Forum Automotive: So optimiert Weeber das Gebrauchtwagengeschäft

22.10.2026 12:18 Uhr | Lesezeit: 5 min
Ralf Salzgeber AH Weeber Forum Automotive
Ralf Salzgeber, Mitglied der Geschäftsleitung von Autohaus Weeber, war zu Gast in der Zukunftswerkstatt. Erfrischend offen gab er beim Forum Einblicke in das Gebrauchtwagen-Management der Handelsgruppe.
©Foto: Christian Richter / AUTOHAUS

Autos verkaufen allein reicht Ralf Salzgeber längst nicht mehr. Der Weeber-Geschäftsleiter zeigt, wie Inzahlungnahme, Finanzierung, Daten und Aftersales über den Ertrag entscheiden – und warum 100 Euro Ersparnis pro Gebrauchtwagen schnell eine halbe Million Euro bringen.

Wie lässt sich mit Gebrauchtwagen 2026 noch gutes Geld verdienen? Ralf Salzgeber, Mitglied der Geschäftsleitung der Autohaus Weeber GmbH, gibt beim Forum Automotive in der Zukunftswerkstatt 4.0 in Esslingen ungewöhnlich tiefe Einblicke in die Praxis. Sein Vortrag "Gebrauchtwagen-Management 2026" zeigt, wie eng Einkauf, Finanzierung, Aftersales, Daten und Prozesse inzwischen zusammenspielen.

Die Weeber-Gruppe verkauft jährlich rund 5.000 Gebraucht- und ebenso viele Neuwagen. Der Gebrauchtwagenumsatz liegt Salzgeber zufolge bei etwa 250 Millionen Euro. Rund 1.000 Gebrauchte stehen im Bestand. Einkauf und Disposition sind zentralisiert, fünf Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich um den Fahrzeugzukauf. Insgesamt beschäftigt die Gruppe aktuell rund 760 Menschen.

Inzahlungnahmen bringen die höchste Marge

Besonders lukrativ sind für Weeber nicht frei zugekaufte Fahrzeuge, sondern Inzahlungnahmen aus dem Neu- und Gebrauchtwagengeschäft. Dort liegt der Bruttogewinn bei mehr als 16 Prozent. Entsprechend versucht das Unternehmen, die Quote gezielt zu erhöhen. Damit die Verkäufer möglichst wenig Aufwand damit haben, laufen Bewertung und Preisfindung weitgehend über andere Stellen im Unternehmen.

"Dann kriegt er kein Auto von uns"

Ein Gebrauchtwagenverkauf allein reicht Weeber nicht. Besonders interessant wird das Geschäft, wenn eine Finanzierung oder ein Leasing, eine Inzahlungnahme und später möglichst auch Werkstattgeschäft hinzukommen. Denn diese Kunden bleiben dem Autohaus eher erhalten. Junge Gebrauchtwagen bis zum 40. Standtag verkauft die Gruppe deshalb grundsätzlich nur in Verbindung mit Finanzierung, Leasing oder einer Inzahlungnahme.

"Der Kunde, der mit dem Geld in der Tasche kommt, kriegt bei uns einen Kaffee, den begrüßen wir freundlich, aber er kriegt kein Auto von uns", sagt Salzgeber. Ausnahmen gibt es beispielsweise für langjährige Stammkunden. Nach Angaben des Managers steigert diese Strategie die Finanzierungs- und Leasingquote, ohne die Standzeiten nach oben zu treiben.

Eine wachsende Nachfrage sieht Salzgeber bei elektrifizierten Gebrauchtwagen. Ihr Anteil am Zukauf steigt von zehn auf 17 Prozent. Gäbe der Markt genügend Fahrzeuge her, würde er den Anteil nach eigener Aussage auf 30 Prozent erhöhen. Um sich künftig mehr gebrauchte E-Autos zu sichern, stellt Weeber bereits vor zwei Jahren einen Großteil der eigenen Dienstwagen auf Elektroantrieb um.

Falscher Bestand kann "Unsummen kosten"

Eine der größten Herausforderungen sieht Salzgeber im Übergang vom Verbrenner zum Elektroauto. Händler müssen genau beobachten, wann sich die Nachfrage verschiebt. Stehen zum falschen Zeitpunkt zu viele Verbrenner auf dem Hof, drohen hohe Wertverluste. "Wenn ich diesen Peak nicht erwische, dann wird es mich Unsummen von Geld kosten", sagt Salzgeber. Bei Weeber steht der Antriebsmix deshalb jeden Monat auf dem Prüfstand.

Statt Fahrzeuge vorschnell billiger anzubieten, setzt Weeber zunächst bei den Abläufen an. Fahrzeugeingang, Aufbereitung, Fototermin und das Einstellen in die Onlinebörsen sollen möglichst schnell erfolgen. Anschließend beobachtet das Einkaufsteam täglich Marktposition, Anfragen und vorgemerkte Fahrzeuge. Ändert sich die Marktlage, wird der Preis angepasst. Das funktioniert in beide Richtungen: nach unten, bei knapper Ware aber auch nach oben.

