Thema: Es ist nicht alles grün, was glänzt

19.09.2007 00:00 Uhr
Ein höchst unterschiedliches Bild geben die Automobilproduzenten laut einer Studie in Sachen Umweltstrategie ab.

Studie vergleicht die Umweltstrategien der Hersteller / Mit Übersichtsgrafik

"Es ist nicht alles grün, was glänzt", wird sich manch IAA-Besucher während seines Messerundgangs beim Anblick der auf Hochglanz gebrachten Ökomodelle gedacht haben. Das dominierende Umweltthema konnte in Frankfurt nicht von jedem Hersteller überzeugend vermittelt werden. Dieser Eindruck manifestiert sich jetzt auch in einer Studie des "Center of Automotive" der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach, das aus der Zusammensicht der Produktgegenwart und Ankündigungen für die Zukunft ein Bild der umweltstrategischen Ausrichtung der einzelnen Automobilproduzenten zeichnet.

Dabei zeigt sich, dass die deutschen Hersteller ihren Abstand zu Toyota, der Marke mit dem "grünsten" Image, deutlich verringert haben. Insbesondere BMW besitzt laut Studie eine besonders überzeugende Umweltstrategie, deren Umsetzung schon recht weit gediehen ist. Auch Volkswagen/Audi sei den Japanern dicht auf den Fersen. Demgegenüber erscheine die Umweltstrategie von Daimler noch recht "fragmentarisch", erklärt Institutsleiter Stefan Bratzel. "Serienreife Innovationen, die den direkten Wettbewerbern das Wasser abgraben könnten, sind noch kaum zu finden", kritisiert der Wissenschaftler. Bratzel hat viele Hersteller ohne bzw. mit diffuser Umweltstrategie ausgemacht. "Das Spektrum reicht von Herstellern, die 'Umwelt-Kommunikation statt innovativer Umwelttechnik' betreiben bis hin zu Herstellern die sich in der Vielzahl von Umwelttechnologien zu verlieren scheinen", so der Experte. Insgesamt gebe es eine eindeutige Korrelation von gegenwärtiger Verbrauchseffizienz der Pkw einzelner Hersteller und Umweltstrategie: Konzerne wie BMW, die derzeit schon verbrauchsarme Fahrzeuge auf dem Markt anbieten, besäßen in der Regel auch eine überzeugende Umweltstrategie (s. Downloadbox rechts). Die Bayern dominieren in Sachen Verbrauchseffizienz die mittleren und oberen Fahrzeugsegmente. Addiere man zum Listenpreis die Kraftstoffkosten bei normaler Fahrzeugnutzung und Haltedauer, so ergebe sich ein erstaunliches Einsparpotenzial zu dem jeweiligen Marktführer des Segments, das sich im Falle der Oberklasse auf bis zu 13.000 Euro summiert. Schlecht schneiden bei dieser Art der Kostenbetrachtung übrigens die Hybridmodelle ab. Durch ihren hohen Listenpreis rangieren sie in den Segmenten auf den letzten Plätzen. Gemessen am CO2-Einsparpotenzial ist in der Studie der BMW 630i mit einem Vorteil von 4,7 Tonnen im Vergleich zum Bestseller des Segments der Spitzenreiter, gefolgt vom BMW 520d (4,5 Tonnen) und dem VW Polo Bluemotion (knapp 3 Tonnen). (Niko Ganzer)

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