Die Europäische Kommission sieht den bestehenden Wettbewerbsrahmen im automobilen Aftermarket bestätigt – zugleich rücken neue Konfliktfelder in den Fokus. Nach der am Donnerstag vorgestellten Evaluierung der Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (Kfz-GVO) und der begleitenden Leitlinien hebt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die Bedeutung der Regelung hervor, fordert jedoch Nachbesserungen beim Zugang zu Fahrzeugdaten.
Nach Darstellung des ZDK kommt die EU-Kommission zu dem Ergebnis, dass sich der bestehende Rechtsrahmen bewährt habe und weiterhin eine zentrale Grundlage für fairen Wettbewerb im Aftermarket darstelle. "Die EU-Kommission bestätigt damit, was das Kfz-Gewerbe seit Jahren betont: Die Kfz-GVO ist unverzichtbar, um fairen Wettbewerb zwischen herstellergebundenen und unabhängigen Marktteilnehmern sicherzustellen und Verbraucherinnen und Verbrauchern Wahlfreiheit sowie wettbewerbsfähige Preise zu gewährleisten", erklärte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn laut einer Mitteilung.
Laut Verband zeigt die Bewertung allerdings auch, dass sich die Rahmenbedingungen im Zuge von Digitalisierung und Elektrifizierung verschieben. Immer stärker entscheidet demnach der Zugang zu Daten und Software darüber, ob unabhängige Werkstätten ihre Rolle im Markt behaupten können. Technische Informationen, Diagnosedaten und digitale Funktionen werden zu kritischen Ressourcen.
Der ZDK sieht hier erheblichen Handlungsbedarf und warnt vor schleichenden Wettbewerbsverzerrungen. "Die Kommission benennt die Defizite beim Datenzugang klar. Jetzt kommt es darauf an, daraus die richtigen regulatorischen Konsequenzen zu ziehen. Ohne einen diskriminierungsfreien Zugang zu Fahrzeugdaten und softwarebasierten Funktionen droht der Wettbewerb im Aftermarket schrittweise ausgehöhlt zu werden", so Peckruhn.
Im Zentrum der Debatte stehen insbesondere neue technische Schnittstellen und digitale Dienstleistungen. Software-Updates, Ferndiagnosen, Over-the-Air-Funktionen sowie fahrzeuggenerierte Daten gewinnen für Wartung und Reparatur zunehmend an Bedeutung. Nach Auffassung des ZDK müssen diese künftig rechtssicher und ohne Benachteiligung auch unabhängigen Marktteilnehmern zugänglich sein.
Die Evaluierung der Kommission markiert den Auftakt für die weiteren politischen Beratungen zur Zukunft der Kfz-GVO. In diesem Prozess will sich der ZDK gemeinsam mit seinen europäischen Partnerverbänden aktiv einbringen – mit dem Ziel, die Wettbewerbsregeln an die veränderten technischen Realitäten anzupassen.