Leads: Die 90-Minuten-Regel

Konsequent ist Weeber beim Leadmanagement. Für Kundenanfragen gilt inzwischen ein Ziel von 90 Minuten. "Ich glaube, die Geschwindigkeit wird das sein, was uns in den nächsten Jahren am meisten begleitet", sagt Salzgeber. Verkäufer, die diese Vorgabe nicht erfüllen, bekommen vorübergehend keine neuen Leads. Sie sollen die Zeit nutzen, um ihre Abläufe wieder in den Griff zu bekommen.

100 Euro werden zur halben Million

Großes Ertragspotenzial sieht Salzgeber auch in vermeintlichen Kleinigkeiten. Deshalb schaut Weeber genau darauf, was Aufbereitung und Reparaturen eines Gebrauchtwagens kosten. Auch die Vergütung der zuständigen Serviceberater ist darauf ausgerichtet, das kalkulierte Reparaturbudget möglichst einzuhalten oder zu unterschreiten. Salzgebers Rechnung zeigt die Größenordnung: Werden bei 5.000 Gebrauchtwagen jeweils nur 100 Euro eingespart, summiert sich das auf 500.000 Euro. 

Dasselbe Prinzip gilt für Zubehör. Gebrauchte Winterradsätze gibt Weeber nicht mehr selbstverständlich kostenlos mit, sondern verkauft sie separat. Damit erzielt die Gruppe innerhalb eines Geschäftsjahres nach Angaben Salzgebers rund 221.000 Euro. Auch Lade- und Selbstzulassungspauschalen schaffen zusätzliche Erlöse.

Connected Cars sichern das Werkstattgeschäft

Digitalisierung soll gleichzeitig dafür sorgen, dass Kunden nach dem Kauf nicht aus dem Blickfeld verschwinden. Bei rund 70 Prozent der verkauften Gebrauchtwagen stellt Weeber laut Salzgeber bereits eine digitale Verbindung zum Betrieb her. So können Wartungs- oder Fehlermeldungen beim Autohaus ankommen. Auch Fahrzeuge, die nicht bei Weeber gekauft werden, sollen beim Werkstattbesuch möglichst mit dem Betrieb verknüpft werden.

"Gebrauchtwagen sind mit das geilste Geschäft"

Am Ende macht Salzgeber deutlich, warum ihn trotz aller Komplexität gerade dieses Geschäft reizt. Anders als beim Neuwagenverkauf gibt es aus seiner Sicht weniger Herstellervorgaben und mehr Möglichkeiten, selbst Einfluss zu nehmen. "Das Gebrauchtwagengeschäft ist mit das geilste Geschäft, was es im Autohaus gibt." Händler können hier Prozesse selbst gestalten, neue Erlösquellen erschließen und unmittelbar am Ergebnis arbeiten.


Praxis-Tipps für den Gebrauchtwagenhandel

  • Inzahlungnahmen forcieren: Sie gehören zu den ertragreichsten Zukaufsquellen. Schlanke Bewertungs- und Preisprozesse erleichtern dem Verkauf die Hereinnahme.
  • Bestände täglich beobachten: Standtage allein reichen nicht. Anfragen, Marktpreise, Antriebsarten und Nachfrage zeigen, wann Preise oder Zukauf angepasst werden müssen.
  • Leads schnell beantworten: Weeber setzt auf maximal 90 Minuten Reaktionszeit. Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor.
  • Zusatzgeschäft mitdenken: Finanzierung, Leasing, Wartung, Versicherung, Winterräder und Werkstattbindung machen einen Fahrzeugverkauf langfristig wertvoller.
  • Kosten je Fahrzeug prüfen: Schon 100 Euro weniger Aufwand bei 5.000 Gebrauchtwagen entsprechen 500.000 Euro zusätzlichem Ertrag.
  • E-Bestände vorausschauend steuern: Die Nachfrage verschiebt sich. Händler sollten Verbrenner- und Elektrobestände eng verfolgen, um Restwertrisiken zu begrenzen.


Praxisbezug für Studierende

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Forum Automotive" treten während des Semesters wöchentlich Expertinnen und Experten aus der Automobil- und Mobilitätsbranche an der HfWU auf. Die Reihe wird vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) gemeinsam mit der Fachzeitschrift AUTOHAUS organisiert und richtet sich vorrangig an Studierende aus automobil- und mobilitätswirtschaftlichen Studiengängen (Bachelor und Master).

Gastgeber und Moderatoren sind AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel sowie die IfA-Direktoren Prof. Stefan Reindl und Prof. Benedikt Maier, unterstützt von Prof. Frank Stenner. Ziel der Reihe ist es, theoretische Inhalte des Studiums in einen praxisnahen Kontext zu stellen – durch Fachvorträge und Diskussionen mit Entscheidern aus der Branche.

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