Studie: EV-Batterien bei zunehmender Schnellladung stabil

13.01.2026 15:35 Uhr | Lesezeit: 2 min
Laden eines Elektro-Kia
Moderne Hochvoltbatterien zeigen über längere Zeiträume eine stabile Leistungsfähigkeit.
© Foto: Kia

Moderne Hochvoltbatterien in Elektrofahrzeugen zeigen über längere Zeiträume hinweg eine stabile Leistungsfähigkeit. Das geht aus einer Analyse von Geotab hervor, die auf realen Telematikdaten von mehr als 22.700 Elektrofahrzeugen basiert.

Die Auswertung erstreckt sich über mehrere Jahre und berücksichtigt unterschiedliche Nutzungs-, Lade- und Klimabedingungen. Die durchschnittliche jährliche Batteriedegradationsrate liegt demnach aktuell bei 2,3 Prozent. In der vorherigen Analyse aus dem Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 1,8 Prozent. Der leichte Anstieg wird vor allem auf veränderte Ladegewohnheiten zurückgeführt, insbesondere auf den zunehmenden Einsatz leistungsstarker Gleichstrom-Schnelllader.

Trotzdem zeigen die Daten, dass moderne Traktionsbatterien in der Regel deutlich länger halten als die typischen Nutzungs- und Austauschzyklen von Privat- und Flottenfahrzeugen vermuten lassen. "Der Zustand der EV-Batterien bleibt gut, auch wenn die Fahrzeuge schneller geladen und intensiver genutzt werden", sagt Charlotte Argue, Senior Manager, Sustainable Mobility bei Geotab. "Unsere neuesten Daten zeigen, dass die Batterien immer noch weit über die von den meisten Flotten geplanten Austauschzyklen hinaus halten."

Ladeleistung als entscheidender Faktor

Besonders deutlich wird der Einfluss der Ladeleistung auf den Batteriezustand. Fahrzeuge, die überwiegend mit Gleichstrom und Ladeleistungen von über 100 kW geladen wurden, zeigten eine beschleunigte Alterung mit einer durchschnittlichen Degradation von bis zu 3,0 Prozent pro Jahr. Fahrzeuge, die hauptsächlich mit Wechselstrom oder geringerer Ladeleistung betrieben wurden, lagen bei etwa 1,5 Prozent jährlich.

Damit rückt das Ladeverhalten stärker in den Fokus als andere bislang häufig diskutierte Faktoren. Argue ordnet dies so ein: "Was sich geändert hat, ist, dass das Ladeverhalten nun eine viel größere Rolle dabei spielt, wie schnell die Batterien altern, was den Betreibern die Möglichkeit gibt, langfristigen Risiken durch intelligente Ladestrategien entgegenzuwirken."

Der Einfluss klimatischer Bedingungen fällt laut Analyse geringer aus. Fahrzeuge in wärmeren Regionen wiesen im Schnitt eine um rund 0,4 Prozentpunkte höhere jährliche Degradation auf als Fahrzeuge in gemäßigten Klimazonen.

Strikte Ladegrenzen verlieren an Bedeutung

Die Untersuchung stellt zudem die Notwendigkeit strenger täglicher Ladebeschränkungen in Frage. Fahrzeuge, die regelmäßig einen größeren Ladezustandsbereich nutzten, zeigten keine signifikant höhere Degradation – vorausgesetzt, die Batterie wurde nicht dauerhaft vollständig geladen oder nahezu vollständig entladen. Auch eine höhere Fahrleistung wirkt sich messbar auf die Alterung aus. Stark genutzte Fahrzeuge wiesen eine um rund 0,8 Prozentpunkte höhere jährliche Degradation auf als Fahrzeuge mit geringer Nutzung. Dieser Effekt wird jedoch im Verhältnis zu den betrieblichen Vorteilen als moderat bewertet.

"Für Flotten sollte der Schwerpunkt auf Ausgewogenheit liegen", sagt Argue. "Die Verwendung der niedrigsten Ladeleistung, die noch den betrieblichen Anforderungen entspricht, kann einen messbaren Unterschied für die langfristige Batterieerhaltung bewirken, ohne die Verfügbarkeit der Fahrzeuge einzuschränken."


Batteriedegradation

Unter Batteriedegradation versteht man die natürliche Abnahme der speicherbaren Energiemenge im Laufe der Zeit. Der Zustand der Batterie wird als "State of Health" (SOH) angegeben. Neue Batterien starten mit einem SOH von 100 Prozent und verlieren diesen Wert schrittweise. Eine 60-kWh-Batterie mit einem SOH von 80 Prozent stellt somit effektiv noch rund 48 kWh nutzbare Energie zur Verfügung.

Die Analyse zeigt, dass sich Degradationsraten je nach Fahrzeugmodell, Ladeverhalten und Nutzung unterscheiden. Insgesamt bleiben die meisten modernen Elektrofahrzeugbatterien jedoch über viele Jahre hinweg einsatzfähig.



Batteriedaten werden zum Steuerungsinstrument

Für Flottenbetreiber gewinnen verlässliche Informationen zum tatsächlichen Batteriezustand zunehmend an Bedeutung. Telematikbasierte Auswertungen ermöglichen es, Alterungsprozesse besser einzuordnen, den Fahrzeugeinsatz gezielter zu planen und Lade- sowie Nutzungsstrategien anzupassen. Damit wird der Batteriezustand zu einem wichtigen Faktor für Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer von Elektrofahrzeugen.


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