Wie lassen sich Abläufe im Autohaus mit Künstlicher Intelligenz (KI), Automatisierung und besser vernetzten Systemen konkret verbessern? Beim AUTOHAUS IT Net.Work 2026 am Donnerstag in der Klassikstadt Frankfurt standen keine abstrakten Zukunftsbilder im Mittelpunkt. Händler und Anbieter zeigten konkrete Lösungen für den betrieblichen Alltag, die bereits erfolgreich eingesetzt werden.
Dabei zeigten die Vorträge und Workshops, dass nicht die Technologie allein über den Erfolg entscheidet. Autohäuser müssen einen geeigneten Prozess auswählen, anschließend den erwarteten Nutzen bestimmen und dann die Voraussetzungen prüfen. Der Einstieg sollte in einem überschaubaren Rahmen erfolgen. Die Beschäftigten frühzeitig einzubeziehen, ist eine zentrale Erkenntnis. Mehrere Referenten betonten, dass eine erfolgreiche Einführung von IT-Lösungen häufig nicht anhand fehlender Daten scheitert, sondern daran, dass Mitarbeitende nicht richtig mitgenommen werden.
Transparenz statt manueller Abstimmung
Wie sich gewachsene Abläufe neu strukturieren lassen, zeigte Umut Dasdemir von Carmovia am Beispiel von Fahrzeugtransporten. Eine zentrale Plattform sollte Standorte, Abteilungen und bestehende Transportpartner verbinden. Beteiligte können den Fahrzeugstatus einsehen und erkennen, wo sich ein Fahrzeug befindet. Auch Lasse Tartan von Procar Automobile betonte die Vorteile dieser Umsetzung des Projektes: "Vor- und nachgelagerte Prozesse lassen sich dadurch besser abbilden."
Welchen Nutzen durchgängige Prozesse bieten, wurde auch in anderen Vorträgen deutlich. Bei der Fahrzeuganlage können Daten per Kamera erfasst, mit dem Dealer Management System (DMS) verbunden und parallel für weitere Prüfschritte verwendet werden. Im Aftersales reichen die Ansätze von der automatisierten Auftragsvorbereitung bis zur Unterstützung des gesamten Serviceprozesses. Dabei soll nicht die Arbeit am Fahrzeug ersetzt werden, sondern vor allem die zeitintensive Vorbereitung und Administration.
AUTOHAUS IT Net.Work 2026
Daten gezielter nutzen
Ebenfalls im Mittelpunkt der Veranstaltung standen datenbasierte Entscheidungen. Im Aftersales kann KI etwa dabei helfen, Kunden mit einem konkreten und voraussichtlich relevanten Bedarf anzusprechen, statt breit gestreute Aktionen auszuspielen. Im Gebrauchtwagenhandel wiederum lassen sich Kosten und Leistung einzelner Plattformen vergleichen, Inserate gezielter steuern und Leads nach ihrer Kaufwahrscheinlichkeit priorisieren.
Praxisbeispiele gab es in Frankfurt außerdem für digitale Zulassungsprozesse, mobile Fahrzeugdokumentation sowie offene Systemlandschaften. Fotos und Videos können direkt am Fahrzeug aufgenommen und einem Auftrag zugeordnet werden. Digitale Zulassungen sollen Verwaltungswege verkürzen und Rückmeldungen unmittelbar in den Prozess zurückspielen.
Klein starten, Akzeptanz prüfen, skalieren
Wie wichtig ein kontrollierter Einstieg ist, machten Doris Gietl, Head of Business Development, Sales & Marketing von LDB Löffler, und Philipp Bach, Head of Platform- & Leadmanagement/ Customer Journey Excellence bei Senger Mobility, am Beispiel der telefonischen Kundenkommunikation deutlich. Die Lösung wurde zunächst an einem Standort erprobt. Dabei ging es nicht nur um die technische Funktion, sondern auch um die Reaktionen von Kunden und Beschäftigten. Die Quintessenz: Erst wenn Prozesse, Daten und Kommunikation zusammenpassen, lässt sich ein Pilot sinnvoll ausrollen.
Der diesjährige IT Net.Work-Tag zeigte, dass viele Werkzeuge für effizientere Abläufe im Automobilhandel bereits verfügbar sind. Den entscheidenden Unterschied macht der Weg ihrer Einführung. Erfolgreiche Digitalisierung beginnt mit einem konkreten betrieblichen Problem, schafft einen nachvollziehbaren Nutzen und nimmt den Menschen im Prozess mit.
Die Bildergalerie zeigt alle Vortragenden und Impressionen der Veranstaltung. Ein ausführlicher Bericht folgt im Magazin AUTOHAUS.