Doch mit der reinen Verfügbarkeit selbst des modernsten Equipments alleine ist es längst nicht getan. Entscheidend sind jahrelange Erfahrung aus einer Vielzahl von völlig unterschiedlichen, aber gleichermaßen auch von ähnlich gelagerten (vergleichbaren) Unfällen. Um am Ende eines Beweissicherungsverfahrens ein rechtssicheres unfallanalytisches Gutachten erstellen zu können, braucht es grundlegende technische Kenntnisse. Gleichermaßen muss der Sachverständige mit physikalischen Abläufen vertraut sein, Plausibilitätsprüfungen beherrschen und die Entwicklungsschritte hin zum autonomen Fahren aktiv begleiten. KI-Anwendung, digitales Arbeiten und die Beherrschung der Forensik sollten ebenfalls selbstverständlich sein.
Und gerade weil es bei heutigen Fahrzeugen nicht reicht, einfach mal ein SV-Büro für Unfallanalytik zu eröffnen, ging TÜV SÜD den anderen Weg der Übernahme eines erfahrenen Büros mit entsprechender Expertise (siehe hierzu auch unsere vorstehende Meldung von heute).
"Mit die anspruchvollsten Begutachtungs-Disziplinen"
Die konkreten Beweggründe erläuterten gegenüber unserer Redaktion zwei Verantwortliche des TÜV SÜD, denen wir zwei ganz konkrete Fragen gestellt haben:
AH: Herr Schmickler, warum war es aus Ihrer Sicht für TÜV SÜD zielführender, ein hoch spezialisiertes Büro zu übernehmen, anstatt die Expertise im Konzern selbst aufzubauen?
M. Schmickler: Unfallanalytik und Forensik zählen zu den anspruchsvollsten Disziplinen der technischen Begutachtung. Sie erfordern ingenieurwissenschaftliches Know-how, Erfahrung, methodische Präzision und Neutralität – insbesondere im gerichtlichen Kontext. Mit der Integration des renommierten Büros Peuser und Förch hat sich TÜV SÜD bewusst für Exzellenz entschieden. Der Aufbau vergleichbarer Expertise ausschließlich im Konzern hätte Jahre in Anspruch genommen. Durch die Akquisition konnten ausgewiesene Spezialisten, bewährte Methoden und eine hohe fachliche Reputation unmittelbar integriert werden.
Die externe Spitzenexpertise wird systematisch mit internen Kompetenzen aus Fahrzeugtechnik, Datenanalyse und Prüfwesen verknüpft. So entsteht ein einzigartiges Leistungsportfolio, das sowohl spezialisierte forensische Fragestellungen als auch eine Einbindung in Schaden‑, Prüf- und Entscheidungsprozesse ermöglicht
AH: Herr Gienger, wie können der Mobilitätsbereich von TÜV SÜD und die entsprechenden Kfz-Sachverständigen von dieser Vorgehensweise profitieren?
R. Gienger: Durch die Integration von Peuser und Förch Ingenieure gewinnt TÜV SÜD ein zusätzliches leistungsfähiges Kompetenzzentrum für komplexe und strittige Fragestellungen. Somit erwerben wir zusätzliche Kompetenz und erweitern damit unsere Lieferfähigkeit in überschaubarer Zeit. Die Kfz‑Sachverständigen profitieren von direktem Zugriff auf diese forensische Spezialexpertise sowie dem breiten Erfahrungsschatz und Leistungsportfolio aus jahrzehntelanger Erfahrung.