Restwertrisiko: "Handel nicht im Regen stehen lassen"

08.07.2010 11:44 Uhr
Harry Brambach: Neuwagen-Vertrieb in Schieflage.
© Foto: ProMotor

Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg fordert von Autobauern und Leasinggesellschaften mehr Entgegenkommen beim Restwertrisiko. Den Händlern brennt auch das Dauerthema Dienstwagenbesteuerung auf den Nägeln.

Das Kraftfahrzeuggewerbe Baden-Württemberg fordert von Autobauern und Leasinggesellschaften mehr Entgegenkommen bei den Restwerten. Das Verlustrisiko bei Leasing-Rückläufern sei eine Last, die den Automobilhandel derzeit ganz besonders drücke, erklärte Ludger Wendeler, Vizepräsident und Fachgruppenvorsitzender Kraftfahrzeughandel des Landesverbandes, am vergangenen Dienstag anlässlich des "Zweiten Branchentages" in Filderstadt. Der Handel dürfe "in dieser für ihn zunehmend existenzbedrohenden Situation nicht im Regen stehen gelassen werden".

Wendeler sieht auch Handlungsbedarf beim Kfz-Dauerthema "Dienstwagenbesteuerung". Er rief die Politik auf, die bisherige Pauschalversteuerung von 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu streichen sowie auf die Pendlerpauschale zu verzichten. "Dies dient der Steuervereinfachung und ist geeignet, das gewerbliche Neuwagengeschäft anzukurbeln."

Aktuelle Entwicklungen standen im Mittelpunkt des Händlertreffens, zu dem rund 80 Automobilunternehmer gekommen waren. Landesverbandspräsident Harry Brambach machte den Anwesenden die Notwendigkeit eines neuen Geschäftsmodells zwischen Händlern und Herstellern deutlich. Der Vertrieb von Neufahrzeugen sei in gesättigten Märkten in Schieflage geraten. An den Symptomen werde bereits seit Jahren laboriert, die Dynamik der Entwicklung, verstärkt durch die Wirtschaftskrise, erfordere jedoch ein konsequentes Kurieren der Ursachen. "Daher müssen die Risiken so verteilt sein, dass jede Seite – Handel und Hersteller – die Kosten trägt, die ihr originär zuzuordnen sind", so Brambach.

Weitere Vorträge drehten sich um die Eckpunkte der neuen Kfz-GVO sowie den Datenschutz im Kfz-Betrieb (u.a. Auswirkungen der Verbraucherkreditrichtlinie). (rp)

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KOMMENTARE

Herbert Seeger

09.07.2010 - 07:50 Uhr

Der Druck auf die Politiker, diese völlig unsinnige Dienstwagenbesteuerung endlich wieder abzuschaffen, ist zwingend notwendig. Mietwagenrückläufer, Vorführwagen und Werkswagen stehen jetzt in einer Konkurrenzsituation zu den Neuwagen, die dadurch beim Handel einen enormem Preisverfall bringen. Das wird durch die vom Hersteller gestützten Leasingangebote für Neuwagen noch verstärkt. Fazit: Nicht nachlassen! Es ist wirklich enorm wichtig, hier voran zu kommen.


Rudi Schmitt

09.07.2010 - 09:40 Uhr

Da kommen wieder die Forderungen an Leasinggesellschaften und Hersteller...wie wäre es mal, selber vernünftig zu kalkulieren und nicht jede Leasingrate mitzumachen, um dann am Ende der Laufzeit um Hilfe zu bitten? Wenn richtig kalkuliert wird, ergibt sich das Problem schon nicht. Wer das Risiko nicht tragen kann, darf das Geschäft nicht machen. Der Markt regelt das Thema und sortiert aus. Und die Forderung nach Streichung der Pendlerpauschale ist eine Frechheit. Das kann man natürlich fordern, wenn man selber einen Dienstwagen fährt und die Tankkarte auf Kosten des AG zückt...was ist mit den tausenden Pendlern? Die fahren nicht zum Spaß zur arbeit, sondern erreichen damit Ihr Haushaltseinkommen (mit entsprechenden Abgaben an den Staat). Genauso könnte man die Streichung der Subventionierung von gewerblichen Zulassungen fordern, was den Markt verzerrt und den Unternehmen Vorteile bietet, die der Privatmann nicht genießen kann.


Dieter M. Hölzel

09.07.2010 - 10:21 Uhr

Ob die Politik es begreift welche Steuerbremse die Besteuerung von Dienstwagen ist ? Sie gehört umgehend abgeschafft ! Allerdings die Pendlerpauschale streichen zu wollen ist extrem kontraproduktiv, um dies mal sehr zurückerhaltend zu formulieren. Menschen die täglich weite Strecken mit dem Auto zurücklegen und dem Kfz.-Handel die Autos abkaufen, will Herr Wendeler das bißchen Geld wegnehmen? Wie tickt der denn mit seinen Ansichten ? Hausaufgaben machen und mal den grünen Tisch verlassen und sich in die Realität begeben, Herr Wendeler !!! Sie sind auch noch ein Vorsitzender einer Fachgruppe im Landesverband, man kann es kaum glauben, aber es erklärt so manche Schieflage !


E.Kühlwetter (wallibelli)

09.07.2010 - 13:28 Uhr

@ Herbert Seeger, Sie sind also der Meinung, ein Dienstwagenfahrer braucht seinen Privatanteil nicht versteuern. Seltsame Form von Rechtsauffassung. Wissen sie eigentlich, dass Deutschland schon das großzügigste Dienstwagenprivileg in der EU hat? Das ist politisch gewollt. Nicht zuletzt die hier ansässigen Premiummarken profitieren besonders davon. Audi und BMW kommen auf etwa 75-80 % gewerbliche Zulassungen, MB liegt bei ca. 60 % in D-Land. Der Staat ist der letzte, den man für die Neuwagenabsatzmisere im Gewerbebereich verantwortlich machen kann. Ich selbst fahre seit 25 Jahren kein Privatwagen mehr. Weil er einfach im Vergleich zum Dienstwagen zu teuer ist. Solange hiesige Autohersteller z. B. in USA ihre Neuwagen steuer- und zollbereinigt bis zu 40 % billiger als in D-Land anbieten, solange es Hersteller gibt, die wie Audi trotz deutlichem Absatzrückgangs im Inland derzeit die Neuwagenpreise erhöhen, liegt das Problem beim Hersteller. Wer es immer noch nicht gemerkt hat, der deutsche Markt ist für die OEM's aus Imagegründen wichtig. Was den Absatz angeht, steht er nicht mehr im Focus. Ob Händler darunter leiden, interessiert Hersteller die Bohne. Händler waren für sie schon immer ein angenehmer Risikopuffer und Abladeplatz selbst produzierten Mülls. Nehmen sie nur das aktuelle Beispiel der Risiken aus Leasinggeschäften. Versuchen kann man alles. Wo kein Kläger, da kein Richter.


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