kannte nicht nur das Geschäft, sondern auch das Unternehmen. 1976 war er als Hochschulabsolvent in die Forschungsgruppe bei Daimler eingestiegen, avancierte schnell zum Assistenten des technischen Leiters der Nutzfahrzeugentwicklung und übernahm schon bald eigene Entwicklungsverantwortung. 1987 startete seine internationale Karriere, die ihn über Brasilien und Argentinien schließlich in die USA zur amerikanischen LKW-Tochter Freightliner führte, deren Präsident er bis 1991 war. Zurück in Deutschland wurde er 1992 Entwicklungschef für die Mercedes-Pkw.

Ein Ingenieur als Vertriebschef

Helmut Werner, der damalige Chef der Mercedes-Benz AG, erkannte, dass der Ingenieur Zetsche mehr Talente hatte als nur die Technik. Im Jahr 1995 übernahm Zetsche den Vorstandsbereich Vertrieb, was damals im Unternehmen als kleine Sensation empfunden wurde: Ein Ingenieur als Vertriebschef, wann hatte es das schon mal gegeben? Werner schätzte nicht nur die kommunikativen Talente von Dieter Zetsche, sondern auch die Tatsache, dass er einer der wenigen auf der Führungsetage war, der exponiert seine eigene Meinung vertrat und nicht immer abnickte, was der Vorstandsvorsitzende für richtig hielt. Die Zusammenarbeit mit Zetsche war für Werner jene Form des "konstruktiven Konflikts", die er sich wünschte und die er einmal als die "Mutter des Erfolgs" bezeichnete. (…)

Die komplette Würdigung lesen Sie in der AUTOHAUS-Ausgabe 11/2019, die am 3. Juni erscheint. Mehr unter https://next.autohaus.de

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