Beim Roundtable von Consors Finanz ging es um die "Zukunft des Autokaufs" – und um die Frage, wer die hohen Neuwagenpreise wieder senken soll. Grundlage war das aktuelle Automobilbarometer mit Befragungen in 13 Ländern (rund 16.000 Personen ab 18 Jahren). An der Diskussion nahmen Bernd Brauer (Consors Finanz), Oliver Rittierodt (MG Motor) und Christian Kraft (Auto Eder Gruppe) teil.
Brauer startete mit einem Befund: Das Auto hat weiter Rückhalt. In Deutschland bewerten 89 Prozent sein Image positiv. Auch die Markenbindung bleibt hoch: Drei von vier Befragten fühlen sich demnach einer Marke verbunden. Auffällig: Bei jüngeren Teilnehmern liegt die Markenverbundenheit laut Studie sogar leicht höher.
Der größte Bruch zeigt sich aber beim Preis. Mehr als neun von zehn Befragten in Deutschland halten Neuwagenpreise für "hoch" oder "zu hoch". Zwei Drittel empfinden den Preisanstieg als nicht gerechtfertigt. Brauer nannte als Kontext: Seit 2019 seien Neuwagenpreise um 40 Prozent gestiegen, die Netto-Einkommen im selben Zeitraum um 24 Prozent. Entsprechend ist nur etwa jeder Zweite mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden.
Verantwortung: Hersteller vorne, Staat und Handel dahinter
In der Pflicht sehen die Befragten daher zuerst die Hersteller: 37 Prozent nennen sie als Hauptverantwortliche, den Markt wieder in Schwung zu bringen. Der Staat folgt mit 21 Prozent, der Handel mit 12 Prozent. Überraschend positiv fallen die Händlerwerte aus. Rund 68 Prozent bescheinigen dem Autohaus ein gutes oder sehr gutes Image; 70 Prozent trauen dem Handel zu, Kundenbedürfnisse zu verstehen. Christian Kraft verwies hier auf die Praxis: Trotz digitaler Optionen sei vielen "der persönliche Kontakt" wichtig – teils sogar, um eine Online-Bestellung gemeinsam im Autohaus abzuwickeln. Für Kraft zählt weniger der Listenpreis als das "monatliche Budget" inklusive kalkulierbarer Kosten.
Beim Thema Politik zeigten sich Nuancen. Kraft hält eine reine Neuwagenförderung für "katastrophal" aus Handelssicht: Gebraucht- und Vorführwagen müssten einbezogen werden, sonst drohten Abwertungen im Bestand. Brauer sprach sich eher für verlässliche Anreize als für Preisregulierung aus und verwies auf Kosten durch wachsende Vorschriften. Rittierodt betonte zudem Planungssicherheit beim Verbrenner-Aus: Unklare Signale verunsicherten Käufer und Hersteller.
Auf die Frage nach drohenden Insolvenzen im Handel riet Kraft zu striktem Liquiditäts- und Bestandsmanagement: Vorsicht bei Abnahmen, kurze Debitorenlaufzeiten und ein kritischer Blick auf Rückkaufverpflichtungen – besonders bei E-Fahrzeugen. Bei Neuwagenmargen sieht er kaum Spielraum: "Der Deckungsbeitrag ist an der Schmerzgrenze." Zusatzerlöse erwartet Kraft eher über Gebrauchtwagen, Service sowie Paketangebote aus Finanzierung, Wartung und Versicherung.
Wie geht es weiter? Digital ja, aber eher im Hybridmodell
Beim Thema Onlinekauf bleibt: 60 Prozent können sich einen komplett digitalen Autokauf vorstellen – von Recherche bis Lieferung. Gleichzeitig bremsen aber fehlende Probefahrt, Angst vor versteckten Mängeln und geringes Vertrauen in reine Online-Anbieter. Im Panel überwog daher das Hybridbild: digital informieren, vor Ort beraten und abschließen. Rittierodt rechnet mit mehr digitalen Verträgen, "aber nicht zu Lasten des Autohandels". Brauer ergänzte, dass Leasing und Finanzierungen mit Schlussrate zunehmen – gerade bei E-Autos, die Kunden zunächst "testen" wollen.