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HB ohne Filter: Agenturmodell für die Branche +++ Winterkorn, Stadler & Co. +++ Auto-Abo +++ Stackmann for Future +++ Sprachkorrekturen

© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

präsentiert von



Datum:
04.06.2021
Lesezeit: 
10 min

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Das Agenturmodell für die Branche +++ Deutsche Juristen-Malaise Winterkorn, Stadler & Co. +++ Das Auto-Abo - die neue Perspektive +++ Stackmann for Future +++ Behördliche Sprachkorrekturen

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Montag, 31. Mai 2021

Das Agenturmodell für die Branche

AUTOHAUS hat über den Branchenexperten Walter Missing und Prof. Tim Vogels das Konzept "reine Agentur" in mehreren Beiträgen dargestellt. VW hat das Agenturmodell für E-Autos vorgestellt, und es wird bei weiteren Marken kommen. Einer der Gründe sind die Exzessen, die vertriebspolitisch in Sachen Preis gefahren werden. Aktuelles Beispiel Sixt Neuwagen (siehe Abbildung). Jetzt bis zu 44 Prozent beim Neuwagen sparen.

Sixt Neuwagenangebote
© Foto: Sixt

Wie geht das? Woher kommen diese preispolitischen Möglichkeiten? Sixt Neuwagenverkauf, ohne jegliche Vorgabe irgendwelcher Standards? Dieser ominöse Schattenhandel am Handel vorbei sollte unter dem Aspekt fairer Wettbewerb dringlich eingegrenzt werden.

Stellantis hat letzte Woche seine Vertragskündigung der Händlerschaft zugestellt. Die Strategie: man will das "Stellantis House" schaffen. Also, Stellantis schafft die Möglichkeit, künftig mehrere Marken unter einem Dach zu vertreiben, als es andere Hersteller ermöglichen. Welche Wandlung? Dennoch hat sich jeder Händler damit zu beschäftigen, ob er mit der künftigen Neuwagen-Marge zwischen fünf und acht Prozent klar kommt? Da musste man zwischen Peugeot und Opel noch eine Zwischenwand einziehen! Und über diese neue Drehschraube wird eine weitere Selektion im Handel stattfinden. Aber nicht nur für Klein- sondern gleichermaßen für Großbetriebe. Einige Händler steigen bei Stellantis aufgrund der Vertragskündigung aus, nehmen die Händlerausgleichszahlung mit und schließen Standorte. Es entsteht der Eindruck, man nimmt den Handel mit auf der virtuellen Vertriebsschiene solange man ihn braucht und reduziere ihn auf "Service-Perspektive". Sollte das Ganze atmen und für Händler rechenbar sein, wäre eben ein Hersteller-/ Importeursentwurf notwendig, der den Händlern offen zeigt, was strategisch als Orientierung für die nächsten zehn Jahre Sache ist!

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Dienstag, 1. Juni 2021

Deutsche Juristen-Malaise Winterkorn, Stadler & Co

Seit September 2015 wirkt der VW-, Audi-Betrugsskandal Tag um Tag. Er hat VW bis heute mehr als 30 Milliarden Euro gekostet. Welche investiven Zukunftsgelder, welch mögliche Händlermargen wurden da vernichtet? Noch immer wird gesucht, wer für diesen Betrug die Verantwortung zu tragen hat? Oder, welche privaten Regressforderungen stellt der Konzern an betroffene Konzernmanager?

Die Akte Winterkorn

Mitte September soll nun beim Landgericht Braunschweig der Strafprozess gegen Martin Winterkorn (74) und andere VW-Manager beginnen. Die Anklage: Betrugsverdacht. Es wurden schmutzige Dieselfahrzeuge als umweltfreundliche Autos verkauft. Winterkorn ist sich darüber im Klaren, dass er niemanden betrogen habe. Haben nun die, die an den Motoren herumgedoktert haben den Betrug zu verantworten oder der Chef, weil der Chef immer die "politische Verantwortung" trägt? VW hat über die Kanzlei Gleiss Lutz ein umfassendes eigenes Untersuchungsergebnis ermittelt. Dazu wurden 1,6 Millionen Daten gesichtet! Welch ein Wahnsinn!! Danach soll Winterkorn einzig gegen Fahrlässigkeit verstoßen haben. Das war es dann. Das VW-Ergebnis wird Winterkorn in Braunschweig nun einreichen. Es soll ihn entlasten.

