Abmahnungen im Autohandel: Wenn Regulierung zur Einnahmequelle wird

04.05.2026 12:24 Uhr | Lesezeit: 3 min
Abmahnung-Symbolbild
60 Prozent der Händler im AUTOHAUS Panel wurden bereits abgemahnt.
© Foto: AUTOHAUS / Mit KI generiert

Abmahnungen gehören zur betrieblichen Realität des Autohandels. Wie die aktuelle Pulsschlag-Umfrage zeigt, gehen 69 Prozent der Schreiben auf die Umwelthilfe zurück – und das Risiko wächst weiter.

Die Zahlen aus dem aktuellen AUTOHAUS Panel sind ein Alarmsignal: 60 Prozent der befragten Entscheider im Handel geben an, bereits abgemahnt worden zu sein. Bei großen und sehr großen Betrieben liegt der Anteil bei bis zu 86 Prozent. Abmahnungen sind kein Randthema mehr – sie gehören anscheinend zur betrieblichen Realität des Handels.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Absender. 69 Prozent der Abmahnungen stammen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Wettbewerber oder klassische Verbraucherschutzverbände spielen kaum eine Rolle. Wer diese Quote sieht, kann schwerlich von Einzelfällen sprechen. Hier wird systematisch abgemahnt – und systematisch kassiert.

Der häufigste Anlass: Verstöße gegen die Pkw-EnVKV, also CO2- und Verbrauchskennzeichnungen, mit 64 Prozent klar an der Spitze. Genau jene Vorgaben, die laut Befragung 60 Prozent der Händler als "sehr aufwendig" oder "kaum dauerhaft fehlerfrei einzuhalten" beschreiben. Das Ergebnis ist ein perfektes Abmahnumfeld: komplexe Regeln, minimale Fehler, maximale Konsequenzen.

Video-Kommentar von Chefredakteur Ralph M. Meunzel

Diese Konsequenzen sind teuer. 40 Prozent der betroffenen Betriebe mussten mehr als 2.500 Euro zahlen, häufig allein für Anwälte und Vergleiche. Kein Wunder also, dass viele Händler nicht kämpfen, sondern nachgeben: Ein großer Teil unterschreibt Unterlassungserklärungen, oft zähneknirschend und aus Angst vor noch höheren Kosten.

Die nächste Welle droht

Brisant: Die nächste Welle rollt bereits. Händler fürchten neue EU-Kennzeichnungspflichten für Gebrauchtwagen, strengere Social-Media-Regeln und Anti-Greenwashing-Vorgaben ab 2026. Mehr Regulierung bedeutet mehr formale Risiken – und damit mehr Abmahnpotenzial. 

Verbraucherschutz ist wichtig. Aber wenn formale Fehler zur dauerhaften Einnahmequelle werden, kippt das System. Dann geht es nicht mehr um Fairness oder Umwelt, sondern um Abzocke. Der Gesetzgeber muss handeln. Sonst bleibt dem Handel nur ein bitteres Fazit: Nicht der Markt ist das größte Risiko – sondern die Abmahnindustrie.

25-Jahre-AUTOHAUS-Pulsschlag-Abbinder
  
© Foto: AUTOHAUS

AUTOHAUS Pulsschlag

Der AUTOHAUS Pulsschlag ist Teil der Wissensplattform AUTOHAUS next. Mehr zum Top-Thema des Monats und zum aktuellen Neuwagen-, Gebrauchtwagen- und Aftersalesgeschäft der Branche finden Sie in der Ausgabe 3/2026. Das Stimmungsbarometer des deutschen Autohandels erscheint monatlich in Kooperation mit puls Marktforschung, CarGarantie, Santander und TÜV SÜD. Mehr zu den Bezugsmöglichkeiten erfahren Sie unter www.autohaus.de/pulsschlag

Die Branche ist Ihr Revier? Dann werden Sie regelmäßiger Teilnehmer bei der monatlichen pulsSchlag-Umfrage! Gesucht werden Profis aus dem Fahrzeughandel sowie im Aftersales. Die Teilnahme ist kostenlos und kann jederzeit beendet werden. Jetzt mehr erfahren und anmelden unter: www.autohauspanel.de




25 Jahre AUTOHAUS Pulsschlag

Seit 25 Jahren liefert Ihnen das AUTOHAUS Panel Monat für Monat echte Händlerdaten zu Erwartungen, Trends, Investitionen und Marktentwicklungen. Bis Jahresende an Panel-Umfragen teilnehmen und automatisch beim Jubiläumsgewinnspiel dabei sein: Jede Panel-Teilnahme = 1 Los. Zu gewinnen: 1 x Startplatz bei der AUTOHAUS Classic Rallye 2027 im Wert von 3.099 €, 1 x Ooni Koda 12 Pizzaofen, 1 x LEGO® Technic Defender, 5 x 100 € Obi-Gutschein.

Jetzt mitmachen

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.