Handynutzung während der Fahrt: "Gefährliche Gewohnheit"

09.06.2026 04:10 Uhr | Lesezeit: 4 min
Handy am Steuer im Auto
Bei einer Beobachtung des Automobilclubs in fünf Großstädten nutzten rund 2,7 Prozent der Kfz-Fahrer sowie 1,4 Prozent der Rad- und E-Scooter-Fahrer das Handy während der Fahrt.
© Foto: SP-X/KI-generiert

Nur ein kurzer Blick auf das Display? Schon wenige Sekunden Ablenkung am Smartphone können für Fahrer verheerende Folgen haben. Das sagt auch die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen.

Das Smartphone während der Fahrt zu benutzen, ist laut ADAC für viele Menschen zu einer gefährlichen Gewohnheit geworden. Bei einer Beobachtung des Automobilclubs in fünf Großstädten nutzten rund 2,7 Prozent der Kfz-Fahrer sowie 1,4 Prozent der Rad- und E‑Scooter-Fahrer ihr Handy während der Fahrt. Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer an Ampeln wurde dabei nicht untersucht.

Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (Bast) kommt in ihrer jüngsten Handy-Verkehrsbeobachtungsstudie zu dem Schluss, dass die Ablenkung durch Smartphones weiterhin weit verbreitet ist. Die Untersuchung bezieht sich auf alle Straßenarten inklusive Autobahnen. Nach den im Jahr 2024 erhobenen Beobachtungsdaten waren 4,5 Prozent der Pkw-Fahrer (2022: 4,9 Prozent) aktiv mit ihrem Smartphone oder einem anderen technischen Gerät beschäftigt.

Mehr Männer als Frauen

Auf Autobahnen wird laut Bast-Studie das Smartphone am häufigsten genutzt, gefolgt vom außerörtlichen Verkehr. Am seltensten erfolgt die Nutzung innerorts. Im Detail ließ sich den Angaben der Bast zufolge am häufigsten beobachten, dass Pkw-Fahrer ihr Smartphone während der Fahrt in der Hand hielten, ohne zu sprechen, oder dass eine manuelle Bedienung im Bereich der Mittelkonsole erfolgte. Männer nutzten ihr Smartphone häufiger als Frauen, erklärte die Bundesanstalt.

Bei Radfahrern lag bei den Beobachtungen der Bundesanstalt in 2,4 Prozent (2022: 3,6 Prozent) der Fälle eine aktive Nutzung und in 8,8 Prozent (2022: 7,9 Prozent) der Fälle eine potenzielle Nutzung des Smartphones vor. Die Nutzung war demnach bei Radfahrern nachmittags am höchsten. Pkw-Fahrer waren dagegen häufiger am Vormittag abgelenkt, im Tagesverlauf nahm ihre Smartphone-Nutzung ab.

Dringender Appell des ADAC

Das Unfallrisiko wird laut ADAC häufig unterschätzt. "Wer auch nur wenige Sekunden auf das Display schaut, ist im Stadtverkehr praktisch blind unterwegs", sagte ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold. Bei einem Tempo von 50 Kilometern pro Stunde lege man fast 30 Meter zurück, wenn man zwei Sekunden auf das Display schaue. Nutzer seien so stark auf das Handy fokussiert, dass Umgebungsreize und Gefahrenhinweise ausgeblendet würden.

Ablenkung zähle zu den größten Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. "Wer während der Fahrt Nachrichten liest oder tippt, reagiert gar nicht oder zu spät auf Gefahrensituationen. Deshalb haben Unfälle, die auf Ablenkung zurückzuführen sind, häufig so verheerende Folgen", erklärte Suthold. Das gelte nicht nur für Autofahrer, sondern ebenso für Radfahrer. Auch auf dem Fahrrad könne ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit zu schweren Unfällen führen.

Stärkere Kontrollen gefordert

"Neben Aufklärung brauchen wir eine konsequente Überwachung bestehender Regeln. Nur wenn die Gefahr der Entdeckung steigt, wird sich das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer nachhaltig ändern", erklärte Suthold. Verstärkte Kontrollen seien deshalb wichtig. Als erstes Bundesland habe Rheinland-Pfalz für sogenannte Handyblitzer, etwa von Brücken aus, eine Rechtsgrundlage geschaffen. Diese sei auch in anderen Bundesländern Voraussetzung für einen Einsatz.

Die Verkehrsbeobachtung des ADAC fand im März und April in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München statt. Dabei wurden 9.573 Kfz-Fahrer sowie 9.239 Radfahrer und E‑Scooter-Fahrer beobachtet. Die Tester registrierten 262 Handyverstöße bei Kfz-Fahrern sowie 125 Verstöße bei Radfahrern und E‑Scooter-Fahrern. Die aktuellen Ergebnisse lägen mit den Werten der Bast für den innerstädtischen Verkehr nahe beieinander, sagte ein ADAC-Sprecher.

Die Bundesanstalt beobachtete insgesamt 80.000 Pkw-Fahrer, 47.000 Radfahrende (innerorts) sowie 50.000 Fußgänger (innerorts) in 14 Erhebungsregionen.


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