Jetzt will man im Konzern die Sache endlich vom Tisch haben und einen Vergleich schließen, an dem jeder als Sieger vom Tisch aufsteht. Winterkorn soll 11,1 Millionen Euro aus seiner Privatschatulle an den Konzern zahlen. Frage: Weshalb stellte der Konzern vor zwei Monaten noch eine Milliardenforderung? Das hängt mit der Manager-Haftpflichtversicherung zusammen. Die Police ist auf 500 Millionen Euro ausgestellt und hat Wirkung bei fahrlässiger Pflichtverletzung. Wird Winterkorn wegen Betrugs verurteilt, kommt die Versicherung mit Null Anspruch davon. Siehe da, man einigt sich vorab auf der Mitte des Weges. Was sich auch für Rupert Stadler positiv auswirken wird. Man wird sehen, wie diese Dauer-Malaise zur VW-Hauptversammlung im Juli pariert wird. VW will eigentlich mit dem Gleiss-Lutz-Report einen Schlussstrich unter die "Dieselkrise" ziehen und sich auf seine E-Zukunft konzentrieren.

Die Akte Stadler

Die Akte Stadler wird jeden Dienstag und Mittwoch in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim verhandelt. Inzwischen fand der 45. Verhandlungstag statt. 142 sind als Minimum angesetzt. 300 Zeugen (!) werden noch erwartet. Es ist erstaunlich, wer sich da an was nicht mehr erinnern kann. Nachdem ich in Stadelheim zehn Jahre sonntags als Gefängnisorganist wirkte, stelle ich mir vor, was diese Verhandlungstortur im Keller der Anstalt für Rupert Stadler bedeutet. Er war immerhin über Jahre Büroleiter von Ferdinand Piech und führte den Audi-Konzern von 2007 bis 2018 mit sichtbaren Erfolgen. Jetzt soll der sympathische Bauernsohn aus dem Altmühltal (Titting) möglicherweise in den Knast? Er sieht sich im ganzen Prozessgeschehen, das bis Ende 2022 dauern soll, als Opfer. Ihm wird nicht die Manipulation von Dieselabgaswerten zum Vorwurf gemacht, er hat ja nie selber Motoren entwickelt, sondern dass er die Audi-Dieselfahrzeuge noch mit der betrügerischen Dieselsoftware im europäischen Markt verkauft hat, als der Betrug bereits bekannt war. Sprich "Gewerbsmäßiger Betrug durch Unterlassen." Vermutlich wird er eine Bewährungsstrafe erhalten. Dafür braucht man in Deutschland 180 Verhandlungstage. Wir alle wollen gewiss den demokratischen Rechtsstaat. Das ruft, nein schreit wie in den überbordenden Bürokratiemonstern dringlich nach Vereinfachung. Im Interesse der Demokratie und der Freiheit.

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Mittwoch, 2. Juni 2021

Das Auto-Abo - die neue Perspektive

Diese Woche setzte die DAT einen mentalen Riegel vor das Auto-Abo. Nur ein Prozent aller Autokäufer hat sich angeblich bisher intensiv mit Auto-Abos beschäftigt. Vier Prozent der Gebrauchtwagenkäufer. Fakt: Da ist für einen Durchbruch noch viel Aufklärungsbedarf angesagt. Schaut man die Wachstumsraten der vielfachen Auto-Aboanbieter an, so können diese für sich auf markante Zuwächse verweisen.

Das Auto-Abo-Engagement der Automobilhersteller/Importeure fällt zur Stunde noch zurückhaltend aus. Weshalb? Abermals liegt es an der überschaubaren Ertragsstärke des Modells. Und dennoch, sie werden sich beteiligen müssen. Treten die Hersteller aktiv in die Handelsszenerie ein, so muss festgestellt werden, dass die direkten Abo-Systeme der Hersteller/Importeure das Fahrzeugvolumen im Handel reduzieren wird. Die Hersteller/Importeure werden zum direkten Wettbewerber des Handels. Ist das vertraglich so möglich? Und wenn, sie betreiben Verdrängungswettbwerb. Was, wenn die Hersteller als Abobetreiber ihre Offerten unter Händler-Einstandspreis offerieren? Ergo: Da gilt es noch einige Abo-Hürden zu nehmen.

