HB ohne Filter vom 20. Mai 2011
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Heute zu den Themen: Reifengeschäft, Seat-Hattrick, E-Mobilität – mit oder ohne Kaufanreize, Tag des Ausbildungsplatzes, OBI und das Kfz-Gewerbe.
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16. Mai - Montag
Reifengeschäft. Lassen Sie mich einige Testfragen zum Thema Reifenmanagement stellen:
- Wie groß ist das jährliche Reifenersatzvolumen im deutschen Markt?
- Wo lassen die Autofahrer ihre Reifen wechseln?
- Wie viel bezahlen die Autofahrer im Branchenschnitt für den Räderwechsel?
- Wie viele Kunden kennen die Reifenmarke, die sie fahren?
- Wie viel bezahlt der Kunde im Branchenschnitt für die Einlagerung der Räder im Autohaus?
- Wer ist der größte Reifenhersteller der Welt?
- Wer ist Reifen-Marktführer in Europa?
- Wie hoch kann der Benzinverbrauch über Leichtlaufreifen, sprich Ökoreifen reduziert werden?
- Haben Sie schon mal von den Reifenmarken Achilles, Doublestar, EP Tyres, Event, Fullrun, Heidenau, Infinity, Interstate, Junyu, Roadstone, Rockstone, Wanli, Westlake, Sonar, Stunner, Sunny, Meteor, Montana gehört? Das sind No-Name-Marken.
- In welchem Leistungsbereich verdient man im Autohaus mit dem Reifengeschäft überhaupt Geld?
- Wie lange dauert ein Kompletträderwechsel im Autohaus?
Wer alle elf Fragen beantworten kann, hat das Thema "Reifen-Management" voll drauf! Gratuliere! Wer fünf Fragen richtig beantworten kann, ist schon ganz gut. Wer voll im Dunkeln tappt – was nicht schlimm ist –, sollte zumindest die Offenheit in sich tragen, um mehr Professionalität in Sachen Reifengeschäft einzubringen. Warum? Der TÜV Rheinland stellt für den Vertragshandel im Radwechselgeschäft einen Marktanteil von 35 Prozent fest. Dieser Anteil stagniert. Freie Werkstätten – inkl. freie Reifenfachhändler – generieren 36 Prozent, die Werkstattketten von Bosch über ATU bis Pit Stop halten 26 Prozent Marktanteil. Laut TÜV Rheinland wird für den Räderwechsel im Branchenschnitt 29 Euro (zzgl. MwSt.) bezahlt (Premiummarken 35 Euro, nicht Premium 28 Euro). Für die Einlagerung legen Kunden im Branchenschnitt 24 Euro hin, inklusive Räderreinigung 26 Euro (Premium 28 Euro, nicht Premium 22 Euro).
Weltmarktführer ist die japanische Reifenhersteller Bridgestone (Firestone, Dyton, Firststop), Europamarktführer die deutsche Marke Continental (Gislaved, Semperit, Uniroyal, Eurotec, Barum, Fortuna).
Bei den Männern kennen 20 Prozent die Reifenmarke, die sie fahren, bei Frauen fünf Prozent. Reifen ist nicht gleich Reifen. Wir setzen auf Qualität! Oft ist die Erstausrüstung die Gattung, die sich in der Fortsetzung am besten vermarkten lässt. Der komplette Reifenwechsel, von der Terminanmeldung über die Annahme bis zur logistischen Steuerung der Zu- und Ablieferung der Reifen im Reifenhotel, dauert im Autohaus – so eine TÜV-Rheinland-Analyse – sage und schreibe 61 Minuten! Die Benzinverbrauchsreduzierung über Leichtlaufreifen macht fünf Prozent aus. Sie müsste gesetzlich verordnet werden. Wo bleibt die Initiative dafür? Wo bleiben die automatischen Luftdruckkontrollinstrumente? Für ganze zehn Euro pro Reifen kann jeder für Optimierung seiner Verbrauchswerte sorgen.
Der Hattrick läuft bis 30. Juni 2011. Wirklich, in der Wirkung ein Hammer!
18. Mai – Mittwoch
E-Mobilität – mit oder ohne Kaufanreize? Das Expertengremium "Nationale Plattform Elektromobilität" legte am Montag der Kanzlerin ihren Bericht vor. Am Mittwoch stellte das Kabinett die politischen Weichen. Danach wird staatlicherseits eine weitere Milliarde Euro für die Entwicklung des Elektroautos investiert. Ziel: Es sollen 2020 in Deutschland eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße fahren. Bei insgesamt 42 Millionen Fahrzeugen liegt dann der Zulassungsanteil für Elektrofahrzeuge – wie auch weltweit prognostiziert – bei drei bis fünf Prozent vom Gesamtfahrzeugbestand. Das Elektroauto wird als Nischenfahrzeug, als Kleinwagen für die Städte gesehen. Null Gramm CO2 pro Kilometer trifft für das Elektrofahrzeug selbst zu, aber nicht für dessen Stromerzeugung. Dort ist komplett erneuerbare Energie gefordert (Wasser-, Windkraft, Biomasse, Solaranlagen).
