Trotz bekannter Unfallgefahren: "Rund eine Milliarde Handyverstöße pro Jahr"

15.06.2026 06:28 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Wer laut ADAC auch nur wenige Sekunden auf das Display schaut, ist im Stadtverkehr praktisch blind unterwegs. Würden alle potenziellen Verstöße aufgedeckt und geahndet werden, müsste das KBA in Flensburg zusätzlich eine Milliarde "Punkte" verwalten  – pro Jahr.
© Foto: ADAC

Eine eben vorgestellte, aktuelle Verkehrsbeobachtung des ADAC belegt eine weiterhin enorm hohe Unfallgefahr und gleichzeitig auch eine sehr hohe Dunkelziffer, wenn es um. die Nutzung des Handys am Steuer geht. Zwar wüssten die Menschen um die Gefahr, würden das Smartphone aber trotz alledem sowohl beim Autofahren, als auch auf dem Fahrrad nutzen.

Handyverstöße am Steuer sind nach einer aktuellen Untersuchung des ADAC trotz der hohen Unfallgefahr weiterhin stark verbreitet. Während jährlich rund 400.000 Fälle registriert werden, müsse davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer um "ein Vielfaches höher" ist. In einer aktuellen Verkehrsbeobachtung mit Fokus auf den fließenden Verkehr in fünf deutschen Großstädten wurden bei 2,7 Prozent der Kfz-Fahrer Handyverstöße festgestellt.

Dunkelziffer und Blindflug-Gefahren extrem hoch

Rechne man dieses Ergebnis auf das gesamte Kfz-Verkehrsaufkommen in Deutschland im Jahr hoch, ergibt sich daraus laut ADAC "eine enorme Zahl von rund einer Milliarde Verstöße – und damit ein hohes Risiko für die Verkehrssicherheit".

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Radfahrer mit 1,4 Prozent seltener Handyverstöße begehen und dass unabhängig vom Verkehrsmittel bei einem Großteil der Verstöße das Handy in der Hand und nicht am Ohr gehalten wird. Wer tippt oder etwas auf dem Smartphone sucht, wendet den Blick und die Aufmerksamkeit von der Straße ab, mit potenziell gravierenden Folgen. Denn wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur 2 Sekunden auf sein Handy schaut, fährt 28 Meter im "Blindflug" und riskiert so, einen Unfall zu verursachen.

Hohe Zustimmung für sogenannte "Handy-Blitzer"

Ergänzend belegt eine repräsentative Umfrage die hohe Verbreitung und das große Risikopotenzial. Mehr als jeder zweite Autofahrer gibt an, das Smartphone schon einmal während der Fahrt genutzt zu haben. 41 Prozent berichten zudem von gefährlichen Situationen im Straßenverkehr im Zusammenhang mit der Handynutzung anderer Verkehrsteilnehmer. Gleichzeitig besteht in der Bevölkerung eine breite Zustimmung für konsequentere Maßnahmen: Rund 70 Prozent sprechen sich für den Einsatz sogenannter Handy-Blitzer aus, die Verstöße automatisiert erfassen können.

Aus Sicht des ADAC ist deshalb kurzfristig eine deutliche Ausweitung der Kontrollen ein wichtiger Schritt. Mittelfristig fordert der Mobilitätsclub, die rechtlichen Voraussetzungen für den flächendeckenden Einsatz von Handy-Blitzern zu schaffen. Ziel muss sein, durch konsequente Maßnahmen die Ablenkung im Straßenverkehr zu reduzieren und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

Teststädte und Ergebnisse in der Zusammenfassung

Der Test fand in fünf deutschen Großstädten (Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München) statt. In einer Vor-Ort-Verkehrsbeobachtung durch Tester an viel befahrenen Straßen im Stadtgebiet wurden bei 9573 Kfz-Fahrern 262 Handyverstöße registriert und bei 9239 Radfahrern 125 Verstöße.

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