Freie Werkstätten und markengebundene Betriebe bleiben ihren etablierten Einkaufswegen weitgehend treu. Gleichzeitig nimmt die Beschaffung außerhalb des jeweiligen Stammkanals zu. Das ist das zentrale Ergebnis einer Kurzstudie von Wolk & Nikolic After Sales Intelligence, für die im Juni 2026 jeweils 100 freie und 100 Vertragswerkstätten in Deutschland befragt wurden.
Hohe Loyalität zu etablierten Beschaffungswegen
Demnach decken freie Werkstätten weiterhin den größten Teil ihres Ersatzteilbedarfs über den freien Großhandel. Dessen Anteil liegt bei 71 Prozent. Vertragswerkstätten kaufen sogar 77 Prozent ihrer Teile über das jeweilige OE-Netzwerk.
Von einem grundlegenden Umbruch im Teilegeschäft kann laut den Studienautoren daher keine Rede sein. Vielmehr zeigt sich ein Markt, in dem bestehende Strukturen stabil bleiben und zugleich durch zusätzliche Beschaffungswege ergänzt werden.
Freie Betriebe setzen häufiger auf alternative Quellen
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den freien Werkstätten. 39 Prozent der befragten Betriebe geben an, heute häufiger außerhalb ihres Stammkanals einzukaufen als noch vor fünf Jahren. Nur zehn Prozent berichten von einem Rückgang der Fremdbeschaffung. Bei den Vertragswerkstätten fällt die Entwicklung etwas moderater aus: Hier sprechen 30 Prozent von einem Anstieg und sieben Prozent von einem Rückgang.
Die Mehrheit beider Werkstattgruppen bewertet ihr Einkaufsverhalten allerdings als unverändert. Damit deutet aus Sicht der Aftermarket-Experten vieles auf eine schrittweise Veränderung und nicht auf einen grundlegenden Kanalwechsel hin.
Als Hauptgrund für die Fremdbeschaffung nennen beide Werkstattgruppen die Nichtverfügbarkeit von Teilen im Stammkanal. Darüber hinaus gibt es jedoch deutliche Unterschiede: Bei freien Werkstätten ist die Fremdbeschaffung häufig technisch motiviert. Vertragsbetriebe greifen dagegen eher auf alternative Bezugsquellen zurück, wenn Kundenwünsche oder Preisaspekte dies erforderlich machen.
Hersteller bleiben für freie Werkstätten relevant
Bemerkenswert ist zudem die Rolle der Fahrzeughersteller im freien Markt. Nach Angaben der Studie laufen bereits 19 Prozent des gesamten Ersatzteileinkaufs freier Werkstätten über OE-Netzwerke oder direkt über Herstellerorganisationen.
Auslöser dafür sind laut Wolk & Nikolic vor allem operative Anforderungen. An erster Stelle steht die Nichtverfügbarkeit von Teilen im gewohnten Beschaffungskanal. Hinzu kommen der Bedarf an Spezialteilen sowie höhere Qualitätsanforderungen.
Deutliche Unterschiede zwischen den Marken
Auch innerhalb der Vertragswerkstätten zeigen sich der Studie zufolge erhebliche Unterschiede. Besonders stark an den Werkskanal gebunden sind Betriebe deutscher Premiumhersteller. Dort liegt der Anteil des OE-Netzwerks am gesamten Einkauf bei 91 Prozent.
Bei deutschen Volumenmarken beträgt der Wert 77 Prozent, bei europäischen Herstellern 72 Prozent. Am geringsten ist die Bindung bei asiatischen Marken mit 66 Prozent. Zwischen den beiden Extremen liegt damit eine Differenz von 25 Prozentpunkten.
Mehr Flexibilität beim Einkauf
Die Autoren kommen zu dem Schluss: "Der Aftermarket bewegt sich nicht in Richtung eines Kanalwechsels, sondern in Richtung einer Kanal-Ergänzung: IAM- und OEM-Werkstätten lösen punktuelle Verfügbarkeits-, Qualitäts- und Kundenanforderungen zunehmend selbstverständlich außerhalb ihres Stammkanals — ein struktureller, graduell wachsender Trend statt eines disruptiven Bruchs." Für Anbieter im Teilegeschäft eröffne das neue Chancen, sich als ergänzende Bezugsquelle im Markt zu positionieren.
Weitere Details zur Kurzstudie "Kfz-Werkstätten in Deutschland - Einkauf von Ersatzteilen" finden Sie auf der Website von Wolk & Nikolic After Sales Intelligence.