Daimler-Chef Dieter Zetsche machte deutlich, dass Anschaffung und Betrieb eines Elektrofahrzeuges rund 11.000 Euro Mehrkosten verursacht. 2017 sollen die Mehrkosten immer noch bei 5.000 Euro liegen. Ohne Förderung werde allenfalls zwischen 400.000 und 500.000 E-Autos Absatzrealität werden. Der Kfz-Steuererlass für Elektrofahrzeuge wird da wenig Kaufwirkung haben. Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind seit 1. Januar 2011 ganze 2.307 Elektroautos auf deutschen Straßen. Günstiges Angebot ist der Tazari Zero für 24.499 Euro, vertrieben über die Smiles AG. Mitsubishi, Citroen und Peugeot bieten auf vergleichbarer Plattform ihre Viersitzer-Varianten für 35.000 Euro an. Der Opel Ampera soll dann im November 43.000 Euro kosten. Den "Electric Drive", sprich E-Smart, kann man gar nicht kaufen. Dessen 42.000 Euro Verkaufspreis wird in eine Leasingrate von 700 Euro monatlich umgerechnet. Der eigentliche Start für die E-Mobility wird 2012 und 2013 stattfinden, wenn BMW, Audi, vor allem Volkswagen mit dem Kleinstwagen "up" und dem Ein-Liter-Auto auf den Markt kommen.
Wird sich das Elektro-Auto mit einer Reichweite zwischen 130 und 250 km durchsetzen? Bei Einsatz der Heizung und Klimaanlage verkürzt sich diese Entfernung noch. Die klassische Ladedauer an der Haushaltssteckdose liegt zwischen sechs und zwölf Stunden. Starkstrom (30 Minuten Ladedauer) erfordert einen speziellen Anschluss und tut der Batterie "besonders gut"! Womit die diversen Formen der Hybridantriebe zusätzliche Bedeutung erhalten. Weshalb wird nicht auch das Wasserstoffauto mit Brennstoffzelle stärker nach vorne geschoben? Dort sind größere Reichweiten und kürzere Tankzeiten gegeben. Die E-Mobilität ist auch stark vom zukünftigen Ölpreis abhängig. Erste E-Zielgruppen werden also die Energiekonzerne selbst sein, stromliefernde Stadtwerke, Öko-Firmen, Car-Sharing-Anbieter, Behörden, Dienstwagen der Politiker. Nachdem die eigentlichen Innovationen zum Elektrofahrzeug nicht von der Automobilindustrie selbst ausgehen, sondern von der branchenfremden Elektronik-Industrie und anderen Zulieferern, ist da noch mit mancher Überraschung zu rechnen. Möglicherweise sorgen Mittelständler für eigene E-Mobility-Lösungen, siehe Smiles AG in Aub.
19. Mai – Donnerstag
Tag des Ausbildungsplatzes. Neulich durfte ich im Rahmen einer Freisprechungsfeier für Mechatroniker die Festansprache halten. Anschließend kam die Mutter eines Absolventen auf mich zu und schilderte mir ihre Mühen um ihren Sohn. Er hatte mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss geschafft und seinen Eltern auf diesem Weg viele Geduldshürden gesetzt. Eigentlich war Alexander ein Fall mit wenig Hoffnung. Siehe da, Alexander kam in die Lehre und arbeitete auf einem Sektor, der ihn interessierte. Plötzlich wurden Kräfte in ihm frei. Er engagiert sich so, dass er nun unter 420 Absolventen als Innungsbester abschnitt. Schulnoten sagen in der Tat nicht alles!
Die Demografie in Deutschland zeigt Wandlung. Jetzt geht es um ausreichenden Nachwuchs im Gewerbe. Es fehlt heute schon an der qualifizierten Auswahl, gewerblich wie kaufmännisch. Die eine und andere Klasse an "Automobilkaufmännern" musste bereits geschlossen werden. Wir kehren dann zum "Bürokaufmann" zurück. Ob in dieser Phase Anzeigen wie die der TAK im Ausbildungsmagazin "Auto-Kaufmann" sinnvoll sind, sollte man schon grundsätzlich hinterfragen. Eigentlich sollte die Tendenz sein, den Lehrerberuf aufzuwerten. Gute Lehrkräfte sind in der Vermittlung von Kenntnissen und praktischem Können die halbe Miete. Nur gute Lehrkräfte garantieren Zukunft! So das Ideal. Wenn es in der Anzeige der TAK heißt: "Vergiss deine Lehrer", dann muss man schon fragen, weshalb der ZDK, dem die TAK zusammen mit dem Vogel-Verlag gehört, derartige Aussagen in seinem eigenen Ausbildungsmagazin anbringt. Unglaublich!
Dipl.-Ing. Otto-Leonhard Peus, Essen
Tomsclub
multidix
Georg Hensch