Autokäufer stellen Preisniveau infrage: Einfachere Modelle und weniger Varianten

14.04.2026 16:53 Uhr | Lesezeit: 4 min
Kundschaft im Autohaus
Im Autohaus rückt die Preisfrage stärker in den Vordergrund: Kunden vergleichen intensiver als früher. Dee Handel muss die Finanzierungsberatung früher platzieren und "Rate statt Listenpreis" denken.
© Foto: T.Volz/Pro Motor

Autokäufer halten Neuwagenpreise zunehmend für nicht gerechtfertigt. Das Automobilbarometer 2026 zeigt: Viele wünschen niedrigere Hersteller-Margen, weniger Modellvielfalt und sogar staatliches Eingreifen.

Neuwagen sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden - und stoßen bei vielen Käufern an Grenzen. Zwei Drittel der Befragten weltweit halten das aktuelle Preisniveau für nicht mehr gerechtfertigt. Für das Automobilbarometer 2026 ließ Consors Finanz rund 16.000 Personen in 13 Ländern befragen. Viele verlangen einen Kurswechsel bei Preisen und Angebot.

Kosten entscheidend, Sicherheit "zweitrangig"

Die steigende Preissensibilität verändert dabei auch die Reihenfolge der Kaufargumente. Weltweit liegen Anschaffungs- und Wartungskosten auf Platz eins und drei der wichtigsten Kriterien, der Punkt Sicherheit kommt an zweiter Stelle. Auch in Deutschland ist der Kaufpreis das wichtigste Kriterium, gefolgt von Wartungskosten und Zuverlässigkeit. Das erhöht den Druck, Kosten transparent zu erklären.

Verbraucher sehen hiervor allem die Hersteller in der Verantwortung, Autos wieder bezahlbarer zu machen. Knapp drei von vier Befragten weltweit sprechen sich für sinkende Hersteller-Margen aus - auch wenn das wirtschaftliche oder soziale Risiken haben könnte. In Deutschland liegt die Zustimmung bei 77 Prozent. Ebenfalls drei von vier plädieren für weniger Modellvarianten, um Kosten zu senken.

Kompromissbereitschaft beim Segment ist da

Ein Teil der Kundschaft wäre bereit, bei Fahrzeuggröße und Ausstattung Abstriche zu machen, wenn der Preis sinkt. In Deutschland könnten 31 Prozent mit kleineren Fahrzeugen leben, 27 Prozent mit weniger Sonderausstattung; je 26 Prozent würden Assistenzsysteme oder Bordtechnik reduzieren. Bernd Brauer, Head of Automotive Financial Service, sagt: "Viele Befragte wollen nicht auf Innovation und Design verzichten - also mehr Wert, das aber zum gleichen Preis."

Staatliches Handeln 

Neben Herstellermaßnahmen wünscht sich eine Mehrheit auch politische Schritte. In Deutschland findet staatliche Preisregulierung mehr Zustimmung als klassische Kaufprämien (74 zu 67 Prozent). Direkte Subventionen für Hersteller stoßen auf geringere Akzeptanz (53 Prozent). Sieben von zehn Befragte sprechen sich zudem dafür aus, Vorschriften und Normen zu prüfen - ohne Abstriche bei Umweltzielen.

Handel: Viele denken in Monatsraten

Für Autohäuser steigt der Erklärbedarf: Kunden wollen nachvollziehbare Angebote, klare Vergleichbarkeit und belastbare Beispielrechnungen. Weil viele in Monatsraten denken, gewinnt Finanzierung an Gewicht. Brauer betont die Rolle der Finanzierer: "Wir stehen als Bank und Teil des Vertriebsprozesses in der Pflicht, umweltfreundliche Modelle und insbesondere E-Autos für mehr private Haushalte einfacher zugänglich und bezahlbar zu machen."


Learnings / Impulse für die Autobranche

  • Preistransparenz erhöhen: klare Ausstattungslinien, klare Aufpreislogik
  • Alle Kosten über die ganze Laufzeit zeigen
  • Alternativen anbieten: junge Gebrauchte, Tageszulassungen, Abo/Leasing
  • Finanzierungsberatung früh platzieren:
  • Rate statt Listenpreis denken
  • Käufer akzeptieren Kompromisse bei Fahrzeuggröße
  • Vertrauen entsteht über Nachvollziehbarkeit, nicht allein über Rabattsignale
  • Weniger Varianten können im Verkauf helfen, schneller zu entscheiden



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