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Donnerstag, 3. Juni 2021

Stackmann for Future

Vor zwei Wochen hielt Ex-VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann als Dozent an der Hochschule in Geislingen seine Antrittsvorlesung. Ich habe seine Inhalte in AUTOHAUS-Online am 25. Mai 2021 ausführlich dargestellt. Es sei mir gestattet, ein ganz essentielles Thema daraus besonders hervor zu heben.

Schaue ich mir die Verlautbarungen der ganz großen und furchtbar gescheiten Unternehmensberatungsgesellschaften an, dann wird das traditionelle Geschäftsmodell der Händler auslaufen. Sie sind der Auffassung, dass der Direktvertrieb über die Hersteller am besten abgewickelt wird. Es gibt aber ja auch Marken mit drei Prozent und weniger Marktanteil, wie soll das möglich sein? Wer - je nach Marke - gegenwärtig das Tohuwabohu vor Augen hat - Thema Lieferzeiten - kann da nur den Kopf schütteln. Oder man stellt dem Händler einfach 50 Einheiten auf den Hof, die er gar nicht bestellt hat und die, die er geordert hat, kommen im Herbst. Und wie funktioniert das im Direktvertrieb, wenn der Händler "als Lunge des Herstellers" ausfällt?

Die Hersteller wollen schlichtweg nicht, dass der Händler die persönlichen Kundendaten hat. Ebenso, so sagen sie, muss die Preisstrategie in Herstellerhand bleiben. Im Neu- wie im Gebrauchtwagenschäft. Die Hersteller werden künftig im E-Geschäft pro Einheit weniger verdienen. Ergo muss die Marge gedrückt werden. Das reine Agenturmodell soll die Lösung zu sein. Ja, solange die Agentenmarge für den Handel stimmt. VW hat als Marktführer die Zeichen dafür gesetzt. Jetzt rennen alle anderen im Herdentrieb hinterher.

Nun zu den Stackmann-Aussagen. Stackmann machte deutlich, dass Strategiearbeit die Haupttätigkeit des Managements ist, eigene Arbeit, die man nicht einfach extern zukaufen kann. Sprich, der Hersteller selber ist gefordert. Nicht die KPMGs & Co.

Und wie bereitet sich ein Student/eine Studentien auf die Tätigkeit in der Automobilbranche vor? Stackmann: "Stellen sie sich breit auf, nehmen sie alle neuen Jobs im In- und Ausland mit, zeigen sie immer, dass sie lernen wollen und besonders den Handel wirklich kennen- und damit schätzenlernen." Die Betonung liegt auf wirklich. Stackmann empfiehlt vor dem Studium eine Lehre oder spätestens zwischen Bachelor- und Masterstudium. Es soll ja jetzt eine Vorstandsvorsitzende der größten Wirtschaftsnation Europas werden, die noch nicht einmal Abteilungsleiterin in einem Unternehmen war? Was man sehen muss sind Realitäten. Und die Damen und Herren in ihren exquisiten Beratungshäuser mögen sich dringlichst den Realitäten annehmen, und nicht jeden Tag virtuell-visionären Schaum schlagen.

Jürgen Stackmann
© Foto: IfA

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Freitag, 4. Juni 2021

Behördliche Sprachkorrekturen

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch überzogener Akkuratesse sich Behörden & Co. aufhalten. Ein Gruß von der Stadt Cottbus, den Frank Pilzecker souverän beantwortet. Und das mit dem Nachsatz: "Das Böse liegt im Auge des Betrachters." Anderes Beispiel: Da gibt es beispielsweise die Neger als Nebenfluss der Ruhr. Und die Neger fließt durchs Tal der Neger. Auch das Örtchen Neger gibt es. Und die Blasmusik nennt sich dort die "Musikanten aus dem Negertal". Das ist rassistische Sprache und soll durch einschlägige Kreise geändert werden. Welche Sorgen haben diese Menschen?

Schreiben an die Stadtverwaltung Cottbus
© Foto: Prof. Hannes Brachat

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Spruch der Woche:

"Der stärkste Feind der Demokratie ist die Gleichgültigkeit." (Norbert Stoffel)

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 11. Juni 2021!

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KOMMENTARE


Mathias R. Albert

04.06.2021 - 17:18 Uhr

Wie ABO mit dem Handel geht, zeigen die Beispiele Hyundai, Renault und auch BMW group in Österreich und der Schweiz powered by ViveLaCar. Das hat Zukunft - da braucht es keine Trittbrettfahrer und auch keine 40% Rabatt auf Neuwagen durch Fremdanbieter.


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