Für Andreas Förch stand sein Berufswunsch schon zu Beginn seines Maschinenbaustudiums an der TU Karlsruhe fest: Der heute 50-Jährige war vom Spezialbereich Analytik und Forensik fasziniert, wählte seine Kurse entsprechend und verbrachte seine Semesterferien mit der Erstellung von Skizzen sowie Literaturrecherche. Ebenso zielstrebig verlief sein weiterer Werdegang: So stieg er nach erfolgreichem Abschluss zunächst auf freiberuflicher Basis im Vorgängerbüro von Peuser und Förch mit ein, wo er heute als Partner fungiert.
Im Gespräch mit AUTOHAUS erläutert der erfahrene Diplom-Ingenieur, welche persönlichen Voraussetzungen Kfz-Sachverständige mitbringen müssen, wie sich die Arbeitsmittel verändert haben und warum sein Job niemals langweilig wird.
Extrem breites Arbeitsfeld
AH: Herr Förch, was hat sich durch die Übernahme Ihres Büros geändert und wo liegen die Schwerpunkte der täglichen Arbeit?
A. Förch: Peuser und Förch profitiert vor allem davon, dass wir dank TÜV SÜD auf einen anderen Personalpool zugreifen können. Trotz unserer sehr guten Auftragslage war nur ein begrenztes Wachstum möglich, da wir in unserem hoch spezialisierten Bereich die zeitnahe Bearbeitung nicht in allen Fällen gewährleisten konnten.
Hauptthema sind für uns die Rekonstruktion von Verkehrsunfällen aller Art, sowohl in Zivil- als auch in Strafverfahren. Dazu prüfen wir Plausibilität und Kompatibilität und nehmen verschiedenste Fragestellungen unter die Lupe: Wie hoch war die Belastung der Insassen und passen die Verletzungen zum Unfallhergang? War ein Crash bemerk- oder vermeidbar? Handelt es sich um einen Arbeitsunfall, einen Betrugsversuch oder Unfallflucht? Wurde ein Fahrzeug bewusst als Waffe eingesetzt? Von der eigentlichen Aufnahme am Ort des Geschehens bis zur endgültigen Klärung können Wochen, Monate oder sogar Jahre vergehen.
Sachverstand und Charakter
Auch als Unfallanalytiker müssen Kfz-Sachverständige auf der Höhe der Fahrzeugtechnik sein. Welche zusätzlichen Eigenschaften würden Sie jungen Kollegen empfehlen?
A. Förch: Grundvoraussetzung ist ein Ingenieurstitel in Fahrzeugtechnik oder Maschinenbau, darauf aufbauend gibt es einen Masterstudiengang in Unfallrekonstruktion. Es muss jedem SV bewusst sein, dass er oder sie vor allem Methodenwissen erwirbt, um sich in die Lage zu versetzen, fundiert Stellung zu komplexen Sachverhalten zu nehmen. Unerlässlich ist zudem ständige Weiterbildung durch Tagungen und Seminare, den Austausch mit Kollegen, aber auch den Besuch von Crashversuchen oder das Lesen von Fachzeitschriften.
Darüber hinaus sollte man zuverlässig, neugierig und unempfänglich gegenüber Ablenkungen sein. Ich persönlich war schon immer fasziniert davon, in akribischer Kleinarbeit einzelne Spuren zu einem Gesamtbild zusammenzutragen und zu visualisieren, wie sich ein Unfall abgespielt hat. Neben der sprichwörtlichen Objektivität und Neutralität sollte man komplizierte Sachverhalte gut zusammenfassen und erklären können, immerhin gehört das zu den Kernaufgaben vor Gericht gegenüber Richtern oder Staatsanwälten. Nützlich ist auch grundsätzliches Wissen aus angrenzenden Gebieten wie Medizin oder Verkehrsrecht. Man sollte sich zudem darüber im Klaren sein, dass gerade vor Gericht der Druck auf die Sachverständigen hoch ist. Manche Fälle sind zudem auch emotional belastend, etwa wenn Kinder involviert sind. Hier ist es wichtig, dass der SV nicht nur im Büro, sondern vor allem im familiären Umfeld die Möglichkeit hat, dies in Gesprächen zu verarbeiten.
Hightech-Unterstützung
Wo liegen die Grenzen Ihrer Tätigkeit?
A. Förch: Auf der einen Seite ist mein Beruf enorm abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere und man lernt Persönlichkeiten aus der kompletten Bandbreite der Gesellschaft kennen. Vom - mit Verlaub - einfachen Verstand bis zum hochgebildeten Akademiker müssen wir alle richtig ansprechen und unsere Erkenntnisse verständlich machen, egal wie interessiert oder technikaffin eine Person ist. Bei allem Ehrgeiz darf man aber die gebotenen Grenzen nicht überschreiten und muss neutral bleiben. Auch wenn ich eine Entscheidung als ungerecht empfinde, so ist es "nur" meine Aufgabe, dem Richter das technische Rüstzeug zur Verfügung zu stellen, damit er die Entscheidung treffen kann.
Mit welcher Spezialausrüstung gehen Sie auf Spurensuche, direkt am Unfallort und am Schreibtisch im Büro?
A. Förch: Hier muss man unterscheiden, denn an der eigentlichen Unfallstellenarbeit hat sich nicht so viel geändert wie viele denken. Natürlich gibt es inzwischen nicht mehr nur Kreidemarkierungen, sondern auch 3D-Laserscanner und Drohnenbilder aus der Luft, aber die größten Veränderungen haben sich mit Sicherheit bei der Auswertung der Fahrzeugdaten ergeben. Neben den EDR-Informationen aus den Steuergeräten können wir auch digitale Spuren wie die Bewegungsprofile aus Handys oder die Trackingdaten von Mietwagen heranziehen. Was die Simulationssoftware angeht, so gibt es die Standard-EDV namens PC Crash schon seit mehr als 20 Jahren. Allerdings ist der Funktionsumfang wahnsinnig gewachsen: Skizzenanalyse, Weg-Zeit-Berechnung, Sichtgrenzen, mögliche Verdeckung – die Optionen sind fast endlos. Wir müssen immer wieder feststellen, dass die menschliche Wahrnehmung überfordert ist, egal wie sicher die Zeugen sich in ihren Aussagen sind, was wie passiert ist. Umso hilfreicher sind Simulationen, ob Herr Müller den Unfall von seinem Küchenfenster aus überhaupt gesehen haben kann oder nicht. Künftig werden wir vermehrt entscheiden müssen, ob zur Verfügung gestelltes Material echt ist oder nicht, Stichwort Deepfakes.
TÜV SÜD sucht in Baden Württemberg Verstärkung
Kfz-Sachverständige, die bereits die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, oder sich eine Weiterbildung in Richtung Unfallanalytik/Forensik vorstellen können, aufgepasst: Mit dem Büro Peuser & Förch ist einer der namhaftesten Arbeitgeber mit diesem Spezialgebiet unter dem Dach der Marke TÜV SÜD aktuell auf Wachstumskurs und sucht deshalb motivierte Kollegen. Wer sich also für akribische Detailarbeit begeistern kann, vor Gericht seinen Mann oder seine Frau stehen und neutrale Argumente dafür finden möchte, dass die wahren Unfallursachen ans Licht kommen, der kann sich direkt bei unserem Interviewpartner Andreas Förch unter 07132/99393-0 bzw. per Mail (andreas.foerch@tuvsud.com) melden.