Kfz-Gewerbe kontert Vorwürfe zum Tankrabatt: Verbraucher werden entlastet

11.05.2026 10:52 Uhr | Lesezeit: 3 min
Eine Frau hält an einer Tankstelle eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.
Tankrabatt angekommen? Das Kfz-Gewerbe in Baden-Württemberg sagt: Ja
© Foto: Sven Hoppe/dpa

Ist der Tankrabatt verpufft? Eine EU-Auswertung zeigt: In Deutschland sind die Preise an der Zapfsäule gesunken – anders als in den Nachbarländern.

Nach anhaltender Kritik an der Weitergabe des sogenannten Tankrabatts sieht das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg keine Anhaltspunkte für ein Versagen des Marktes. Eine aktuelle Auswertung von Preisdaten in Europa kommt vielmehr zu dem Ergebnis, dass die Steuersenkung an der Zapfsäule angekommen ist – trotz gleichzeitig steigender internationaler Energiepreise.

EU-Daten als Basis der Bewertung 

Ausgangspunkt der Analyse ist das wöchentlich veröffentlichte "Oil Bulletin" der EU-Kommission, das Kraftstoffpreise in allen Mitgliedstaaten sowohl brutto als auch netto ausweist. Der Zentralverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland (ZTG) hat die Daten für den 4. Mai 2026 mit der Vorwoche verglichen. Anlass war die zum 1. Mai in Deutschland in Kraft getretene Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um netto 14,2 Cent je Liter, was inklusive Mehrwertsteuer einer rechnerischen Entlastung von 16,9 Cent je Liter entspricht.

Mehrere politische Akteure sowie Verbraucherschützer hatten zuvor Zweifel geäußert und behauptet, diese Entlastung sei nicht vollständig bei den Kunden angekommen.

Nettopreise nur eingeschränkt vergleichbar 

Das Kfz-Gewerbe weist in seiner Bewertung darauf hin, dass sogenannte Nettopreise aus dem EU-Bulletin nicht mit reinen Produktpreisen gleichzusetzen sind. Sie enthalten weiterhin staatliche Kostenbestandteile wie CO2-Bepreisung oder Verpflichtungen aus der Treibhausgasminderungsquote. Diese Belastungen variieren stark zwischen den Ländern, wodurch internationale Vergleiche nur eingeschränkt aussagekräftig sind. 

Irankrieg treibt Preise nach oben 

Hinzu kommt ein erheblicher externer Einfluss: Seit Ende Februar 2026, ausgelöst durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und die zeitweise Schließung einer zentralen Handelsroute, befinden sich die Energiepreise auf einem hohen Niveau. Zwischen dem 27. April und dem 4. Mai stiegen die Nettopreise in nahezu allen betrachteten europäischen Ländern deutlich an – im Schnitt um vier bis neun Cent je Liter. 

Deutschland als Ausreißer nach unten 

Vor diesem Hintergrund bewertet das Kfz-Gewerbe die Preisentwicklung in Deutschland als bemerkenswert: Während in allen acht betrachteten Nachbarländern die Bruttopreise im Beobachtungszeitraum gestiegen sind, gingen sie hierzulande zurück. Für Superbenzin sanken die Preise um 8,1 Cent je Liter, für Diesel um 9,3 Cent.

Rechnerisch ergibt sich laut Auswertung folgendes Bild: Dem internationalen Preisanstieg von rund sieben bis neun Cent je Liter (brutto) steht die steuerliche Entlastung von 16,9 Cent gegenüber. Unter dem Strich verbleibt damit eine spürbare Entlastung für Verbraucher von rund acht bis neun Cent je Liter. 

Klare Schlussfolgerung 

Die zentrale Aussage des Kfz-Gewerbes fällt entsprechend deutlich aus: Die Senkung der Energiesteuer sei "offenbar vollständig und sehr schnell in den Verbraucherpreisen angekommen". Dass sich die nominale Entlastung nicht eins zu eins an den Zapfsäulen widerspiegele, liege allein am gleichzeitigen Anstieg der internationalen Einkaufspreise – ein Faktor, auf den Tankstellenbetreiber keinen Einfluss hätten. 

Die aktuellen Zahlen widersprechen damit der These, Mineralölunternehmen hätten die Steuersenkung nicht weitergegeben. Vielmehr zeigt der europäische Vergleich nach Darstellung des Verbands, dass Deutschland in der betrachteten Woche als einziges Land sinkende Verbraucherpreise verzeichnete.

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